Cafés:Wo Sie in München den besten Kaffee bekommen

Münchens Kaffeehauskultur ist erstaunlich vielfältig: Sechs Tipps - von der kleinen Rösterei bis zum königlich-bayerischen Hoflieferanten.

Von Franz Kotteder

1 / 6

Der Klassiker: Café Luitpold

-

Quelle: Stephan Rumpf

Das Café Luitpold in der Brienner Straße 11 ist eines der ältesten Münchner Kaffeehäuser, 1888 wurde es eröffnet. Schon bald ist es ein Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens. Erich Mühsam, Ernst Toller und Oskar Maria Graf kehren hier ein, aber auch Adolf Hitler. Später wird das Kaffeehaus gar ein beliebter Nazi-Treffpunkt, SA und SS gehen ein und aus. Nach dem Krieg erlebt das Café Luitpold eine neue Blüte mit dem großen Premierenkino, das in den Luitpoldblock einzieht. Danach geht es langsam bergab. 2009 aber kommt der Umschwung. Der Bäckermeister und promovierte Betriebswirtschaftler Stephan Meier pachtet das Café und baut es um. Er will an alte Zeiten anknüpfen, es ist abends wieder bis 23 Uhr geöffnet. "Wir sind eines der letzten Cafés in der Stadt mit eigener Konditorei und richtiger Küche", sagt er, "ich liebe das klassische Kaffeehaus einfach." Die Anfangszeit war schwierig, aber mittlerweile läuft es. Herzstück des Cafés ist der Palmengarten im Innenhof, es gibt immer wieder Lesungen und Veranstaltungen in bester Kaffeehaustradition, und ein eigenes kleines Museum erinnert an die Geschichte des Hauses.

2 / 6

Der Röster: Caffè Fausto

-

Quelle: Stephan Rumpf

Manche Dinge kann man nicht planen, die ergeben sich einfach so. Bei Harald Faust war es so, dass er zwar studierter Informatiker ist, sich aber irgendwann um 2007 herum sehr für die Kunst des Kaffeeröstens zu interessieren begann. Er kaufte sich auf der Auer Dult alles mögliche zusammen, was man für eine Röstanlage gebrauchen konnte, und begann zu experimentieren. Die erste Röstung klappte nicht so gut, der Kaffee schmeckte verbrannt, aber dann wurde es langsam.

Heute ist Harald Faust längst ein Profi. Er arbeitet zum Großteil mit selbst importierten Arabica-Bohnen und hat seine Rösterei mittlerweile in der Kraemerschen Kunstmühle in Untergiesing. In der ehemaligen Getreidemühle befinden sich heute Büros und kleine Gewerbebetriebe - und auch ein eigenes Café, das Faust ebenfalls führt (Birkenleiten 41, Montag bis Freitag 11-19 Uhr und Samstag 10-17 Uhr). Neben den verschiedenen und durchaus auch außergewöhnlichen Espresso- und Filterkaffeesorten von Fausto gibt es dort auch Kuchen, Muffins, kleine Snacks und unter der Woche einen Mittagstisch: ein Untergiesinger Kaffeehausidyll.

3 / 6

Learning by doing: Vits

-

Quelle: Stephan Rumpf

Wenn sich Alexander Vits an seine Anfänge erinnert, kann er nur den Kopf schütteln: "Damals habe ich gedacht, ich wüsste viel über Kaffee - da habe ich mich gründlich geirrt." Mit dem Kaffee, so sagt auch er, verhalte es sich wie mit dem Wein: Wer anfange, sich damit zu befassen, begebe sich auf eine Reise, die niemals ende. Der reine Zufall hatte ihn auf die Idee gebracht, sich mit einer Rösterei selbstständig zu machen. Er arbeitete damals als Unternehmensberater und träumte von der eigenen Firma. Als er mit einem Freund nach Barcelona fuhr und dort beim Stadtbummel auf die weltberühmte Rösterei "El Magnífico" stieß, war es um beide Männer geschehen. Denn so etwas, so dachten sie, fehle München noch. Vits war derjenige, der den Plan durchzog, während sein Freund am Ende doch lieber wieder ausstieg. Am Anfang, so erzählt er, sei es viel schwieriger gewesen als gedacht. Doch mittlerweile hat sich seine Rösterei nebst Café in der Rumfordstraße (Mo. bis Fr. 8-19 Uhr, Sa. 10-18 Uhr) längst etabliert. Wie in den meisten Betrieben dieser Art setzt auch Gründer Vits auf den Verkauf von Zubehör zur richtigen Zubereitung des Getränks.

4 / 6

Der Größte: Dallmayr

-

Quelle: Stephan Rumpf

Dank der Fernsehwerbung weiß es die ganze Republik: Im Stammhaus von Dallmayr, dem königlich-bayerischen Hoflieferanten an der Dienerstraße 14-15, werden Kaffeebohnen noch von freundlichen jungen Damen in weißen Schürzen individuell für den Kunden abgefüllt. Zwar besteht Dallmayr, das größte Delikatessengeschäft Europas, schon seit dem Jahr 1700. Was da aber im Fernsehen so nach 19. Jahrhundert aussieht, ist in Wirklichkeit viel jünger. Denn ins Kaffeegeschäft stieg Dallmayr erst 1933 ein. Der Bremer Kaffeekaufmann Konrad Werner Wille kam damals nach München und richtete die Spezialabteilung für Kaffee ein. Von da an entwickelte sich der Handel für Dallmayr zu einem der wichtigsten Geschäftszweige überhaupt. Die Firmengruppe Dallmayr macht einen Jahresumsatz von rund 900 Millionen Euro, gut 500 Millionen davon entfallen auf den Geschäftsbereich "Kaffee & Tee". In den hauseigenen Röstereien an fünf Standorten in München, Berlin, Braunschweig, Bremen und Dortmund werden jährlich 57 000 Tonnen Röstkaffee produziert. Ein bisschen was davon gibt es im Stammhaus, und jährlich 2,8 Millionen Besucher wollen das auch sehen.

5 / 6

Die Kette: San Francisco Coffee

-

Quelle: Stephan Rumpf

Der Name klingt, als wäre das Unternehmen ein US-Konzern, der in der ganzen Welt gleich aussehende Filialen hinstellt und Kaffee in allen möglichen und unmöglichen Variationen aufbrüht. Dabei ist die San Francisco Coffee Company ein Münchner Kindl. 1999 ist die Kette von einer Münchner Unternehmerin gegründet worden, die nach einem längeren Kalifornien-Aufenthalt auf die Idee dazu gekommen war. Daher wohl die Surfbilder und Requisiten, die zur Standardausstattung der Filialen gehören. Nachdem die Kette 2012 kurz vor der Insolvenz stand, wurde sie für einen symbolischen Euro von den Münchner Gastronomen Michael Dörrenberg und Uli Springer übernommen. Heute besteht sie aus 17 Filialen, neun davon in München, sieben in Berlin, Stuttgart, Regensburg und Pocking sowie kurioserweise einer in Abu Dhabi. Das Angebot unterscheidet sich nicht sehr von dem anderer Kaffeeketten, dafür sind aber alle Kaffees in Bio- und Fairtrade-Qualität. Noch eine weitere Kette hat ihren Sitz übrigens in München: Coffee Fellows, die weltweit gut 170 Filialen betreibt, davon neun in München.

6 / 6

Der Lokalpatriot: Emilo

-

Quelle: Stephan Rumpf

"Coffee to go" gibt es nicht in dem kleinen Laden an der Buttermelcherstraße 5, gleich ums Eck vom Viktualienmarkt. Hier heißt das "Kaffee zum Geh", und daraus kann man erschließen, dass das Emilo ein Münchner Unternehmen ist und durchaus stolz auf seine Stadt. Emanuel Clemm, Michael Brohmeyer und Hans Piller haben Emilo gegründet als "Kaffeespezialitätenrösterei". Die Produktionsstätte liegt hinter dem Ostbahnhof, dort verarbeiten sie Bohnen aus 30 Ländern zum Beispiel zu "Münchner Espresso" in Bioqualität und zu weiteren acht Sorten aus den verschiedensten Anbaugebieten. Sogar einen eigenen "Espresso Orso Polare" zu Ehren der Eisbären im Tierpark Hellabrunn haben sie kreiert. Daneben gibt es aber auch noch normalen Kaffee. Im Laden selbst gibt es natürlich alle Kaffeesorten sowie diverses Zubehör. Eine Besonderheit sind die täglich frisch gebackenen Rohrnudeln, Scheiterhaufen, Marmorkuchen und Brezen von Toni Filser, die weggehen wie die, nun ja: warmen Semmeln, die es aber ausgerechnet nicht gibt im Emilo (Montag bis Freitag 7-18 Uhr, Samstag 9-18 Uhr).

© SZ vom 17.12.2016/amm
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB