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Café Sommer: Ein Frühstück, das für Frühlingsgefühle sorgt

Café Sommer in der Sommerstraße in Untergiesing, für die Frühstücks-Cafe-Serie

Auf der Frühstückskarte des Café Sommer stehen fünf Arrangements vom Grill, darunter ist auch ein Strammer Max.

(Foto: Florian Peljak)

Im Café Sommer in Untergiesing gibt es deftige Frühstücksklassiker und leckere Kuchen. Außerdem punktet das kleine Lokal mit sehr gutem Kaffee und seiner idealen Lage.

Mitten im Winter muss man so ein Versprechen erstmal halten können: Sommer! Das klingt nach an der Isar liegen, nach Picknick mit frischen, nein frischesten Zutaten, nach Süße-Säure-Wärme-Wonne. Also ab in die Sommerstraße an diesem Februarmorgen, die Erwartungen sind hoch, das kann nicht gut ausgehen, denkt sich der Frühstückslokal-Tester. Und dann, war ja klar, kein Tisch mehr frei. Siehste! Denkste, denkt sich die Chefin Bettina Baumgart und fragt einen Gast, ob er etwas gegen Zusammenrücken hätte. Ebendieser okkupiert mit Zeitung und Kaffeetässchen einen der wenigen schmalen, hüfthohen und für mindestens vier Erwachsene gedachten Eichentische, allein, an einem Sonntagmorgen.

Solche Egomanen sind ja nicht gerade ein Aushängeschild für ein Lokal. Aber dann das: "Na klar, kein Problem, war eh grad fertig, lasst es euch schmecken!", sagt der Gast, steht auf und gibt den Platz frei.

Café Sommer in der Sommerstraße in Untergiesing, für die Frühstücks-Cafe-Serie

Die Gäste sind im Café Sommer zum Self-Service aufgefordert, der Weg zur Theke ist nicht weit.

(Foto: Florian Peljak)

Dann fragt Baumgart mit einer Hand am Siebträger auch schon nach den Kaffeewünschen. Das überrascht, weil Schilder auf den Tischen die Gäste zum Self-Service auffordern. Zwischen Tresen und Tischen ist der Gang nur badehandtuchbreit, das Ladenlokal auch sonst nicht groß. Die Bestellung lässt sich so aber von überall im Café in Richtung Kaffeemaschine kommunizieren, ohne herumbrüllen zu müssen.

Was gibt es und was kostet es?

Das überschaubare Koffeinheißgetränkeangebot prangt in fetten Lettern auf einer Tafel. Gut lesbar, auch von den wenigen Sitzplätzen draußen durch die großen Scheiben, die von zwei Seiten viel Licht in den kleinen Raum lassen. Bei so viel Blickfreiheit hat Baumgart auf dekorativen Wandbehang oder anderen Interieur-Schnickschnack verzichtet, das Ladenlokal wirkt so aufgeräumt wie die Kaffeekarte. Und apropos, der Espresso (1,90 Euro), der Cappuccino (2,50 Euro) und der große Americano (3,50 Euro) sind jeden Cent wert und gehören ohne Zweifel zu den besten ihrer Art im nördlichen Untergiesing.

Die Frühstückskarte im Café Sommer besteht neben Klassikern wie Croissant oder Dinkelbrot mit Butter und hausgemachter Marmelade (je 4,90 Euro), Müsli oder Joghurt mit frischen Früchten auch aus fünf Arrangements vom Grill. Drei davon sind Variationen der laut Homepage "berühmten" Stingl-Brezn. Die gab es hier schon, als das Sommer noch Bäckerei Alof hieß, die im Jahr 2017 an die Stelle des Cafés Bald Neu getreten war.

Das Stingl-"Original" kommt getoastet und belegt mit Kochschinken, Emmentaler und Spiegelei (5,50 Euro) an den Tisch, die vegetarische Variante mit Spiegelei, Brie und Rucola (5,90 Euro). Das noch flüssige Eigelb spendet den Kreationen Saftigkeit. Das ist deftig und überhaupt ziemlich lecker, was zumindest der optischen Kontrolle nach zu urteilen auch auf den Strammen Max (7,90 Euro) mit zwei Spiegeleiern und Schwarzwälder Schinken auf frischem Krustenbrot zutrifft. Die freundlichen Nachbarn am Nebentisch bestätigen diesen Eindruck per Verkostung.

Geschmacklich nicht mithalten kann an diesem Tag hingegen der Käseteller (7,90 Euro). Brie, Emmentaler und Frischkäse, allesamt eher auf der sehr milden Seite, hätte ein Schälchen Feigensenf oder Artverwandtes gutgetan. So wirkt die Zusammenstellung wie ein Hallenbadbesuch bei 30 Grad im Schatten, irgendwie trist. Lieber schnell zum Abschluss etwas Süßem zuwenden.

Café Sommer in der Sommerstraße in Untergiesing, für die Frühstücks-Cafe-Serie

Das Stingl-"Original" wird getoastet und mit Kochschinken, Emmentaler und Spiegelei (5,50 Euro) belegt serviert.

(Foto: Florian Peljak)

Die Auswahl an Kuchen und Torten ist ordentlich. Der Bestellvorgang dann jedoch langwierig, weil inzwischen offenbar das halbe Viertel auf die Idee gekommen ist, sich unterwegs im Sommer mit Semmeln und Kaffee zu versorgen. So gilt es, mit den To-go-Kunden um die Aufmerksamkeit der zwei für ein Weilchen mit dem Andrang überausgelasteten Bedienungen zu kämpfen. Doch dann stehen auch schon die Mohntorte (das Stück 3,60 Euro) und der Apfelkuchen mit Rumrosinen (3,40 Euro) vor uns.

Das Café Sommer wird von dem sozialen Unternehmen Kuchentratsch ("Omas backen, Opas liefern") und zwei Konditoreien versorgt. Apfelkuchen und Mohntorte schmecken so saftig, so frisch, gedanklich wähnt man sich schon mit einem Stück Wassermelone in der Hand auf der Liegewiese im nahen Schyrenbad. Glatt hätte man Lust, sich auch noch einem Stück der immer hausgemachten, herzhaften Quiche (mit Salat 6,90 Euro) hinzugeben, doch dafür reicht die Aufnahmefähigkeit schlicht nicht mehr. Der Isarstrand nur einige hundert Meter entfernt ruft zum Verdauungsspaziergang. Und irgendwie liegt jetzt auch schon Frühling in der Luft. Immerhin.

Café Sommer, Sommerstraße 33, 81543 München, Öffnungszeiten: Mo. bis So. 7 bis 19 Uhr, 089/46257432

© SZ.de/amm

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