ZwischennutzungEin Café eröffnet im ehemaligen Kino am Sendlinger Tor

Lesezeit: 2 Min.

Das türkisfabene große Banner über dem Eingang ist schon wieder verschwunden, das Café Plex aber ist noch da. Am vergangenen Wochenende erst ist es ins Foyer des ehemaligen Filmtheaters am Sendlinger Tor  gezogen.
Das türkisfabene große Banner über dem Eingang ist schon wieder verschwunden, das Café Plex aber ist noch da. Am vergangenen Wochenende erst ist es ins Foyer des ehemaligen Filmtheaters am Sendlinger Tor  gezogen.
Stephan Rumpf

München hat ein neues Zwischennutzungsprojekt: Wo einst Filme am Sendlinger Tor gezeigt wurden, gibt es nun Kaffee. Was das „Plex“ zu bieten hat.

Von Jacqueline Lang

SZ bei Google bevorzugen

Die Popcorn-Maschine steht noch an ihrem Platz an der Bar und aufgrund des Denkmalschutzes sieht es im Foyer des früheren Kinos am Sendlinger Tor auch sonst im Prinzip noch so aus wie vor ziemlich genau sieben Monaten. Damals, am 15. Januar, schloss sich im Filmtheater das letzte Mal der Vorhang. Nach 112 Jahren war Schluss. Der Grund: ein jahrelanger Streit über Geld zwischen den Immobilienbesitzern und den Kinobetreibern. Lange war danach unklar, wie es mit dem geschichtsträchtigen Gebäude im Zentrum Münchens weitergehen soll. Seit dem Wochenende ist nun klar: Zumindest das Foyer des Kinos ist nun vorübergehend Zuhause einer weiteren Filiale des Café Plex. Neben der Popcorn-Maschine steht deshalb neuerdings eine große Siebträgermaschine.

Betreiber der Münchner Café-Kette sind Maximilian Kamp und Philipp Cheng. Bevor die zwei Jungunternehmer an den Sendlinger-Tor-Platz gezogen sind, ging es im Herbst 2024 los mit einer Filiale in der Türkenstraße, schnell folgten weitere Läden in der Leopold- und Fraunhoferstraße. Wie sie an die Ladenfläche im ehemaligen Kino gekommen sind, dazu will der 25-jährige Kamp nicht ins Detail gehen. Nur so viel: Mit der Eigentümergemeinschaft, der das Haus gehört, habe er gar keinen direkten Kontakt gehabt. Das Plex ist also, wenn man so will, die Zwischennutzung von der Zwischennutzung.

Maximilian Kamp betreibt das Café Plex gemeinsam mit Philipp Cheng.
Maximilian Kamp betreibt das Café Plex gemeinsam mit Philipp Cheng.
Stephan Rumpf
Die Popcorn-Maschine am Eingang ist ein Relikt aus alten Zeiten.
Die Popcorn-Maschine am Eingang ist ein Relikt aus alten Zeiten.
Stephan Rumpf

Was Kamp selbst wichtig ist: „Wir haben nichts mit dem Kino zu tun.“ Ergo: Das Plex ist nicht schuld daran, dass das beliebte Kino weichen musste. Er sieht das eher so: Mit dem Café haben sie den bestehenden Leerstand aufgehoben. Wenn man es den Menschen so erkläre, die in den Tagen seit der Eröffnung vorbeigekommen sind, sagt Kamp, dann verstünden das die meisten auch. Wobei er auch sagen muss: Bei manchen, die mit „leuchtenden Augen“ durch die Tür kommen, in der Hoffnung, dass das Kino wieder geöffnet hat, überwiegt im ersten Moment schon die Enttäuschung. Das Interesse an der Neueröffnung ist aber auf jeden Fall da. Kamp selbst scheint darüber fast überrascht. Es sei wohl ein „großes Politikum“, was hier passiere, vermutet er.

Und tatsächlich: Während man mit Kamp am Tresen steht, kommen innerhalb von nur ein paar Minuten gleich zwei Frauen mittleren Alters herein, die nur mal schauen wollen. Ihre Blicke: neugierig, aber durchaus wohlwollend. Einer weiteren, etwas älteren Dame gefällt die Idee mit dem Café – nur das große türkisfarbene Banner, über dem Eingang, auf dem in großen Lettern „Plex“ steht, gefällt ihr nicht. Sie wünsche sich, sagt sie, etwas, das besser zur Fassade passe. Auf einen Espresso bleibt sie trotzdem – und das Banner ist am nächsten Tag bereits verschwunden.

Kamp war selbst nie im ehemaligen Kino, er weiß aber, dass es vielen Menschen viel bedeutet hat. „Wenn anderen Leuten der Ort am Herzen liegt, sollte man schon aufpassen, was man damit macht.“ Gemeinsam mit seinem Partner Philipp Cheng hat er sich deshalb überlegt, den hinteren Teil des Foyers Kunstschaffenden zur Verfügung zu stellen, für Ausstellungen etwa, vielleicht auch mal für eine kleine Filmvorführung. Am 1. September wolle man damit starten, wer Ideen habe, dürfe sich gerne noch bei ihm melden.

Das Plex bietet eigentlich nur Dinzler-Kaffee, Matcha aus Japan und süße Teilchen vom Café Fika an. Kein Schnickschnack, man sei ein „ganz normales Café mit fairen Preisen“, betont Kamp. Tatsächlich kostet ein Cappuccino hier nur 2,50 Euro. Eine kleine Hommage an das einstige Kino gibt es aber doch: süßes Popcorn aus der Originalmaschine, jetzt zur Eröffnung sogar umsonst. Demnächst wollen sie noch eine weitere Maschine in Betrieb nehmen, für eine salzige Variante.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Die Münchner Gastroszene
:Jung, bunt, experimentell

Wer an die Münchner Gastroszene denkt, denkt vermutlich vor allem an traditionelle Wirtshäuser, an Sterneküche. Doch mittlerweile gibt es auch immer mehr junge kulinarische Konzepte. Eine Auswahl.

SZ PlusVon Jacqueline Lang

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: