Was für ein Chaos. Nicht eine Lampe, kein Tischchen, kaum ein Stuhl gleicht dem anderen. Jedes Bild an der Wand hat einen eigenen Stil, jeder Teppich ist ein Unikat. In einer Ecke eine Ukulele, in einer anderen ein alter Flipper einer Spezi-Marke. Das neue Café „A Little West“ – wie der Name schon andeutet, liegt es im Westend – verfolgt kein Einrichtungskonzept wie so viele andere Lokale, sondern ist wenig kohärent, dafür aber sehr originell und gemütlich eingerichtet. Die Möbelstücke, viele sicherlich auf dem Flohmarkt erworben, wurden wild zusammengewürfelt. In einer Ecke sitzt ein Pärchen auf einem weichen Sofa, an einem winzigen Beistelltisch hat ein junger Mann einen Laptop aufgeklappt, eine junge Frau isst auf einem Holzstuhl am Fenster ein Stück Kuchen, während sie mit ihrem großen Kopfhörer etwas anhört.
Das Café verströmt eine enorme Behaglichkeit, einen ganzen Tag lang könnte man hier verweilen. Sollte Langeweile aufkommen: In hohen Regalen stehen etliche Bücher zum Lesen – ob „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“, Andersens Märchen, ein Kochbuch von Paul Bocuse oder das Guinness-Buch der Rekorde 1996. Auch das ist eine nicht unbedingt zusammenpassende, aber sympathische Mischung.
Das Little West gehört zum Café „Lost Weekend“ an der Ludwig-Maximilians-Uni und dem „A Little Lost“ am Hauptbahnhof. Während das Lost Weekend auch auf Konzerte setzt, das Little Lost vor allem auf Frühstück, legt das Little West den Schwerpunkt auf vegane Kuchen und Snacks.
Bestellt wird an der Theke, wo die kleine Karte aushängt und das Gebäck in einer Glasvitrine ausliegt. Es gibt jeden Tag selbst gebackene Kuchen von Betreiberin Tanya Naughton, die früher als Patissière im Werneckhof arbeitete. An diesem Vormittag zum Beispiel: Orange Kardamom, Lemon Blueberry oder Matcha Coconut. Letzterer (5,20 Euro) schmeckt saftig und cremig, die zwei besonderen Zutaten harmonieren sowohl in der Creme als auch im Teig hervorragend, ohne sich aufzudrängen.


Der Hummus-Bagel ist angereichert mit Pinienkernen, getrockneten Tomaten und Gurkenstückchen. Das Avocado-Sandwich wird nicht mit Vollkornbrot, sondern mit Baguette gereicht und hat noch ein paar Blätter Rucola abbekommen. Die Gerichte (jeweils 7,80 Euro) werden im Little West nicht aufwendig drapiert, schmecken aber wunderbar, da sie frisch zubereitet und stimmig sind. Zu trinken gibt es Espresso (2,20 Euro), Caffè latte mit Hafer- oder Sojamilch (4,80 Euro) oder frisch gepressten Orangensaft (4,60 Euro).
Bereits wenige Wochen nach der Eröffnung ist das Café zu einem beliebten Treffpunkt im Viertel geworden. Sobald die Sonne scheint, setzen die Gäste sich auch an die Tische im ruhigen Innenhof. Ein Eichhörnchen springt vom Baum hinunter, Singvögel flattern vorbei, in einem Blumentopf dreht sich ein Windrad. Zudem wird in dem Lokal einmal im Monat ein Stricktreffen organisiert, auch das hat sich bereits herumgesprochen. Bilder auf dem Instagram-Account zeigen, dass beim letzten Mal jeder Tisch belegt war. Man selbst möchte beim nächsten Besuch unbedingt den Platz mit dem grünen Lehnsessel bei dem großen Lampenschirm ergattern.
A Little West, Westendstraße 87, 80339 München, Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 9 bis 18 Uhr, an Sonn- und Feiertagen geschlossen

