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Giesing:Linderung mit neuer Linie

Stau, Verkehr auf der Straße wegen Streik im öffentlichen Nahverkehr

Quälende Verkehrsprobleme: Anwohner und Lokalpolitiker haben seit vielen Jahren dafür gekämpft, dass an der Tegernseer Landstraße ein Tunnel entsteht. Die Ausfallstraße zur A 995 ist gerade im Berufsverkehr stark stauanfällig; zuletzt seien erneut wieder Abgas-Grenzwerte überschritten worden, heißt es.

(Foto: Florian Peljak)

Da die Tunnelprojekte beerdigt wurden, dringen die Grünen aus zwei Bezirksausschüssen auf eine Alternative für die Tegernseer Landstraße: Ein Expressbus zwischen Münchner Süden und Landkreis soll Entlastung bringen

Von Hubert Grundner, Giesing

Jahrelang haben Giesinger Lokalpolitiker und vor allem die Anwohner der Tegernseer Landstraße für eine Tunnellösung gekämpft. Eine Linderung der quälenden Verkehrsprobleme auf diesem Weg sollte zumindest geprüft werden. Doch noch ehe daraus ein richtiges Projekt wurde, ist es auch schon wieder beerdigt: Wegen der zu erwartenden coronabedingten Einnahmeausfälle beschloss die grün-rote Rathauskoalition im August, das Vorhaben nicht mehr weiterzuverfolgen. An den Verkehrsproblemen hat sich dadurch natürlich nichts geändert.

Allerdings wollen sich die Grünen damit nicht einfach abfinden: "Die seit Jahren bekannte enorme Lärm- und Abgasbelastung am Mittleren Ring in Giesing und am McGraw-Graben erfordern dringend Taten. Eine schnelle öffentliche Verbindung als Alternative zum Auto könnte in dem staugeplagten Bereich Abhilfe schaffen", erklärt Marcus Kaiser, stellvertretender Vorsitzender des Unterausschusses "Mobilität und Verkehr" im Lokalgremium Obergiesing-Fasangarten. Erstmalig in der Geschichte der Giesinger Grünen haben ihm zufolge daher die beiden Bezirksausschuss-Fraktionen gemeinsam einen Antrag gestellt: Auf diese Initiative hin bitten nun der Bezirksausschuss (BA) Obergiesing-Fasangarten und der BA Untergiesing-Harlaching Stadtverwaltung und MVG jeweils einstimmig, eine vom Landkreis München vorgeschlagene Expressbuslinie (X220) von Putzbrunn über Ottobrunn und Unterhaching in den Münchner Süden bis zum Harras so bald als möglich umzusetzen.

Die grünen Fraktionen begründen ihren Vorstoß damit, dass die A 995 und in deren weiterem Verlauf der Mittlere Ring vor allem im Berufsverkehr stark überlastet sind. Auch im dritten Quartal 2020 seien die Grenzwerte für das giftige Abgas Stickstoffdioxid (NO₂) am Mittleren Ring wieder überschritten worden. Die Lärmbelastung für die Giesingerinnen und Giesinger entlang der Strecke gehöre zur höchsten im Stadtgebiet. Dementsprechend soll der Expressbus dazu dienen, diese Strecke vom Autoverkehr zu entlasten.

McGraw Graben in München, 2015

Umfahrungsidee: Die obere Ebene des McGraw-Grabens soll so umgebaut werden, dass Busse und Radler auf einer eigenen Spur freie Bahn haben.

(Foto: Florian Peljak)

Dabei wollen es die Grünen aber nicht belassen. Vielmehr solle die obere Fahrspur der Tegernseer Landstraße am McGraw-Graben entlang in beide Richtungen so umgebaut werden, dass diese Strecke nur von Bussen sowie Fahrrädern befahren werden kann. "Wenn der Bus dort oben entlangfährt, hätte er de facto eine eigene Busspur", erklärt Norbert Weigler, Vorsitzender des Unterausschusses "Mobilität" im BA Untergiesing-Harlaching. "Entsprechend könnte er den häufig auftretenden Stau umfahren. Und vielleicht regt es den einen oder anderen Autofahrer an, auf den ÖPNV umzusteigen, wenn er im Stau steht und oben den Bus vorbeifahren sieht." Zuvor wären jedoch einige Umbauten notwendig. So müsste etwa durch Schranken oder versenkbare Poller sichergestellt werden, dass nur Busse die Route befahren können.

Die Grünen schlagen außerdem vor, dass der Expressbus die folgenden, bereits bestehenden Haltestellen anfahren soll: "Stadelheimer Straße", "St.-Quirin-Platz" und "Tegernseer Landstraße". Zur Begründung heißt es im Antrag, dass dadurch die Polizeiinspektionen und -kommissariate entlang der Tegernseer Landstraße besser ans ÖPNV-Netz angebunden würden. An der noch einzurichtenden Haltestelle "Stadelheimer Straße" bestünde zudem eine Umsteigemöglichkeit zur Buslinie 139, am St.-Quirin-Platz zur U-Bahnlinie 1 sowie zu den Buslinien 147 und 220. Und von der Haltestelle "Tegernseer Landstraße" aus erreiche man schnell die Tramlinien 15 und 25 sowie die Buslinien X30 und 54. Zudem werde auf die Weise das Grünwalder Stadion noch besser angebunden.

"Mit dem Vorhaben könnte auch die Fahrtzeit der Buslinie 147 verkürzt werden. Dies ermöglicht eventuell eine Anbindung des Seniorenzentrums Awo Föhrenpark", freut sich Catharina Grabner, Mitglied im Unterausschuss "Familie, Soziales, Ausbildung" und Kinderbeauftragte im BA Obergiesing-Fasangarten.

Zusätzlich regt der BA Untergiesing-Harlaching auf Initiative der Grünen einen Beitrag zur Verbesserung der Tangentialverbindungen im Münchner Osten an: Neuharlaching, Obergiesing, Haidhausen und Berg am Laim ließen sich demnach schneller miteinander verbinden, indem die von Winning (Gemeinde Taufkirchen) kommende Buslinie 220, über den Giesinger Bahnhof hinaus, bis zum Ostbahnhof verlängert wird. Auf der längeren Strecke könnte außerdem die Frequenz um 50 Prozent gesteigert werden, auf neun statt sechs Fahrten pro Stunde, heißt es in der Begründung des Antrags.

Paul Bickelbacher von der Stadtratsfraktion Die Grünen/Rosa Liste erklärt zur Initiative seiner Parteifreunde: "Wir brauchen dringend mehr Stadt-Umland-Busse um die Pendlerströme attraktiv, zuverlässig und verträglich bewältigen zu können. Das hier vorgelegte Konzept ist ein maßgeblicher Baustein hierzu, der durch eine direkte Anbindung der Potenziale und eine zügig befahrbare Linienführung besticht."

© SZ vom 23.11.2020/van
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