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Verkehr in München:Vorfahrt für Busse

Wie hier an der Abfahrtsrampe von der Donnersbergerbrücke zur Arnulfstraße stehen Linienbusse bisher oft im Stau.

Nächster Halt dauert noch: Wie hier an der Abfahrtsrampe von der Donnersbergerbrücke zur Arnulfstraße stehen Linienbusse bisher oft im Stau. Eine eigene Fahrspuren soll hier und auch an anderen Stellen Abhilfe schaffen.

(Foto: Robert Haas)
  • Münchens Busse sollen nicht im Stau stehen - tun sie aber oft.
  • Mit neuen Busspuren, angepassten Ampelschaltungen und Halteverboten will der Stadtrat dieser Misere zumindest teilweise entgegenwirken.
  • Die MVG betont immer wieder: Nur wenn die Busse zügiger und zuverlässiger vorankommen, werden sie häufiger genutzt.

Wer sich an einem beliebigen Werktag morgens an eine viel befahrene Straße stellt, dem bietet sich folgendes Bild: Hunderte Autos rollen im Schneckentempo Stoßstange an Stoßstange irgendeinem Ziel entgegen. Ein Großteil dieser Autos ist nur von einer Person besetzt, in regelmäßigen Abständen taucht gelegentlich auch ein Bus der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) auf - oft voll besetzt, aber genauso langsam wie die Autos, die den Stau produzieren. Mit neuen Busspuren, angepassten Ampelschaltungen und Halteverboten will nun der Stadtrat dieser Misere zumindest teilweise entgegenwirken.

Insgesamt 14 Straßen sind von dem so bezeichneten "Maßnahmenbündel für 2020" betroffen. Neue Busspuren soll es an der Herzogstraße geben, an der Abfahrt von der Donnersbergerbrücke zur Arnulfstraße, an der Kreuzung Dietlinden- und Potsdamer Straße, an der Ampfingstraße, an der Ludwigstraße, am Frankfurter Ring und an der Wendl-Dietrich-Straße. An der Trappentreustraße ist ebenfalls eine Busspur vorgesehen, diese soll allerdings zunächst geplant und gesondert beschlossen werden. Hier ist einerseits wenig Platz, andererseits müssten voraussichtlich Bäume gefällt werden.

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Die Busspur an der Ludwigstraße wird eine vorübergehende Lösung sein. Sie soll zwar zunächst abmarkiert, aber dann in die Planung zum dort vorgesehenen Radschnellweg eingebunden werden. Eine Besonderheit ergibt sich an der Wendl-Dietrich-Straße. Hier ist eine für Busse freigegebene Radspur vorgesehen.

Vorfahrt an Ampeln sollen Busse am Frankfurter Ring bekommen, an der Effnerstraße und an der Rosenheimer Straße beim Innsbrucker Ring. Hier meldet das Kreisverwaltungsreferat allerdings Sicherheitsbedenken an: Da die Kreuzung überlastet ist und sich hier ein Unfallschwerpunkt befindet, wurde die dortige Priorisierung der Busse wieder abgeschaltet. Voraussetzung für eine neue, ganztägige Priorisierung, die zu keinen Einschränkungen des Autoverkehrs führen würde, wäre nach Auffassung der Stadtverwaltung der Bau einer zusätzlichen Linksabbiegespur auf dem Innsbrucker Ring zwischen Ottobrunner- und Rosenheimer Straße zur Autobahn A 8. Ein Gutachten soll das weitere Vorgehen klären.

Weiter sind an der Ittlingerstraße und an der Manzostraße Halteverbote vorgesehen, da beide Strecken relativ eng sind. In der Haberlandstraße soll es ein Durchfahrverbot für Autos geben, um den Verkehr auf die Hauptstraßen zu verlagern.

Alle Maßnahmen wurden in einem fraktionsübergreifender Arbeitskreis abgestimmt

Ob alles letztlich so beschlossen wird oder ob noch Änderungsanträge dazukommen, ist noch unklar. Das Thema, das an diesem Mittwoch eigentlich in einer gemeinsamen Sitzung des Wirtschafts-, Kreisverwaltungs-, Planungs- und Bauausschusses behandelt werden sollte, wird in die Vollversammlung am 23. Oktober vertagt. Der Grund: Die Vorlage hat die Stadträte erst einen Tag vor der Sitzung erreicht, da sich die Abstimmung zwischen den zuständigen Referaten hingezogen hat. Für die Verkehrsexperten im Stadtrat Jens Röver (SPD) und Johann Sauerer (CSU) ist dies ein Zeichen, dass es Zeit für das geplante Mobilitäts- oder Verkehrsreferat wird. Ansonsten sind beide mit den vorliegenden Maßnahmen als weiteren Schritt Richtung Verkehrswende zufrieden. Bei den Maßnahmen wird es aber nicht bleiben. Das dritte Maßnahmenbündel ist bereits in Arbeit.

Schon dieses Jahr hat die Stadt eine Reihe von Maßnahmen weit geplant und teilweise umgesetzt, etwa die Busspur auf der Friedenheimer Brücke. Noch dieses Jahr will die Stadt mittels Ampelschaltungen den Verkehrsfluss auf der Prinzregentenstraße begrenzen, und an der Allacher Straße eine Busspur markieren. Alle Maßnahmen wurden in einem fraktionsübergreifender Arbeitskreis abgestimmt. Den Grünen geht es allerdings nicht schnell genug mit der Busbeschleunigung. Fraktionschefin Katrin Habenschaden kritisiert das "schleppende Tempo" des Planungsreferats - und die aus ihrer Sicht zu geringe Anzahl der neuen Busspuren. Schließlich habe die MVG schon vor zwei Jahren einen Vorschlag für mehr als 50 solcher Spuren vorgelegt. Passiert sei aber bisher so gut wie nichts.

"In diesem Tempo kann es nicht weitergehen, wenn der öffentliche Verkehr in München nicht kollabieren soll", sagt Habenschaden. Was sie mit Politikern anderer Fraktionen eint, ist die Einsicht, dass nur ein besserer Busverkehr kurzfristig gegen die Überlastung des öffentlichen Nahverkehrs hilft, da neue Tram- und U-Bahnlinien einen Vorlauf von mehreren Jahren benötigen.

Die MVG betont dabei immer wieder: Nur wenn die Busse zügiger und zuverlässiger vorankommen, werden sie häufiger genutzt. Mit freien, nur den Bussen vorbehaltenen Spuren lassen sich zudem neue Expresslinien einrichten und sinnvoll betreiben. Vom Vorstoß der FDP, Busspuren auch für Carsharing-Autos zu öffnen, hält die MVG deshalb ebenso wenig wie von der Idee aus dem von der CSU geführten Bundesverkehrsministerium, E-Scooter auf den Spuren zuzulassen.