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Bundestag:Als München einmal so richtig wichtig war

zeit Online Bundestagsdebatten München

Die Kurve zeigt, in welchem Jahr "München" wie oft in den Protokollen des Bundestags auftaucht - eine Analyse von Zeit Online.

(Foto: SZ)

Im Jahr 1986 schien München bundespolitisch eine große Rolle zu spielen, ein einziges Mal. Doch wer genauer hinsieht, wird ernüchtert: Das lag allein an einem frechen Grünen.

Von der nach außen hin getragenen Selbstsicherheit, diesem mitunter bräsigen Mia-san-mia-Gehabe sollte man sich nicht täuschen lassen: In seinem Innern steckt der Überzeugungsmünchner voller Selbstzweifel. Er wäre ja schon gern wer. Aber gut 50 Jahre, nachdem der Spiegel München zur "heimlichen Hauptstadt" Deutschlands erkoren hat, muss festgestellt werden: Politisch spielt München diese Rolle nicht. Im Bundestag wird über Hamburg und Köln offenkundig viel öfter gesprochen, über Berlin sowieso, ja selbst über Frankfurt. Das ist ernüchternd.

Zu verdanken ist diese Einsicht einem neuen Internet-Projekt der Zeit. Dort lässt sich abfragen, welcher Begriff wie oft und wann im Bundestag gefallen ist - seit dessen erster Sitzung 1949 bis heute. Ein wunderbares Spielzeug, weil es einem eben nicht nur die Erkenntnis verschafft, dass über München dort viel seltener geredet wird als über andere Großstädte. Sondern auch die, dass Schwabing im Laufe von 70 Jahren immerhin achtmal erwähnt wurde, die Schwanthalerhöhe hingegen nie. Dass der Laptop 100 Mal Thema war, die Lederhose 50 Mal, das Dirndl 17 Mal. Wie überhaupt das Thema Tracht, anders als beim Oktoberfest zu beobachten, im Bundestag in den Fünfziger- und Sechzigerjahren eine weit größere Rolle spielte als in der jüngeren Vergangenheit. (Die Wiesn selbst rangiert - auch das ist für Münchner kontraintuitiv - klar unter "ferner liefen".)

Und München als Ganzes und solches? Die Stadt taucht nur hin und wieder in den Protokollen auf. Allein 1986 zeigt die "München"-Kurve einen verblüffenden Ausschlag nach oben an. Was war da los? Wer in den Protokollen blättert, sieht: Damals saß für kurze Zeit ein Münchner Grüner namens Axel Vogel im Parlament. In den Protokollen wird er als "Vogel (München)" geführt, um ihn von den gleichnamigen Kollegen zu unterscheiden. Und da dieser "Vogel (München)" im Parlament ständig dazwischenrief, findet sich das Wort "München" alleine deshalb Hunderte Male in der Datenbank.

Die Erkenntnis somit: Als München im Bundestag ein einziges Mal in der Geschichte der Republik eine herausragende Rolle zu spielen schien, da lag das nicht daran, dass über die Stadt geredet wurde, sondern allein an einem aufmüpfigen Grünen-Abgeordneten aus ihr. So viel zum Mia san mia.

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