Ehemaliges Kankenhaus:Wie geht es mit dem Bürgerpark Oberföhring weiter?

Lesezeit: 3 min

Ehemaliges Kankenhaus: Längst verschwunden aus dem Kollektivgedächtnis: das ehemalige städtische Krankenhaus in Oberföhring. Im Bild das "Kasperltheater" als Teil des Bürgerparks, der heute verschiedenen Vereinen zur Verfügung gestellt wird.

Längst verschwunden aus dem Kollektivgedächtnis: das ehemalige städtische Krankenhaus in Oberföhring. Im Bild das "Kasperltheater" als Teil des Bürgerparks, der heute verschiedenen Vereinen zur Verfügung gestellt wird.

(Foto: Florian Peljak)

Die Baracken des Bürgerparks beherbergen Künstler, Vereine, Subkultur und ein Kasperltheater. Doch die Genehmigung läuft aus - und die Ideen der Stadt können die Nutzer nicht überzeugen.

Von Hannah Prasuhn

"Kunst braucht Platz und kostet Geld." Die Worte von Liselotte Bothe bündeln die Aussagen der Artisten, Künstler und Musiker, die sich im Bürgerpark Oberföhring kreativ ausleben können. Dort, zwischen den Flachbauten des ehemaligen Krankenhauses an der Oberföhringer Straße, sind kleine Gärten angelegt, in denen einladend Tische und Bänke stehen, passend dazu recken die ersten Frühblüher ihre Blütenblätter gen Sonne.

Bothe, Ansprechpartnerin der Interessensgemeinschaft Bürgerpark Oberföhring und Betreiberin der Kasperlbühne im Pförtnerhaus des früheren Lazaretts, öffnet die Türen zu den Welten der Künstler: In den Baracken ist es hell, Licht strömt durch die Dachfenster in die Ausstellungsräume, in den Ateliers finden sich bunte Skulpturen, gestapelte Papiere und großformatige Malereien. In einem anderen Haus ist das Licht gedimmt, Schallplatten stapeln sich im Regal, und Plakate kleben an den Wänden: Im Kafé Kult lebt die Subkultur.

Ehemaliges Kankenhaus: Liselotte Bothe bespielt seit vielen Jahren die Kasperlbühne im Kleinen Theater im Pförtnerhaus.

Liselotte Bothe bespielt seit vielen Jahren die Kasperlbühne im Kleinen Theater im Pförtnerhaus.

(Foto: Robert Haas)

Die Nutzung der Gebäude für die Vereine Bogenhausens war in den Achtzigerjahren erst als Übergangslösung gedacht, aber das Provisorium hat sich etabliert. Doch so sehr Vereine und Künstler die Baracken in Detailarbeit und Eigenregie wieder aufgewertet haben, sind die Häuser dennoch gealtert, Sanierungsarbeiten notwendig. Aber die Nutzer können größere Arbeiten nicht ohne Weiteres umsetzen, denn die Bau- und Nutzungsgenehmigung für die Gebäude läuft 2025 ein weiteres Mal aus. Im Bebauungsplan von 1992 ist keine dauerhafte Erhaltung der Baracken vorgesehen.

Die Stadt plant einen gemeinsamen Neubau - zum Ärger der Nutzer

Ende Februar haben die SPD-/Volt-Fraktion und die Fraktion Die Grünen/Rosa Liste einen Antrag eingereicht, in dem das Kulturreferat gemeinsam mit dem Bau-, Kommunal- und Planungsreferat gebeten wird, zu überprüfen, unter welchen Voraussetzungen die Bau- und Nutzungsgenehmigung der Gebäude unbefristet über 2025 hinaus verlängert werden kann. Julia Schönfeld-Knor, kulturpolitische Sprecherin von SPD/Volt, spricht von einer "sehr gewachsenen Struktur, die auf eine lange Tradition zurückblickt". Den Vereinen und Projekten stünden dort unkompliziert und einfach Räume zur Verfügung, "das ist schon etwas sehr Außergewöhnliches in unserer Stadt". Auch das Kulturreferat nennt die einzigartige und ungewöhnliche Mischung aus vielfältigen kulturellen, künstlerischen, sozialen und soziokulturellen Nutzungen, verbunden mit ökologischer Vielfalt und hoher Erholungsqualität, erhaltenswert.

Nun sollen Mittel und Wege gefunden werden, um diese gewachsene Struktur auch in einer Neukonzeption des Geländes zu erhalten, sagt Schönfeld-Knor. In diesen Prozess will man Bürger und Vereine mit einbeziehen. Thorsten Vogel vom Referat für Stadtplanung und Bauordnung spricht ebenfalls vom Ziel einer sinnvollen und dauerhaften Option für die vielfältige Nutzung. Allerdings sei eine unbefristete Genehmigung der Baracken, die sich viele der dort ansässigen Vereine wünschen, nicht umsetzbar, da diese eben nicht dem rechtsverbindlichen Bebauungsplan entsprächen. Es sei aber ein Ersatzgebäude vorgesehen.

Ehemaliges Kankenhaus: Das ehemalige städtische Krankenhaus - im Bild die ehemalige Auffahrt für Krankenwagen - ist seit Langem ein Domizil kreativer Gruppen.

Das ehemalige städtische Krankenhaus - im Bild die ehemalige Auffahrt für Krankenwagen - ist seit Langem ein Domizil kreativer Gruppen.

(Foto: Florian Peljak)

Diese Alternative ist jedoch weder im Sinne von Liselotte Bothe noch von Karin Vetterle und Anneliese Menghini von der Vereinsgemeinschaft 29 (VG 29). In einem einzigen Kulturgebäude könne sich die Subkultur nicht in der Art und Weise ausleben, wie sie sich bisher im Bürgerpark entwickelt habe, sind sie überzeugt. Dort haben Vereine, wie die Faschingsgesellschaft Feringa, die Square Dancer oder der Luftkissenfahrclub, aber auch die eigenständigen Künstler und Musiker Raum für kreatives Schaffen, der bei einer Zusammenlegung in ein einziges Haus bedroht wäre. Und genau diese Heterogenität und die Entfaltungsmöglichkeiten, die der Bürgerpark auch dank der Kunst- und Kulturförderung bietet, machten München lebendiger und lebenswerter, sagt Andre Syrbe, Künstler und Ateliernutzer. Laut VG 29 ist es dabei schon heute mitunter schwierig, alle Nachfragen auf die vorhandenen Räumlichkeiten zu verteilen.

Die Vereine könnten verschwinden

Bothe mit ihrem Kasperltheater, Josef Wagner von der Bayerischen Volksbühne Watzmann und auch Vetterle und Menghini sind sich sicher, dass mit einem Auslaufen der Genehmigung über kurz oder lang die Vereine und Projekte verschwinden würden. Alternativen, die dem aktuellen Konzept gleichkämen, gebe es aktuell keine, sagt Wagner. Trotzdem sei der Kontakt zu den Verantwortlichen aber gegeben, bestätigt Vetterle. Es mangele jedoch an Außenwirkung, obwohl Projekte wie die Volksbühne, das Kasperltheater oder die alternative Musikszene Besucher aus aller Welt anzögen, sagt Bothe.

Ehemaliges Kankenhaus: Kreativität hat ihren Raum im Bürgerpark.

Kreativität hat ihren Raum im Bürgerpark.

(Foto: Catherina Hess)

Diese Wahrnehmung müsse aber noch mehr in das alltägliche Leben in München weitergetragen werden. Kooperationen mit Schulen und Kindergärten seien da ein Schritt in die richtige Richtung. Die VG29 und Bothe betonen, wie wichtig es sei, dass München verstehe, wie notwendig der Freiraum im Bürgerpark für die Münchner Subkulturen sei. Mit mehr Aufmerksamkeit und Verständnis dafür könnten die Vielfalt eher bewahrt und die Genehmigungsverlängerung durchgesetzt werden. Ein weiteres Mal.

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