„The green bridge“ muss man sich vorstellen wie eine Art grünes Dach, das sich über die Bahngleise in Richtung Pasing und Obermenzing erstreckt. „Sie verbindet vormals getrennte Stadtteile über die Bahngleise hinweg und ermöglicht so eine sichere, direkte und effiziente Fortbewegung für Fußgänger und Radfahrer.“ Das ist nur eine der Ideen, die für das neue München-Budget eingereicht wurden. Der Verfasser möchte damit Nachhaltigkeit fördern, die Lebensqualität steigern und die Sicherheit in München verbessern. Und er ist nicht allein: Denn wer eine Idee hat, um München schöner, grüner oder nachhaltiger zu machen, ist nicht länger auf eine Beratung und Abstimmung des Stadtrats oder des örtlich zuständigen Bezirksausschusses angewiesen. Jeder kann seine Vorschläge auf der Beteiligungsplattform unser.muenchen.de hochladen, am Ende über die gesammelten Vorschläge abstimmen und so die Stadt mitgestalten.
Was ist das München-Budget?
„Denken Sie darüber nach, was Ihnen abgeht und was Ihnen fehlt, schreiben Sie uns und vielleicht haben Sie Glück, und Ihr Projekt wird verwirklicht“, wirbt Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) auf Instagram für das München-Budget 2025. München fördert Bürgerideen im Zuge direkter Demokratie 2025 erstmals mit einer Million Euro. Bürger schlagen Projekte zur Stadtgestaltung vor, stimmen darüber ab, und die Verwaltung setzt die Siegerprojekte um. Alle Münchner ab 14 Jahren mit Haupt- oder Nebenwohnsitz in der Landeshauptstadt können teilnehmen, Jüngere zusammen mit ihren Eltern. Für die Online-Teilnahme ist eine Registrierung auf unser.muenchen.de nötig. Organisiert wird das München-Budget 2025 von der Fachstelle für Öffentlichkeitsbeteiligung und Partizipation.
Wie sollten Vorschläge aussehen?
Damit ein Vorschlag umgesetzt wird, muss er bestimmte Kriterien erfüllen. Es muss sich um ein konkretes Projekt handeln, das in den Zuständigkeitsbereich der Stadt München fällt. Wenn es um bauliche Veränderungen geht, dürfen auch nur Flächen der Stadt betroffen sein. Der Vorschlag sollte allen Münchnern zugutekommen, die Gleichstellung der Geschlechter berücksichtigen, nachhaltig und sozial gerecht sein. Flächen mit Bedeutung für den Naturschutz sind ausgeschlossen. Außerdem darf die Umsetzung eines Projekts maximal 100 000 Euro kosten und keine dauerhaften Ausgaben wie etwa Personalkosten verursachen.
„Wir merken allerdings jetzt schon, dass viele Projekte, die eingereicht wurden, nicht mit einem Budget von 100 000 Euro umsetzbar sind“, sagt Dorothea Vogelgsang von der Fachstelle für Öffentlichkeitsbeteiligung und Partizipation. Bisher seien beispielsweise schon viele Vorschläge für zusätzliche Toiletten eingegangen, da sei man schon schnell über dieser Grenze.
Wie läuft das Auswahlverfahren ab?
Die Beteiligung erfolgt in mehreren Phasen. Die erste läuft bis zum 9. Juni 2025. Bis dahin können die Münchner ihre Ideen auf der Website unser.muenchen.de, per Post oder mit einer Vorschlagspostkarte einreichen. Vorschläge, die per Post eingehen, überträgt die Fachstelle für Öffentlichkeitsbeteiligung und Partizipation auf die Onlineplattform. Von 17. bis 30. Juni kann jeder für seinen Lieblingsvorschlag abstimmen – unabhängig davon, ob er selbst eine Idee eingereicht hat. Die 20 Vorschläge mit den meisten Stimmen kommen in die nächste Phase zwischen 1. Juli und 14. Oktober.
In diesem Zeitraum prüft die Stadtverwaltung die Umsetzbarkeit der Ideen und legt ein jeweils konkretes Budget fest. Die finale Abstimmung läuft vom 15. bis 31. Oktober. Dann entscheiden alle Münchner ab 14 Jahren, die sich für das Projekt interessieren und sich auf der Beteiligungsplattform angemeldet haben, welche der geprüften und budgetierten Vorschläge umgesetzt werden sollen – auch wenn sie nicht selbst Ideen eingereicht haben. Die Gesamtkosten dürfen dabei eine Million Euro nicht überschreiten. Im November 2025 veröffentlicht die Stadt die Gewinner-Vorschläge und startet die Realisierung.
Was ist der Unterschied zum Stadtbezirksbudget?
Beim München-Budget können die Münchner eigene Vorschläge machen und selbst bestimmen, welche davon umgesetzt werden. Es zielt auf Ideen ab, die der gesamten Stadt zugutekommen und allen Münchnern einen Mehrwert bieten. Projekte, die nicht von der Stadtverwaltung realisiert werden können, kommen für das München-Budget jedoch nicht in Betracht.
Die Münchner Bezirksausschüsse haben ein eigenes Budget, um Projekte in ihrem jeweiligen Stadtteil zu fördern. Jedes Gremium entscheidet selbst über die eingereichten Anträge, die das ganze Jahr über gestellt werden können. Vorrangig unterstützt das Stadtbezirksbudget Vorhaben von Vereinen oder Projekte, die Bürger auf den Weg gebracht haben. Zusätzlich lassen sich damit aber auch städtische Leistungen wie neue Parkbänke oder Spielplatzausstattungen finanzieren.
Wie viele Ideen sind schon eingegangen?
Bis zum 27. Mai 2025 wurden online 280 Ideen eingereicht. Die Vorschläge verteilen sich auf verschiedene Kategorien. Mit 140 Einträgen dominiert die Rubrik „Stadtgestaltung“. In „Umwelt und Nachhaltigkeit“ finden sich 125 Ideen. Deutlich weniger Beiträge gibt es für „Digitales“ (zwölf Vorschläge) und „Bildung und Kultur“ (36 Vorschläge).

Zur Begrünung von Straßen und Parkplätzen sind bereits zahlreiche Projektideen eingegangen. So schlägt ein Münchner vor, die Oberländerstraße in Sendling mit einem Grünstreifen zu versehen. Dieser soll den Verkehr beruhigen und zugleich zum Verweilen einladen. Andere wünschen sich „grüne Inseln“ oder „Sommeroasen“. Auch Mülleimer stehen oft auf der Wunschliste. So fordert ein Teilnehmer, „im Bereich des ‚Hundesees‘ in der Allacher Lohe mindestens zwei Mülleimer aufzustellen“. Ein weiterer regt an, Mülleimer mit Deckeln auszustatten, um Tiere vom Wühlen abzuhalten. Häufig genannt werden auch Tauschorte für Bücher, Kleidung oder Spielsachen sowie Spiel- und Sportplätze oder mehr Bänke im öffentlichen Raum.
Wie lange soll das Projekt laufen?
Die Beteiligungsphase endet am 31. Oktober. Danach werden die Vorschläge umgesetzt. Das Projekt läuft insgesamt drei Jahre als Pilotvorhaben. Zunächst will man Erfahrungen sammeln, wie die Münchner das Budget nutzen. „Wir evaluieren die einzelnen Kriterien und schauen nach, welche vielleicht ergänzt werden müssen“, sagt Dorothea Vogelgsang. Außerdem könne man dann der Stadt eine Empfehlung geben, womöglich das Gesamtbudget zu erhöhen – abhängig davon, ob das der Haushalt Münchens auch erlaubt.
Wie kam es zum München-Budget?
Hinter dem München-Budget steht die Idee, die Münchner aktiver an der Stadtgestaltung zu beteiligen. Der Stadtrat hat die Einführung im November 2023 beschlossen. Bereits 2021 hatten die Fraktionen SPD/Volt und Die Grünen-Rosa Liste ein Bürgerbudget beantragt, das parallel zum Stadtbezirksbudget laufen sollte. Vorbilder waren europäische Städte wie Paris und Barcelona, die diesen Ansatz erfolgreich verwirklicht haben. München sollte diesem Beispiel folgen – das heutige München-Budget greift diese Idee auf.
Im Wesentlichen entspreche die Umsetzung im aktuellen Stadium den Vorstellungen von 2021. „Eine Million Euro, und ganz München entscheidet über die Verwendung mit. Wir freuen uns sehr, dass unser Antrag jetzt in die Umsetzung geht – das ist echte Bürgerbeteiligung“, sagt SPD-Stadträtin Micky Wenngatz. „Noch befinden wir uns am Anfang des ersten Jahres und werden uns dann genau anschauen, ob‘s funktioniert. Und entscheiden, ob wir nachsteuern müssen.“ Micky Wenngatz war bereits bei der Antragstellung 2021 beteiligt.

