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Bürgerbegehren:Die Ablehnung gegenüber Zugezogenen zerstört eine Stadt

Überall wird gebaut und früher war alles besser - diese Gedanken sind manchem alteingesessenen Münchner nicht fremd.

(Foto: Claus Schunk)

Das diffuse Verlangen, das Wachstum bremsen zu wollen, ist verständlich. Doch die Forderungen des Bürgerbegehrens hätten negative Folgen.

Kann das wirklich hinhauen - dass die Mieten maßvoller oder gar nicht mehr steigen, wenn man weniger Wohnungen baut? Zweifel sind angebracht. Ja, es stimmt, dass ein erklecklicher Teil der Neubauquartiere im hochpreisigen Segment entsteht. Was wiederum langfristig die Umgebungsmieten anhebt. Das liegt daran, dass die Stadt schon aus finanziellen Gründen nicht in beliebiger Größenordnung selbst günstig bauen kann. Und dass die Einflussmöglichkeiten auf die vielen Privatprojekte begrenzt sind. Wo es geht, werden sie genutzt, durch Quoten für geförderten Wohnraum etwa. Ohne einen gewissen Anteil an frei finanzierten Wohnungen würden private Investoren vermutlich gar keine Wohnungen mehr bauen. Womit dann auch der von der Stadt erzwungene Anteil bezahlbarer Räume entfiele.

Das nun angekündigte Bürgerbegehren gegen maßloses Wachstum reagiert auf eine Stimmung, die oft in München anzutreffen ist. Die Klage lautet: Es wird zu voll, es wird zu teuer, und ich erkenne mein altes München nicht wieder. Das diffuse Verlangen, man müsse irgendwie die Bremse reinhauen, ist verständlich. Die Konsequenzen daraus wären aber dramatisch. Denn sehr viel wahrscheinlicher als die These der Wachstumsskeptiker ist es, dass nach einer Drosselung des Wohnungsbaus die Mieten dramatisch ansteigen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass viele Münchner, die nun keine neuen Nachbarn mehr wollen, selbst von auswärts gekommen sind. Zuzug ist erlaubt und keineswegs nur negativ, das Flair von Städten wird seit Jahrhunderten dadurch geprägt. Und Neu-Münchner brauchen nun einmal Wohnungen.

Die schlimmste aller Thesen hat die neue München-Liste aufgestellt, die ebenfalls das Bürgerbegehren unterstützt. Sie behauptet, dass der Zuzugsdruck und damit der Bedarf an Wohnungen abnimmt, wenn erst einmal jeder weiß, dass München keine neuen Einwohner mehr haben will. Per Proklamation lässt sich das nicht erreichen. Aber es würde wohl funktionieren, wenn sich das gesellschaftliche Klima so verändert, dass allen Zuzüglern gnadenlose Ablehnung entgegenschlägt. Ist das erstrebenswert? Das Prinzip "Schotten dicht" mag Schiffe in Seenot retten. Für Städte ist es der Killer.

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