Christiane Pfau lacht am Telefon, obwohl ihr eigentlich nicht zum Lachen zumute ist. Seit dem 10. Dezember liegen für die Wählergruppe „Bündnis Kultur“, die Pfau zusammen mit Kathrin Schäfer gegründet hat, Listen im Kreisverwaltungsreferat und in vier Bürgerbüros aus. 1000 gültige Unterschriften braucht das Bündnis, um bei der Kommunalwahl am 8. März antreten zu können. Wer unterschreibt, wählt mit diesem Schritt die Gruppierung nicht, aber unterstützt, dass das „Bündnis Kultur“ mit eigenen Kandidaten auf den Wahlzettel kommt. Bis zum 19. Januar ist dafür Zeit. Das bisherige Ergebnis: etwa 500 Unterstützer, die unterschrieben haben.
Das gilt für beide Listen, die für das Bündnis ausliegen. Die eine unterstützt die Kandidatur des „Bündnis Kultur“ für den Stadtrat, die zweite Liste die Kandidatur von Christiane Pfau als Oberbürgermeisterin. Die Zahlen hat Pfau aktuell vom Wahlamt, wie sie sagt. Und obwohl es nicht rosig ausschaut und Pfau das auch so betrachtet, sagt sie: „In guten Momenten denke ich mir, das wird schon alles.“ Immerhin: In den vergangenen zwei Tagen sind die Zahlen eklatant gestiegen um je fast 100 Unterschriften.
Die Wählergruppe „Bündnis Kultur“ ist auf Initiative von Christiane Pfau und Kathrin Schäfer kürzlich gegründet worden, die Stadtratskandidaten überwiegend aus dem Kulturbereich wurden im Oktober aufgestellt. Pfau und Schäfer führen jeweils eine eigene Agentur für Kultur-PR, Schäfer ist zudem Pressesprecherin der städtischen Schauburg, Pfau Herausgeberin des Münchner Feuilletons und Lehrbeauftragte an der LMU. Die Schwerpunkte setzen sie auf Kunst, Bildung und Soziales. Anlass für die Gründung waren die Sparrunden im städtischen Haushalt, die auch zu sichtbaren Kürzungen im Kulturetat geführt haben.
Obwohl die beiden gut in der Kulturszene vernetzt sind und auch, wie sie sagen, viel Zuspruch erhalten haben, läuft es bisher allerdings schleppend für ihre Wählergruppe. Sicher war die Weihnachtszeit nicht der ideale Zeitraum dafür, dass viele Menschen mit Ausweis und Motivation in ein Bürgerbüro kommen für eine Unterschrift. Auch die Öffnungszeiten mögen nicht allen entgegenkommen. Pfau beklagt etwa, dass nur die Stadtinformation im Rathaus über Mittag geöffnet sei, freitags seien Unterschriften nur bis 13 Uhr an vier Anlaufstellen beziehungsweise 14 Uhr in der Stadtinfo möglich. Und es gebe nur einen Samstag, an dem die Ämter dafür offen haben, nämlich am 17. Januar. Die Infos dazu hat das Bündnis auf seiner Homepage gesammelt.

Trotzdem sind dies natürlich keine unüberwindbaren Hindernisse. Christiane Pfau sieht das Hauptproblem auch eher darin, dass „der Mensch eine träge Masse“ sei. Und sie fügt hinzu. „Jetzt sind die gefragt, die in der Kultur unterwegs sind und denen das wichtig ist. Wir brauchen diejenigen, denen die Kultur essenziell und existenziell das Leben bedeutet.“ Ob die 1000 Unterschriften zusammenkommen sei für sie ein „Lackmustest der Kulturszene“.
Und wenn es nicht klappt? Ein fatales Signal an die anderen Parteien, glaubt Pfau. „Wenn eine Wählergruppe wie das BK, mit einer solch prominenten Besetzung, es nicht schafft, mindestens 1000 Unterstützer in der Kulturstadt München in Bewegung zu bringen, dann ist die Kultur vielleicht gar nicht so wichtig, wie wir es uns immer erzählen.“
Doch derzeit arbeitet das „Bündnis Kultur“ noch daran, Unterstützer zu motivieren. Sie greifen auf die bestehenden Netzwerke und Verteiler zurück. „Jetzt ist Schwarmintelligenz gefragt“, sagt Pfau. Das ist sicher nicht übertrieben. Denn immerhin müssen noch mindestens 500 Münchnerinnen und Münchner in Bewegung gesetzt werden.


