Sich einmischen, mitgestalten und nicht nur von außen beklagen, das sind die Gründe, warum die neue Wählergruppe „Bündnis Kultur“ bei der Stadtratswahl im März 2026 antreten will. 80 Kandidatinnen und Kandidaten nebst Nachrückern, die überwiegend im Kulturbereich arbeiten, haben sich am 12. Oktober für das Bündnis aufstellen lassen. Als Oberbürgermeisterkandidatin möchte Christiane Pfau, eine der beiden Gründerinnen der Wählergruppe, ins Rennen gehen. Die Zulassung zur Wahl steht noch aus, unter anderem müssen 1000 Unterstützer ihre Unterschrift im Dezember und Januar in einem Bürgerbüro abgeben. Das Ziel: die Stärkung der Kultur „als Nährboden für die gesamte Stadtgesellschaft“.
Die drei Kernbereiche für das „Bündnis Kultur“ sind Kunst, Bildung und Soziales. Christiane Pfau und Kathrin Schäfer, die beide jeweils eine eigene Agentur für Kultur-PR führen, haben im Frühjahr die Initiative für das Bündnis ergriffen, wie sie erzählen. Anlass sei die Unzufriedenheit mit den jüngsten Entscheidungen und den massiven Sparmaßnahmen, die die Kultur in München betreffen. Dabei hätten sie lange überlegt, ob sie sich einer bestehenden Gruppierung anschließen wollen, sagt Schäfer. „In jeder Partei gibt es Leute, die wahnsinnig gute Arbeit machen“, sagt sie. Aber letztlich konnten sie sich mit keinem politischen Programm komplett anfreunden.
Zudem geht es Christiane Pfau, geboren 1967 in Ebersberg, und Kathrin Schäfer, geboren 1971 in Regensburg, darum, neue Impulse zu setzen. Schon allein deswegen, weil es ein neues Bündnis gebe, überprüften die bestehenden Parteien ihre Konzepte und Ideen, so ihre Hoffnung. Durch ihre eigene Arbeit und den Umgang mit Künstlern seien sie gewohnt, kreative Lösungen zu entwickeln, die Dinge auch einmal anders zu drehen. Diese Kompetenz und auch ihren noch unverbrauchten Blick und Zugang sehen sie als Vorteile, um als politische Neulinge an den Start zu gehen. „Wir haben zunehmend festgestellt, dass wir ins System hineinmüssen, um etwas zu verändern“, sagt Pfau.
Für ihr Bündnis haben sie unter anderem Thomas Lechner, derzeit noch parteiloser Stadtrat in der Fraktion Die Linke/Die Partei gewinnen können, den Gastwirt Beppi Bachmaier und den Rapper Achim „Waseem“ Seger. Theaterkünstlerinnen wie Ruth Geiersberger oder Judith Huber sind ebenso dabei wie Choreograf Micha Purucker oder Galeristin Julia Lachenmann. Auf der Liste stehen Kulturjournalisten, Architekten, Musiker, Studierende und andere.
Das Vorhaben ist noch sehr jung. So jung, dass das „Bündnis Kultur“ sich auf die Details in ihrem Programm noch festlegen muss. In den Sommermonaten haben Pfau und Schäfer Menschen aus unterschiedlichen Bereichen zu Thinktanks eingeladen, um bestimmte Grundlinien festzuzurren, wie sie erzählen. Neun Punkte haben sie als Kern festgehalten, etwa die Entwicklung neuer Finanzierungsmodelle zur Sicherung von Kunst, Bildung und Sozialem, Bürokratieabbau, Unterstützung von bürgerschaftlichem Engagement, Maßnahmen für Münchens Klimaresilienz, die Einführung eines Münchner-Dienst-an-der-Gesellschaft-Jahres und die Verbesserung der Barrierefreiheit.
Arbeitsgruppen sollen nun die Details ausarbeiten mit Fokus auf Kunst, Bildung und Soziales. „Wir treten nicht mit einem Katalog abstruser Forderungen und Märchen an“, sagt Pfau. In weiten Teilen gehe es auch darum, bestehende gute Ideen zu unterstützen – Stichwort Kulturabgabe oder Reformschule. „Manchmal fehlt bei Entscheidungen nur das Zünglein an der Waage.“ Und Schäfer ergänzt: „Wir bringen Kreativität in etwas, wo bislang nicht mit Kreativität gearbeitet wurde.“ Mit ihrem Bündnis wollen sie „für die Münchner Kultur eine besondere Stimme“ sein.

