Ein Skilift direkt am Alten Botanischen Garten? Was erst einmal absurd klingt, ist einmal mehr die Idee von Florian Schönhofer, der schon das Café Kosmos und das Kosmos unter Null betreibt. Und der tonnenschwere Skilift, der nun auf dem Karl-Stützel-Platz steht, ist nicht das einzig Ungewöhnliche am Buchberg: Auf dem Platz unweit vom Hauptbahnhof herrscht nämlich eigentlich ein striktes Alkoholverbot. In dem eher ungewöhnlichen Biergarten von Schönhofer und Partner David Boppert aber darf man Bier und Aperol Spritz konsumieren – der Skilift macht's möglich.
Durch die klare bauliche Trennung mittels einer Plattform ist der Ausschank von Alkohol nämlich in 1,5 Metern Höhe erlaubt, während auf dem Platz selbst weiterhin ausschließlich alkoholfreie Getränke und Snacks konsumiert und mitgenommen werden dürfen. Und sogar Schönhofer selbst ist überrascht, wie gut die Leute das Konzept aufnehmen: „99 Prozent verstehen es.“ Es könnte daran liegen, dass der Vibe, wie so oft bei Projekten von Schönhofer unkompliziert und wenig dogmatisch ist.
Der Atmosphäre jedenfalls ist angenehm: An einem warmen Sommertag sitzen auf der Plattform Menschengrüppchen auf hölzernen Bänken im Schatten der ausladenden Platanen, unten wird geskatet und Basketball gespielt. Neben dem Kiosk führt eine eiserne Wendeltreppe über den erhöhten Zugang auf ein Plateau. Wer nicht gut zu Fuß ist, erreicht die erhöhte Fläche über eine Rampe. Getränke und kleine Snacks gibt es unten am Kiosk, für alkoholische Getränke müssen Gäste allerdings den Weg über die Wendeltreppe oder Rampe auf das Plateau nehmen. Das ist der kleine Kontrollmechanismus, den die Betreiber eingebaut haben.
Das Herzstück des Konstruktion – sprich der Skilift – stammt übrigens aus der Nähe von Bad Tölz. Für den Kiosk wurden nämlich Teile eines ausgedienten Schlepplifts aus Buchberg wiederverwendet, der dem neuen Treffpunkt nun auch seinen Namen gibt. Rund 30 Tonnen Stahl tragen heute die zweistöckige Konstruktion. Weitere Ski-Accessoires dienen als Deko.



Die Karte des ungewöhnlichen Biergartens ist bewusst überschaubar: Neben kleinen Snacks wie wechselnden Sandwiches, beispielsweise mit Mozzarella, Pesto und Tomate, gibt es frisch gepressten Orangensaft (3,80 Euro) oder ein Helles vom Fass der Brauerei Maxlrainer für günstige 2,40 Euro. Hinzu kommen verschiedene Spritz-Varianten mit (5,80 Euro) und ohne (4,80 Euro) Alkohol oder ein Sekt auf Eis (3,50 Euro). Und: Viel mehr braucht es an einem warmen Sommerabend auch nicht. Wie im Biergarten üblich dürfen Besucherinnen und Besucher freilich auch ihre eigene Brotzeit mitnehmen. Überhaupt: Konsumzwang gibt es keinen. Was man allerdings wissen sollte: Bezahlen geht im Buchberg nur mit Bargeld. Und wenn Gäste das ohnehin schon dabei haben, können sie sich mit einer Zwei-Euro-Münze an einem Automaten kleine Gedichte oder Kunstwerke ziehen.
Das Ziel von Schönhofer, Boppert und der Taskforce Bahnhofsviertel war es, „die Gegend zu beleben und ein vielfältiges Publikum anzusprechen“. Mit Blick durch auf die vielen jungen Leute an den Nachbartischen und runter auf den Platz scheint der Plan aufgegangen zu sein: Das Buchberg hat die Gegend rund um den Hauptbahnhof raus aus der Schmuddelecke geholt. Und so bleibt man in dem Biergarten in luftiger Höhe gerne auf ein zweites Helles.
Buchberg, Karl-Stützel-Platz 1, Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag von 12 bis 23 Uhr. Der Biergarten hat ganzjährig geöffnet

