Ein Pfännchen Shakshuka, ein Stapel Pancakes und ein veganes Weißwurstfrühstück, dazwischen eine Schale Hummus mit Fladenbrot zum Teilen: Es ist kulinarisch betrachtet ein buntes Durcheinander, dass man sich beim Brunch im Tutu Kitchen zusammenstellen kann. Auch das Interieur kommt ein wenig zusammengewürfelt daher, mit seinen unterschiedlichen Holztischen und -stühlen in Retro-Optik. Zwischen den vielen gestriegelten, ins Kleinste durchkonzipierten Brunch-Spots der Stadt fällt Tutu Kitchen vielleicht etwas heraus – aber genau das macht den Charme aus.
Dass es hier nun jeden Samstag auch Frühstück gibt, ist eine recht neue Entwicklung. Bekannt ist das Lokal in der Steinheilstraße bislang hauptsächlich für sein Abendprogramm. Seit der Eröffnung Ende 2023 werden hier abends Mezze und Drinks in geselliger Atmosphäre serviert. Auch da hat sich Inhaber Twana Nedamaldeen nicht auf eine gastronomische Linie festgelegt: Neben zahlreichen nahöstlichen Gerichten stehen auch Fish and Chips auf der Speisekarte. Warum dieser „Ausreißer“, wie Nedamaldeen selbst sagt? „Weil ich Bock drauf hatte.“
Denn eines ist ihm besonders wichtig: Twana Nedamaldeen möchte, dass sich seine Persönlichkeit, seine Handschrift hier widerspiegelt. Die findet sich überall im Restaurant. Im Namen Tutu, einem Spitznamen seiner Eltern für ihn. In den Möbeln, die er wegen seiner Affinität für die 60er-Jahre gewählt hat. In der kleinen Holzbühne neben der Eingangstür, auf der jeden zweiten Montag Konzerte gespielt werden, weil ihm Musik viel bedeutet. Und: Nedamaldeen hat kurdische Wurzeln, mit fünf Jahren ist er nach Deutschland gekommen. „Ich bin weder hundertprozentig Kurde noch hundertprozentig Deutscher, ich bin irgendwo dazwischen – und das findet man auch im Laden wieder.“ Ebenso muss sich das Tutu Kitchen nicht in klare kulinarische Kategorien einordnen lassen.
Das unterstreicht auch das neue Brunch-Menü: „Ich habe es so gestaltet, wie ich mir einen guten Brunch vorstelle“, sagt Nedamaldeen. Die nahöstliche Küche macht dabei natürlich einen Teil aus. So gibt es zum Beispiel Shakshuka mit Feta (14,40 Euro), Sucuk mit Spiegeleiern (12,30 Euro) und eine Auswahl an Mezze sowie Dips serviert mit dünnem Fladenbrot. Sehr zu empfehlen ist das Muhammara, eine Paste aus gerösteter roter Paprika und Walnüssen, garniert mit Granatapfelkernen (7,90 Euro).
Dazu gibt es eben auch eher „westliche“ Klassiker wie Bio-Rühreier auf Sauerteigbrot (9,90 Euro), Croissants mit Butter und Marmelade (6,40 Euro) und vegane fluffige Pancakes mit Obst und Ahornsirup (12,40 Euro) und für die bayerische Note noch vegane Weißwürste mit Breze und süßem Senf (11,20 Euro).


Dass diese Mischung eher ungewöhnlich ist, weiß auch Nedamaldeen: „Man muss schauen, dass man den Spagat nicht zu sehr ausreizt.“ Aber: „Ich wollte das machen, worauf ich Lust habe, und ich bin mir sicher: Wenn man gute Qualität abliefert, dann nehmen die Leute das an.“
Mit guter Qualität kann der Brunch im Tutu Kitchen definitiv punkten, ebenso mit der gemütlichen, unprätentiösen Atmosphäre. Und auch das vermeintliche Durcheinander der Gerichte zahlt sich aus: Für jeden Geschmack ist etwas dabei. Wer mag, probiert Gerichte, die man so vielleicht bisher nicht zum Brunch kennt, alternativ bleibt man bei bekannten Klassikern. Oder aber: Man bestellt ein bisschen von allem zum Teilen und lässt sich ganz auf „Mix and Match“ ein.
Tutu Kitchen, Steinheilstraße 10, Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 12 bis 18 Uhr als Co-Working-Space (ohne warme Küche, aber mit Kaffee und Kuchen) und 18 bis 1 Uhr, Samstag 9.30 bis 15 Uhr Brunch sowie 18 bis 1 Uhr
