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Radspur an der Brudermühlstraße:Ohne Ausweg

Mittlerer Ring

Auf einer der Transitstrecken für Fahrradfahrer von Ost nach West - kurz vor der Bahnunterführung und Sendling-Westpark.

(Foto: Uwe Zimmermann/oh)

Nur 1,60 Meter breit, links der brausende Verkehr, rechts eine hohe Betonwand: Die Radspur am Mittleren Ring an der Tunnelausfahrt Brudermühlstraße ist gefährlich. Viertelpolitiker dringen auf eine Alternativroute

Von Birgit Lotze, Sendling

Radfahren direkt am Mittleren Ring ist kaum ein Vergnügen. Trotzdem ist die Verbindung für viele Radler, viele Berufspendler unentbehrlich und alternativlos. Ausgerechnet die Strecke im Süden Sendlings, wo Radfahrer auf der Nordseite des Rings ansonsten ohne weite Umwege oder ohne ihr Fahrrad über Treppen zu tragen, kaum durchkommen, ist ein Teilstück des Radwegs entlang des Rings gefährlich. Wie die Sendlinger Grünen finden, "unzumutbar gefährlich" und für Kinder ungeeignet. Der Sendlinger Bezirksausschuss (BA) hat sich dieser kritischen Einschätzung angeschlossen und fordert eine alternative Route - sozusagen eine überfällige Regelung in Zeiten, in denen der Radverkehr immer mehr in den Fokus von Verkehrsplanern gerät.

Es geht um die Strecke von der Tunnelausfahrt Brudermühlstraße im Süden der Neuhofener Anlagen. Wer von dort von der Höhe Plinganserstraße Richtung Westen nach Sendling-Westpark unterwegs ist, soll sie eigentlich nutzen. Derzeit gilt sie jedenfalls als der legale Weg. Sie ist allerdings nicht mit einem Wegweiser ausgeschildert, was die Grünen auch als ein Zeichen dafür werten, dass es den Behörden klar ist, dass man dort nicht jeden einfach entlangschicken sollte. "Vielleicht ist es sogar beabsichtigt, dass dieser Radweg nach Westen nicht einfach zu finden ist", sagt Dagmar Irlinger, die stellvertretende Bezirksausschuss-Vorsitzende. Die gefährlich Engstelle befindet sich - von Osten aus gesehen - kurz hinter der Unterquerung der Plinganserstraße. Dort ist der Radweg etwa 1,60 Meter breit, links trennt die Radelnden nur ein schmaler Bordstein vom Verkehr, rechts steht eine hohe Betonmauer. Fahrten bei Nässe seien durch die hohe Belastung mit Spritzwasser praktisch ausgeschlossen, so die Grünen. Brächte man dort eine Leitplanke an, würde der Radweg noch schmaler. Ein Sturz zwischen Leitplanke und Mauer bliebe jedenfalls ausgesprochen gefährlich.

Es gibt jedoch schon einen Weg nach Westen - nicht auf der Nord-, sondern auf der Südseite des Rings. Den nutzen auch viele Radler bereits, obwohl dort ein Verkehrszeichen aufgestellt ist, das ihnen das verbietet. Laut den Grünen ist dieser Fuß- und Radweg breit genug dafür, Radeln in beide Richtungen zuzulassen. Auf dem Abschnitt gebe es keine direkten Anwohner und keine Grundstückseinfahrten. Es seien dort auch wenige Menschen zu Fuß unterwegs, die meisten bevorzugten eine Alternative oberhalb des Mittleren Ringes. Über eine für Fuß- und Radverkehr freigegebene Brücke auf Höhe des neuen Spielplatzes bei den Sportanlagen könnten westwärts Radelnde unproblematisch von der Nord- auf die Südseite des Rings gelangen, von der Brudermühlstraße in einer Schleife am Spielplatz entlang über die Brücke, sagt Irlinger.

Ob man jetzt den Weg einfach für alle öffnet oder Spuren abmarkiert, den Fußweg schmaler macht, das will der Sendlinger Bezirksausschuss der Verwaltung überlassen. Im Gremium hieß es, der Weg dürfte mit relativ geringem Aufwand einzurichten sein. Und westlich der Passauerstraße in Sendling-Westpark gebe es bereits einen gemeinsamen Geh- und Radweg in zwei Richtungen. "Quasi ist das ein Lückenschluss", sagte Dagmar Irlinger. Und dadurch entstünde auf der Südseite des Mittleren Rings ein durchgehender Radweg in beide Richtungen bis zum Luise-Kiesselbach-Platz.

© SZ vom 17.06.2020

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