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Selbstversorgung:Dieser Späti wird mit einer App zur Bier-Tankstelle

Andre Broy bei der Präsentation seiner digitalen Zapfanlage und der entsprechenden Handy-App. Im neuen Spätkauf BROY im

Bier per App: André Broy steht an seiner digitalen Zapfanlage im Glockenbachviertel.

(Foto: Steffi Adam/imago)

Im Glockenbachviertel können sich Kunden das Bier selbst abzapfen. Mitbringen müssen sie nur ihr Smartphone und ein Gefäß. Gründer André Broy erzählt, mit welch irren Behältern die Menschen in seine Kleinbrauerei kommen.

Interview von Philipp Crone

Am Donnerstag um 19 Uhr stehen einige Menschen vor einem leeren weißen Raum in der Thalkirchner Straße. Er ist nicht ganz leer. An der Rückwand steht ein Getränkeautomat und rechts ein Stahltank, auf dem zwei Zapfhähne thronen. Daneben steht ein Schild mit einem Barcode. Wer sich die App Broy runterlädt, kann hier selbst zapfen. Überwacht wird das ganze nach Aussage der Betreiber von Hygienepersonal. André Broy, 28, Geschäftsführer und Gründer der gleichnamigen Kleinbrauerei, erklärt zudem, warum er das nun anbietet und wie es nach Corona funktionieren soll. Denn derzeit ist so ein Lockdown-kompatibler Ausgeh-Gag wenig überraschend gut besucht. Zudem ist der Getränkeautomat ein gut programmierter Kellner, der auch ein genuscheltes "Zwei Helle und ein IPA" versteht. Und die Minuten-Disco wird ohnehin gefeiert. Sagt man dem Automaten "Party", wird man aufgefordert, die Türen zu schließen, ehe es dunkel wird, die Nebelmaschine zischt, Musik spielt und man sich im Disco-Licht kurz so fühlen kann, als wäre alles wie früher. Bis es heißt: "Bitte die Tür wieder öffnen."

SZ: Herr Broy, warum muss man denn mit einer App zapfen?

André Broy: Zum einen, weil es gerade die einzige Möglichkeit ist. Zum anderen haben wir uns im März letzten Jahres überlegt, was wir denn jetzt machen sollen. Wir hatten viel investiert und dann kam Corona. Dabei kamen wir auf die Idee einer Zapf-App.

Man kann während des Zapfens auf dem Handy-Display die Milliliter- und den Preis mitlaufen sehen. Wie geht das?

Wir haben an den Tank eine kleine Blackbox montiert, 15 mal 15 Zentimeter, darin ist ein Durchlaufmesser eingebaut, der mit einer Webseite kommuniziert.

Und das nutzen die Gäste?

Und wie. Seit gut zwei Wochen haben wir geöffnet und bislang sind 300 Liter weggegangen. Zunächst dachten wir ja, dass sich die Leute etwas abholen, um es daheim zu trinken.

Und wie soll man das transportieren?

Wir haben zum Beispiel Drei-Liter-Flaschen. Das war nach unserer Vorstellung eine gute Menge, um sie an einem Abend zu trinken. Wenn also einer zu Hause ist und noch einen Freund oder Freundin einladen kann. Dann trinken beide gemütlich je drei Halbe.

Wie lang hält sich das Bier denn?

Das ist ein bisschen wie bei einem Bier aus dem Holzfass. Man sollte es schon zügig trinken, aber ein paar Tage hält es auch im Kühlschrank, nur geht eben langsam die Kohlensäure raus. Unsere Brauerei, bei der wir brauen lassen, sagt: Man soll das Bier innerhalb von einer Woche trinken.

Also haben die Leute sich das Bier abgeholt?

Ja, mit irren Gefäßen. Vom Protein-Shaker bis zur Sodastream-Flasche. Aber viele trinken auch gleich hier auf der Straße. Die jüngeren haben oft Gläser dabei, aber auch Menschen über 50 kommen, die zapfen sich ihr Bier gerne in Tonkrüge mit Deckel.

Warum muss Ihr Bier denn gleich getrunken werden?

Wir haben natürlich auch länger haltbares Flaschenbier. Aber das Bier aus dem Tank wird nicht, wie sonst üblich, über CO₂-Begasung vor der Oxidation geschützt. Da kommt nur Luft dran bei uns.

Warum?

Das ist wieder wie beim Fass: Dadurch wird beim Ausschenken der Schaum feinporiger, also schöner und so das Trinkerlebnis besser, finden wir.

Was haben Sie mit der App noch vor?

Wir könnten uns vorstellen, dass man vielleicht in verschiedenen Gaststätten auch Selbstzapfhähne hat in Zukunft. Und ich dann in der App schauen kann, wo es gerade welches Bier gibt, das ich selbst zapfen kann.

Was kostet denn gerade die Halbe zum Selbstzapfpreis?

Derzeit 1,80 Euro.

Und was ist mit dem Trinkgeld? Für den netten Tank oder den netten Flaschenautomatenroboter?

Kann man noch nicht geben, stimmt, vielleicht müssen wir da noch was ändern.

© SZ vom 11.02.2021/aner
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