Prüflabor der TU MünchenWenn es im Wohngebiet nach Brand riecht

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Bei dem grauen Bau hinter dem Spielplatz handelt sich um das Brandprüflabor der Technischen Universität an der Winzererstraße in Schwabing.
Bei dem grauen Bau hinter dem Spielplatz handelt sich um das Brandprüflabor der Technischen Universität an der Winzererstraße in Schwabing.
Catherina Hess
  • Anwohner in Schwabing klagen über Geruchs- und Lärmbelästigung durch das Brandprüflabor der TU München an der Winzererstraße.
  • Die TU will die Rauchgaswaschanlage bis Ende dieses Jahres umbauen, um Geruchsbelästigungen durch stehendes Wasser zu vermeiden.
  • Eine neue Emissionsprüfung soll erst nach dem Umbau stattfinden, während die Brandprüfungen bis dahin weiterlaufen.
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Anwohner in Schwabing klagen über Luft- und Lärmbelastung durch das benachbarte Brandprüflabor der Technischen Universität. Wann kommt eine neue Abgasuntersuchung?

Von Irmengard Gnau

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Anfangs ist es vor allem Marie du Toits Mann, der sich immer wieder an dem Geräusch stört, das von einer Anlage auf dem Nachbargebäude ihres Wohnhauses in der Adams-Lehmann-Straße kommt. Ist es das Brummen einer Klimaanlage? Später bemerkt du Toit selbst einen wiederkehrenden Geruch, als ob jemand etwas verbrennt.

Die Juristin lebt seit 2016 in dem Haus im Stadtteil Schwabing-West, seit 2021 mit ihrem Partner in einer Familienwohnung zur Bebauung in der Winzererstraße hin. Als sie 2023 schwanger wird, was häufig mit einer besonderen Geruchsempfindlichkeit verbunden ist, beginnt du Toit, der Ursache des Geruchs nachzugehen. Bald wird klar, dass dieser mit dem Nachbargebäude und dem ungewöhnlichen Dachaufbau zu tun hat, auf das sie von ihrem Balkon aus schauen – ein Brandprüflabor, wie sie auf Nachfrage über ihre Hausverwaltung erfährt.

Das Labor wurde schon in den 1960er-Jahren an der Winzererstraße errichtet und dient seit Jahrzehnten als staatlich anerkannte Prüf- und Zertifizierungsstelle. Wie eine Art TÜV für Baumaterialien testen die Mitarbeiter des Brandprüflabors verschiedene Baustoffe auf ihr Brandverhalten und ihre Brandsicherheit, bevor diese in Gebäuden verbaut werden dürfen.

Bei den zu prüfenden Materialien handele es sich vor allem um Holz und andere biobasierte Stoffe, zudem mineralische Baustoffe, Kunststoffe und Metalle sowie Mischungen aus diesen Stoffen, erklärt die Technischen Universität München (TU), die das Labor betreibt, das zur Professur für Brandwissenschaft und Brandingenieurwesen gehört. Der Aufbau auf dem Dach, den die du Toits zunächst für eine Klimaanlage gehalten haben, ist Teil einer Rauchgasreinigungsanlage, die Schadstoffe und Staub aus dem Rauch entfernt.

In der Anlage auf dem Dach des Labors werden Schadstoffe und Staub aus dem Rauch entfernt.
In der Anlage auf dem Dach des Labors werden Schadstoffe und Staub aus dem Rauch entfernt.
Catherina Hess

Laut dem Münchner Flächennutzungsplan liegt das Brandprüflabor in einem Sondergebiet. Allerdings sind nördlich und westlich angrenzend seit der Jahrtausendwende rund um den Ackermannbogen große Wohngebiete entstanden und mit ihnen Kitas und Spielplätze.

Du Toit sorgt sich darüber, was da in der Luft liegt, die aus der unmittelbaren Nachbarschaft zu ihnen zieht. Und ob die Inhaltsstoffe womöglich gesundheitsschädlich sein könnten. „Ich dachte: Ich muss für saubere Luft für mein Kind sorgen“, sagt sie, zumal sie den Geruch zunehmend und als störend wahrnimmt. Sie beginnt, sich an die öffentlichen Stellen zu wenden.

Im Februar 2024 nimmt der Bezirksausschuss Schwabing-West das Thema erstmals auf seine Tagesordnung und stellt eine Anfrage an die zuständige Immissionsschutzbehörde, das Referat für Klima- und Umweltschutz der Stadt München (RKU), das sich an den Betreiber des Brandlabors, die TU, wendet. In einem Antwortschreiben weisen die Betreiber darauf hin, dass das Brandprüflabor schon deutlich länger an seinem Standort existiere als die umgebende Wohnbebauung und welch wichtige Aufgabe die Einrichtung für die Gesellschaft erfülle. Gleichwohl erklären die Betreiber Bereitschaft, die Hinweise aufzunehmen und eine aktuelle Emissionsmessung zu veranlassen.

Das jüngste umfassende Gutachten stammt von 2003, es wurde anlässlich der Bebauung des Ackermannbogens erstellt. Damals wurden nach Angaben des RKU an den Bezirksausschuss (BA) „schallschutztechnische Maßnahmen ergriffen“ sowie eine Rauchgasreinigung nachgerüstet. Seitdem seien keine Grenzwertüberschreitungen mehr festgestellt worden.

Als sie vom RKU im September 2024 die Mitteilung erhält, die TU habe ein dreistufiges Verfahren angestoßen, schöpft du Toit Hoffnung. Ein erster Test auf Legionellen im Wasser, mit dem das Rauchgas in der Anlage gewaschen wird, fällt negativ aus. Der zweite Schritt soll eine professionelle Geruchsuntersuchung des Waschwassers sein. Diese werde „in Kürze“ in Auftrag gegeben, schreibt das RKU damals an du Toit. Als dritter Schritt sei dann eine Rauchgasuntersuchung geplant.

Doch Neuigkeiten über mögliche Ergebnisse der Untersuchungen erhält die Anwohnerin trotz Nachfragen nicht. Im Oktober 2025 nimmt du Toit wieder vermehrt Geruch in der Luft wahr und hakt beim RKU nach. Im Frühjahr 2026 teilt das RKU der Anwohnerin mit, dass laut der Betreiberin – also der TU – eine niedrigere Abgasbelastung zu erwarten sei, da das Wasser in der Rauchgasreinigungsanlage durch Frischwasser ersetzt werde.

Da sie in Folge jedoch keine Besserung wahrnimmt, wendet sich du Toit Anfang Juni 2026 noch einmal an den Bezirksausschuss und schreibt zudem die drei großen Fraktionen im Stadtrat an. Der BA hakt beim RKU nach, das verweist auf die Betreiberin.

Auf eine Anfrage der SZ hin schreibt die TU nun, obgleich die Ergebnisse der Emissionsprüfungen der Anlage bislang stets den gesetzlichen Vorgaben entsprochen und sogar deutlich unter den entsprechenden Grenzwerten gelegen hätten, habe man sich nach einer Geruchsuntersuchung dazu entschlossen, die bestehende Rauchgaswaschanlage auf dem Dach des Laborgebäudes umzubauen, „um eine entsprechende Belästigung der Anwohner durch stehendes Wasser in der Anlage künftig grundsätzlich auszuschließen“.

Die Universität stehe kurz vor der Beauftragung einer entsprechenden Fachfirma für den Umbau, der – abhängig vom Wetter und möglichen technischen Komplikationen – bis Ende dieses Jahres fertig sein soll. Eine Überprüfung der Emissionen werde erst danach stattfinden, so die TU: „Eine erneute vollständige Emissionsprüfung erfolgt sinnvollerweise im Anschluss, um die erneuerte Anlage einzumessen.“

Du Toit fordert, die Brandprüfungen auszusetzen, bis die Ergebnisse jener Emissionsprüfung vorliegen und bestätigt ist, dass die Emissionen unbedenklich sind – „vor allem für die vielen Kinder hier in der Nähe“. Die TU und das Brandlabor hingegen kündigen an: „Wir können bis zum Umbau der Rauchgasreinigung weiterarbeiten.“ Während des Umbaus selbst werde man die Prüfungen für die Dauer der Arbeiten unterbrechen.

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