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Immobilien in München:Bogner verkauft sein Firmengelände in Berg am Laim

Stammhaus von Modehersteller Willy Bogner in München, 2013

Bogners Designermode wird traditionell auch im Showroom am Hauptsitz in Berg am Laim gezeigt. Hier Stücke aus der Winterkollektion 2014.

(Foto: Claus Schunk)

Die Stadt kam nicht zum Zug, stattdessen kaufte ein Immobilienentwickler für 55 Millionen Euro das Areal. Was auf den 12 000 Quadratmetern Grund nun entstehen soll.

Von Lea Kramer

Einst lud die Modefirma Willy Bogner zu Modeschauen in die Firmenzentrale in Berg am Laim, nun will sich der Konzern nach 70 Jahren im Viertel von seinem Sitz trennen. Anfang Februar hat das Textilunternehmen mitgeteilt, dass es das Gelände an der St.-Veit-Straße 4 verkauft hat. Welche Rolle die Stadt München bei dem Immobiliengeschäft eingenommen hat, beschäftigt den Bezirksausschuss (BA) Berg am Laim.

Für 55 Millionen Euro ging das Bogner-Areal an den international agierenden Immobilienentwickler UBM mit Sitz in Wien. UBM will nach eigenen Angaben Wohnungen auf dem 12 000 Quadratmeter großen Gelände bauen. In den vergangenen Jahren hat das börsennotierte Unternehmen vermehrt in den Wohnungsbau investiert - auch in München. Eigenen Angaben zufolge ist die bayerische Landeshauptstadt "für UBM eine der vier Kernstädte in ihrer ausschließlich auf europäische Metropolen ausgerichteten Strategie". Neben Bogners altem Firmensitz in Berg am Laim, entwickelt UBM das alte Firmengelände der Spedition Ascherl an der Baubergerstraße in Moosach. Zudem war die Gesellschaft an den "Gmunder Höfen" beteiligt, die auf dem alten Siemensparkplatz in Obersendling bis 2023 entstehen werden. Seine Anteile an dem Projekt hat UBM vergangenes Jahr an den Immobilienkonzern Vonovia veräußert.

Zwei Jahre bleibt das Unternehmen Bogner nach eigenen Angaben noch an der St.-Veit-Straße. Ein neuer Firmensitz wird gesucht.

(Foto: Gino Dambrowski)

Warum die Stadt München, statt selbst zu kaufen, erneut einem Investor ein Gelände im Stadtbezirk überlässt, das sich nach Ansicht des BA gut für dringend benötigte soziale Infrastruktur geeignet hätte, haben die Lokalpolitiker auf Initiative der Linken diskutiert. Der Verkauf des Bogner-Geländes kommt nämlich nicht überraschend, bereits 2020 hatte die Modefirma bekannt gegeben, dass sie verkaufen will. Das Münchner Traditionsunternehmen, das mit Wintersportmode weltweit bekannt wurde und noch immer dem Skirennfahrer und Filmemacher Willy Bogner gehört, ist schon länger in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Der Verkauf des Firmengeländes sei Teil des Finanzierungskonzepts, um die finanzielle Stabilität des Unternehmens zu sichern, hieß es aus der Führung des Unternehmens nach der Bekanntgabe des Grundstücksverkaufs.

Da das Areal in einem Mischgebiet liegt, kommen dafür unterschiedliche Nutzungsarten infrage. Angesichts des großen Bauprojekts auf dem Truderinger Acker nur ein paar hundert Meter weiter hatte der BA das Grundstück an der St.-Veit-Straße 4 für ein Altenheim oder eine Anlaufstelle für Senioren ins Auge gefasst und eine entsprechende Anfrage an das Sozialreferat gestellt. In seiner Antwort teilte das Referat im Herbst mit, dass das Kommunalreferat mit Bogner Kontakt aufgenommen habe, "um die Verkaufsbereitschaft abzuklären". Eine Sprecherin des Kommunalreferats bestätigt, dass die Stadt von Oktober 2020 an über den Ankauf des Bogner-Areals verhandelt hat. "Die Eigentümer haben von Beginn an darauf hingewiesen, dass weitere Erwerbsinteressenten vorhanden sind und die Stadt aus Gleichbehandlungsgründen nicht bevorzugt behandelt werden könne", sagt die Sprecherin. In der Folge sei es nicht zum Abschluss eines Kaufvertrags zwischen der Stadt und Bogner gekommen.

Stammhaus von Modehersteller Willy Bogner in München, 2013

12 000 Quadratmeter groß ist das Bogner-Gelände, im Bild ein Nähraum. 55 Millionen Euro hat Entwickler UBM dafür bezahlt.

(Foto: Claus Schunk)

Die Modefirma hat das Grundstück in einem strukturierten Bieterverfahren vergeben, eine Variante beim Immobilienverkauf, bei der potenzielle Käufer ähnlich wie bei einer Auktion Gebote abgeben können. Die Voraussetzungen für ein städtisches Vorkaufsrecht habe es an dieser Stelle nicht gegeben, so das Kommunalreferat. Ob die Stadt im Zuge des Bieterverfahrens ein Angebot abgegeben hat, darüber schweigt sowohl das Kommunalreferat als auch Bogner selbst. Fest steht: Das Unternehmen wird den Standort an der St.-Veit-Straße aufgeben. "Wir bleiben für mindestens zwei Jahre in unserem derzeitigen Gebäude und suchen in dieser Zeit nach einer neuen Firmenzentrale in München", betont eine Sprecherin von Bogner.

Der neue Eigentümer erklärt indes, dass das Gelände gemeinsam mit der Stadt und dem Bezirksausschuss in den kommenden zwei bis drei Jahren entwickelt werden solle. "Es ist aber zu früh, hier über eine konkrete Zahl an Wohnungen in einer für Wohnen immer beliebteren und infrastrukturell dafür gut erschlossenen Ecke von München zu sprechen", sagt UBM-Sprecher Karl Abentheuer. Welches Gewerbe dort entstehen könnte, sei ebenfalls noch nicht klar. Aber: "Ein Hotelprojekt wird von uns an diesem Standort sicher nicht verfolgt", so Abentheuer.

© SZ vom 31.03.2021/vewo
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Willy Bogner, 2010

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