München-Bogenhausen Brannekämper rechnet damit, sein Büro zu räumen - weil die AfD einzieht

Der Staat müsse viel mehr in bezahlbaren Wohnraum investieren, fordert er und schlägt auch neue gemeinschaftliche Modelle vor wie Wohnheime für Senioren und Studenten. Zur Politik brachte ihn der Ausstieg aus dem Atomausstieg vor acht Jahren, im Bezirksausschuss Bogenhausen ist er Fraktionssprecher der Grünen und Sprecher des Stadtgestaltungsausschusses. Im Mittelpunkt seines Wahlkampfs steht der Pflegenotstand, "Pflege mit Würde", heißt es auf seinen Plakaten. Verwandte von ihm arbeiten in dem Beruf, die Missstände bekommt er also direkt erzählt. Mehr Personal und eine bessere Bezahlung fordert er, "wichtig wäre auch die Einführung einer Pflegekammer in Bayern".

In die Landespolitik zieht es ihn, weil man dort "mehr in Richtung Gesellschaft gestalten kann als im Lokalen". Wenn die Grünen die aktuellen Umfragewerte halten, ist er glücklich, sein "Traumziel" wären 20 Prozent. Dafür wird er weiter wahlkämpfen, beispielsweise an diesem Mittwoch auf einer Isarradtour mit einer Biologin zum Thema Naturschutz.

"Eigentlich nix Großes" und Unzufriedenheit mit dem Wohnungsbau bei der CSU

Unweit der Isar, im sommerlich verwaisten Maximilianeum, sitzt der CSU-Kandidat und Titelverteidiger Robert Brannekämper an seinem Abgeordnetenschreibtisch, neben dem Regal mit den vielen Geschenken aus einem Politikerleben. Bildbände, Feuerwehrautos, Bierkrüge. Er faltet die Hände, sodass die beiden Manschettenknöpfe mit seinen Initialen nebeneinander liegen. Was er im weiteren Wahlkampf noch geplant habe? Brannekämper überlegt, dann sagt er: "Eigentlich nix Großes." Was er vor Oktober allerdings unbedingt noch machen will: sich in Florenz die Retrospektive des Landshuter Bildhauers Fritz Koenig anschauen. Die Prognosen sehen gut aus für den früheren Stadtrat, der 2013 zum ersten Mal in den Landtag einzog - er gehe entspannt in die Wahl. Gut möglich, dass er sein 14 Quadratmeter großes Büro mit Blick in Baumwipfel dennoch räumen muss, vermutlich werde die AfD hier im fünften Stock einziehen, sagt er.

Auch Brannekämper, im Landtag vor allem zuständig für die Themen Wissenschaft und Denkmalschutz, kommt schnell auf "das Grundrecht Wohnen", wie er sagt, zu sprechen. Unzufrieden ist er mit dem heutigen Wohnungsbau, "eine Qualität wie früher" habe man "nie mehr hingekriegt". Als Vorbilder nennt der studierte Architekt, der 1994 ins Bauunternehmen seiner Familie einstieg, die Borstei in Moosach, aber auch die Schwanthalerhöhe, Viertel mit einer "gelungenen Mischung aus Wohnen, Arbeiten und Gewerbe, lebendig, mit kurzen Wegen und genug Grün".

Erklärung

München hatte bei der Landtagswahl 2013 noch einen Stimmkreis weniger. Das Statistische Landesamt hat berechnet, wie das damalige Ergebnis in diesem Stimmkreis mit dem neuen Zuschnitt ausgesehen hätte.

Das Mantra "Bauen, bauen, bauen" hält er für falsch, man müsse den Spagat zwischen Dichte und Qualität besser ausbalancieren - und den Zuzug steuern, indem man die Ansiedlung von Firmen in andere Regionen Bayerns fördert. War es aber nicht ein bisschen arg populistisch, mit dem Schreckgespenst vermeintlicher Plattenbauten gegen das geplante Wohngebiet im Nordosten, die städtebauliche Entwicklungsmaßnahme, Stimmung zu machen? Als Politiker sei er zur Überspitzung gezwungen, sagt er, "ich muss auf zwei Worte verkürzen, wie die Bildzeitung".

Am SPD-Stand beim Isarinselfest gesteht der Mann, der nicht mehr SPD wählen will, dem Kandidaten am Ende noch, dass er ihn schon sympathisch finde. Er könne ja auch splitten, empfiehlt Mike Malm. "Ich freue mich über jede Stimme." Nebenan zerplatzt ein Luftballon.

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