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Bogenhausen:Mit dem Online-Unterricht allein gelassen

Statistisches Bundesamt zur digitalen Ausstattung 2019

Verbindung Fehlanzeige: Im Bogenhauser Gymnasium gibt es weder Laptops oder Tablets noch Webcams, das WLAN ist nicht leistungsfähig.

(Foto: Sebastian Kahnert/dpa)

Die digitale Ausstattung des Wilhelm-Hausenstein-Gymnasiums ist so dürftig, dass Schüler, Eltern und Lehrer jetzt gemeinsam Alarm schlagen. Wie es im September weitergehen soll, wissen sie nicht.

Von Nicole Graner, Bogenhausen

Klara Tebbe geht in die Q 11 und in das größte Gymnasium der Stadt, das Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium (WHG). Sie kann es irgendwie immer noch nicht fassen: Ihre Schule, ein Gymnasium für 1340 Schülerinnen und Schüler, läuft der Zeit hinterher. Denn es gibt kein leistungsfähiges WLAN in der Schule. Von Webcams, Laptops für Schüler oder Lehrer ganz zu schweigen. Und Zoom? Wenn, dann habe man das in dieser schwierigen Zeit privat versucht, sagt Klara. Es sei "echt schwierig, so zu lernen." Alles sei irgendwie mittelmäßig, die Motivation sinke. "Und am schwierigsten ist es, überhaupt am Ball zu bleiben."

Wie schwer es ist, in Corona-Zeiten zu unterrichten sei das Eine. Es aber ohne digitale Hilfsmittel zu tun, sei eine Zumutung, sagt Schulleiter Uwe Barfknecht in der Sitzung des Bezirksausschusses (BA) Bogenhausen am Dienstagabend. Er ist mit Kollegen, dem Elternbeirat und den Schülersprechern in die Sitzung gekommen, um seinen Frust in Worte zu kleiden, sich Gehör zu verschaffen. Barfknecht berichtet, dass er schon vor Corona um einen WLAN-Anschluss gebeten habe. Dem habe man im Referat für Bildung und Sport (RBS) nicht stattgegeben. Eine Begründung: Datenschutz. Auch seien noch vor Ostern Webcams und Headsets bestellt worden. Nichts sei passiert. Private Initiativen seien unterdrückt worden.

Daraufhin hätten die Lehrer dann von ihren privaten Computern daheim aus unterrichtet. Lehrer-Laptops gebe es ja nicht, erklärt Barfknecht. Der Elternbeirat habe sich eingesetzt und Spenden für Laptops gesammelt, Geld für Beamer. Barfknecht macht sich Sorgen, denn er geht nicht davon aus, dass im September normaler Unterricht stattfindet.

Das RBS erklärte auf SZ-Anfrage, man wolle der Antwort an die Schulleitung nicht vorgreifen. "Generell können wir sagen, dass der WLAN-Ausbau an den Münchner Schulen intensiv weiter betrieben wird", erklärte Pressesprecherin Ursula Oberhuber. Ein Pilotprojekt mit zehn Schulen sei weitgehend abgeschlossen. Ab Oktober folge dann die nächste Ausbaustufe von WLAN an ausgesuchten pädagogischen Einrichtungen. Ob das WHG dazugehören wird, geht aus der Stellungnahme nicht hervor.

"Das sind doch Versäumnisse auf breiter Front", erklärt Petra Cockrell (Grüne). Ihre Partei fordert in einem Dringlichkeitsantrag, das WHG schnellstens digital aufzurüsten. Was heißt: ein leistungsstarkes WLAN in 14 Klassenzimmern einzurichten, Webcams und Headsets zu liefern und bereits vorhandene Beamer zu montieren. Datenschutzgründe könne man nicht nachvollziehen, ärgert sich Robert Brannekämper (CSU). "WLAN, das ist doch Basic! Und dass es das im WHG nicht gibt, ist doch eine Schande für die Stadt." Wenn es das Referat nicht schaffe, einen Online-Unterricht zu gewährleisten, müsse das eben der BA auf den Weg bringen, schlägt Brannekämper vor. "Wir sind ein städtisches Gremium. Dann nehmen wir aus unserem Budget 10 000 bis 15 000 Euro in die Hand und müssen nicht länger zusehen." Dieser Vorschlag wurde einstimmig angenommen, ebenso der Grünen-Antrag.

Klara Tebbe ist nicht nur Schülerin, sie ist auch Schülersprecherin am WHG. Zusammen mit ihren Kollegen hat sie eine Presseerklärung verfasst, in der sie fordern, dass "unsere Lehrerinnen und Lehrer in Zukunft mit dem Online-Unterricht nicht mehr allein gelassen werden und die Unterstützung erhalten, die nötig ist". Sie selbst sei ja im Unterricht an der Schule, aber ihr gehe es um die anderen Schüler, die nur blockweise Unterricht hätten. "Denn das Einzige", findet Klara Tebbe, "was zum Beispiel bei Fragen in Mathe oder Chemie wirklich hilft, ist online mit dem Lehrer Aufgaben durchgehen zu können und mit ihm zu sprechen."

© SZ vom 30.07.2020/syn

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