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Poststation in Denning:Unterm Kastaniendach

2. Preis HÄUSER AWARD 2021: Wohnhauserweiterung, München, Architekt: Anton Mang.

(Foto: Anton Brandl)

Aus einer früheren Poststation in Denning ist ein preisgekröntes Stadthaus geworden.

Von Mira Brünner, Bogenhausen

Erst Poststation, dann Biergarten und heute preisgekrönte, nachhaltige Architektur: Etwas versteckt unter zwei großen Kastanienbäumen steht an der Ostpreußenstraße in Denning ein rostroter, hölzerner Anbau an einem Stadthaus - ein Wohnzimmer im Garten sozusagen. Als sich die Bewohner des Hauses Ende 2017 mit dem Wunsch nach mehr Wohnfläche an das Architektenbüro "Und Mang Architektur" wandten, stand für Anton Mang schnell fest, dass er die beiden großen Kastanien im Garten nicht fällen will, um Platz für das Bauvorhaben zu schaffen. "Normalerweise werden Bäume heutzutage einfach umgeschnitten", erklärt der Architekt: "Hätten wir auch machen können. Haben wir aber nicht."

Dass überhaupt zwei so große Kastanien in dem Garten eines Privathauses stehen, ließe sich laut Mang auf die Geschichte des Objekts zurückführen. Das Haus stammt aus dem Jahr 1935 und beherbergte damals im Erdgeschoss zunächst eine Poststation, darauf folgte dann ein kleiner Biergarten, in dem die zwei Kastanien gepflanzt wurden. Heute wird das Haus wieder privat genutzt und ist nun zudem mit dem Häuser-Award 2021 ausgezeichnet worden.

Der Wettbewerb des Magazins Häuser stand dieses Jahr unter dem Motto "Die besten nachhaltigen Häuser" und fokussierte sich auf intelligent geplante und gestalterisch anspruchsvolle Gebäude, die sowohl zeitgemäß als auch zukunftsfähig sind. Der erste Platz ging an den Umbau einer Remise in der Schweiz, der Anbau in der Ostpreußenstraße landete auf dem mit 5 000 Euro dotierten zweiten Treppchen. Weitere Siegerobjekte stehen im Münsterland und im Taunus.

Die Entscheidung von Mangs Team, die Kastanien stehenzulassen und zudem den Anbau des Hauses aus Holz zu fertigen, hat die Fachjury offensichtlich überzeugt. Auch die Idee, den Anbau auf Schraubfundamenten zu bauen, um die großen Wurzeln der Kastanien nicht zu beschädigen, war Teil des nachhaltigen Konzeptes.

"Nach der Entscheidung, die Bäume nicht zu fällen, ging das alles fast von selbst", sagt Mang, und auch die Bewohner des ausgezeichneten Stadthauses sind mit dem Anbau sehr zufrieden. Wie er auf den Preis reagiert hat? Anton Mang lacht: "Natürlich freut man sich, das ist doch gut." Es gehe ihm aber nicht darum, Preise zu gewinnen, sondern zu entwerfen, um Architektur zu machen. "Die Architektur ist doch eine sehr öffentliche Kunst. Die ganze Stadt ist geprägt von Gebäuden, die ein Architekt sich ausgedacht hat. Aber jedes Haus ist mehr oder weniger individuell entworfen worden." Und in der Ostpreußenstraße eben nicht nur, um den Anforderungen der Bauherren gerecht zu werden, sondern ebenso im Sinne der beiden alten Kastanien. Die nun nicht mehr feuchtfröhlichen Biergarten-Besuchern Schatten spenden, sondern über preisgekrönte Münchner Architektur wachen.

© SZ vom 19.03.2021/van
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