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Corona-Testzentrum für Kinder:Die Angst der kleinen Enna

Coronatestzentrum für Kinder in der Cosimastrasse.

Kindgerecht und in schöner Atmosphäre: Pro Tag führt das KiTZ durchschnittlich 80 bis 120 Tests durch, sagt die Geschäftsleitung.

(Foto: Catherina Hess)

Viele fürchten sich vor dem langen Stäbchen in ihrem Rachen. Im ersten Corona-Testzentrum für Kinder in Bogenhausen wird der Abstrich ganz behutsam vorgenommen - und wer tapfer war, bekommt ein Geschenk.

Von Veronika Ebner

Für die zwei Jahre alte Enna geht es zum Corona-Test. Schüchtern versteckt sie sich hinter dem Bein ihrer Mutter, denn der große Bär vor dem Eingang des Kindertestzentrums (KiTZ) in Bogenhausen wirkt erst etwas gruselig. Dabei soll das noch namenlose Maskottchen, in dem sich ein Mitarbeiter der Firma "test smart" verbirgt, den Kindern beim Testen eher die Angst nehmen. Das funktioniere auch in der Regel, meint Helge Retzler, die das Zentrum pädagogisch begleitet.

Die Grundschullehrerin hat zusammen mit dem Unternehmen "test smart" das - nach eigenen Angaben - erste Testzentrum in Deutschland eröffnet, das sich auf Kinder spezialisiert hat. Weder das Bundes- noch das bayerische Gesundheitsministerium sahen sich in der Lage, diese Aussage zu verifizieren beziehungsweise zu widerlegen. Es lägen keine Informationen vor, wie viele und welche Testzentren und -stellen vor Ort tätig seien, heißt es etwa vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG). Jedenfalls ist das auf Kinder maßgeschneiderte Konzept nicht häufig anzutreffen.

Nach dem anfänglichen Zögern betreten Enna und ihre Mutter Elke Altenhof dann doch den kinderfreundlich eingerichteten Eingangsbereich des Testzentrums an der Cosimastraße 121-123. Girlanden, nette Tierbilder und Motivationskarten schmücken die Wände. Nach der Anmeldung, für die man am besten - aber nicht notwendigerweise - die Gesundheitskarte dabeihat, geht es zum kostenlosen Bürgertest für die Kleinsten unter uns in das separate Testzimmer.

Enna macht es sich auf dem Sofa in den Armen ihrer Mutter bequem, während die Studentin und ausgebildete Testerin Amelie Graf den Abstrich im Rachen nimmt. Weil sie so tapfer war, darf sich Enna danach als Belohnung eine Kleinigkeit aussuchen.

"Unser Personal ist nicht nur medizinisch geschult - das ist uns ganz wichtig, dass das ein Arzt gemacht hat, weil die Physiognomie der Kinder anders ist - sondern es ist auch pädagogisch geschult", betont Retzler. Bei den Bewerbungen der Testerinnen und Tester sei außerdem bereits auf pädagogische Vorerfahrung geachtet worden.

Coronatestzentrum für Kinder in der Cosimastrasse.

Die Testutensilien liegen bereit.

(Foto: Catherina Hess)

Ein Mindestalter gibt es in ihrem Testzentrum nicht, das sei immer Entscheidung der Eltern, so die Pädagogin. Einen Termin muss man auch nicht vereinbaren und das, obwohl es nur ein Testzimmer gibt. Man wolle kein Durchschleusen, kein Testen am Fließband, sagt Helge Retzler, stattdessen sollen die Kinder "so viel Zeit bekommen, wie sie brauchen, um den Test über sich ergehen zu lassen. Für manche ist das ja durchaus eine Sache, die sie ängstigt."

Bei schwierigen Fällen hilft auch die Vorbildfunktion der Eltern, denn nicht nur die Kinder, sondern auch die Begleitpersonen können sich im Kindertestzentrum mit einem Antigen-Schnelltest auf Sars-CoV-2 untersuchen lassen, Montag bis Samstag von 8 bis 16 Uhr. Pro Tag führe das KiTZ durchschnittlich 80 bis 120 Tests durch, heißt es von der Geschäftsleitung.

Die Idee für das Konzept kam Helge Retzler, als die Testpflicht in den Schulen startete. "Wir würden auch in die Schulen fahren, wenn wir das gesetzlich dürften", sagt Retzler. Viele Kinder hätten Angst vor dem Corona-Test, manche Eltern möchten nicht, dass sich ihr Kind selbst das Stäbchen in die Nase steckt. Die Gründe sind vielfältig, warum die Leute nach Bogenhausen kommen. Für Familie Schlager war es der geschlossene Kinderarzt, weshalb sie mit der zweieinhalbjährigen Tochter extra den Weg aus Untergiesing auf sich genommen hat. Die Kita verlange einen Test, erzählt Franziska Schlager, "Wir kommen nicht nur wegen der Geschenke", scherzt ihr Mann.

Coronatestzentrum für Kinder in der Cosimastrasse.

Wer zehnmal an der Teststation war, darf sich auf eine kleine Überraschung freuen.

(Foto: Catherina Hess)

Nach dem zehnten Besuch - über einen Stempelpass wird mitgezählt - bekommen die Kinder eine größere Überraschung, etwa einen kinderfreundlichen Handdesinfektionsspender. Sollte ein Kind tatsächlich positiv sein, fahren Helge Retzler und ihr Team ein Care- Paket bei den Infizierten vorbei. In der Tüte befindet sich neben einem Glückskeks und Stickern unter anderem auch ein Glücksklee. "Die Kinder haben durch die Pflanze eine Aufgabe während der Quarantäne", erklärt die 31-jährige Grundschullehrerin.

An Methoden der klassischen Konditionierung - nach dem Test folgt sogleich die Belohnung - scheint es im KiTZ also nicht zu mangeln. Intrinsische Motivation, also ohne externe Anreize, sei von den Kindern auch nicht zu erwarten, meint Retzler. Bevor es für die frisch Getesteten nach Hause geht, darf noch ein Namensvorschlag für den Maskottchen-Bär hinterlassen werden. Der Gewinner der Namensausschreibung - wer hätte es gedacht? - erhält ein Geschenk.

© SZ vom 12.06.2021/infu
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