Am Abend des 22. April 2017 haben sich ungewöhnliche Dinge an der Museumsinsel in der Isar ereignet: Wo tagsüber Besucher des Deutschen Museums gemächlichen Schrittes flanierten, strömte spätabends eine Menschenmasse zielsicher in Richtung Ludwigsbrücke. Weil der Zustrom nicht abriss, sah sich die Polizei später dazu genötigt, die Straße zu sperren. Es hatte ohnehin keinen Zweck mehr: Das Blitz, jener Technoclub, den die Massen in der Eröffnungsnacht ansteuerten, war längst überfüllt. Es war ein Abend, „der ging in die Münchner Clubgeschichte ein“. So hat das Szenemagazin Groove jenen 22. April im Nachgang eingeordnet.
Knapp neun Jahre später wird es mit den Technopartys auf der Museumsinsel vorbei sein. Der Mietvertrag läuft aus, das bestätigte Gerrit Faust, der Sprecher des Deutschen Museums, der SZ. Seit März 2017 hat sich das Blitz im Museum eingemietet. Der Vertrag habe zunächst bis Ende des vergangenen Jahres gegolten und sei vor Ablauf bis September 2026 verlängert worden.
Laut Faust seien in den Räumen des Clubs zwar „kleinere Baumaßnahmen“ notwendig. Aus Sicht des Deutschen Museums hätte der Club deshalb aber nicht zwingend ausziehen müssen. „Wir haben dem Blitz-Club zwischenzeitlich explizit angeboten, dass sie nach Abschluss minimaler Umbauarbeiten weiterhin im Gebäude bleiben dürfen. Das wollte der Blitz-Club aber nicht“, sagt Faust. Die Betreiber des Clubs, Branimir Peco und David Muallem, waren bis Dienstagabend nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.
Damit scheint München zumindest vorerst einen seiner wenigen überregional bekannten Technoclubs zu verlieren. Nicht nur das Magazin Groove war nach der Eröffnung von dem Zuwachs für die Münchner Clubszene begeistert. National wie international bekannte DJs und Musikjournalisten schwärmten von der Location und dem perfekt auf den Klang der Musik abgestimmten Raumsystem.
Vor allem aber war es die Anlage selbst, die für Aufsehen sorgte und von der manche behaupteten, sie sei die beste ihrer Art in Deutschland. Und das, obwohl das Blitz in dieser Hinsicht mit Läden wie dem legendären Berghain in Berlin oder dem Robert Johnson in Offenbach am Main konkurriert.

Mit Peco und Muallem wird das Blitz von zwei Schwergewichten des Münchner Nachtlebens geführt. Muallem etwa nahm bei seinem Wechsel vom Bob Beamon ins Blitz kurzerhand die Resident-DJs mit. Peco war vor seiner Zeit im Blitz für das Programm im Kong Club verantwortlich.
Auch Mitgründerin Sandra Forster, die im vergangenen Jahr aus der Geschäftsführung ausstieg, hat mit zahlreichen Restaurant- und Club-Projekten wie dem Charlie die Münchner Szene geprägt. Der von Groove zur „Supergroup des Münchner Nachtlebens“ geadelten Blitz-Crew gelang es aufgrund ihrer Beziehungen immer wieder, große Namen nach München zu holen, die hier eher selten zu Gast sind, etwa: Richie Hawtin, Modeselektor, Nina Kraviz, Sven Väth.
Ist es damit nun vorbei? Dem Vernehmen nach sind die Betreiber auf der Suche nach einem neuen Standort. Wo dieser sein könnte und ob es dort mit dem Blitz weitergeht wie gewohnt, ist unklar. In den Räumen des Museums jedenfalls soll im Sommer die letzte Partynacht stattfinden. Bis Ende September muss der Club im denkmalgeschützten Gebäude rückgebaut werden. Danach ist das Blitz Geschichte – zumindest im Deutschen Museum.

