Start-up-Messe:Schwarzenegger empfiehlt: "Weg von euren iPhones"

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Start-up-Messe: Auftritt in Lederhose: Arnold Schwarzenegger eröffnet das Start-up-Festival "Bits & Pretzels". Und Hunderte Handys werden gleichzeitig gezückt.

Auftritt in Lederhose: Arnold Schwarzenegger eröffnet das Start-up-Festival "Bits & Pretzels". Und Hunderte Handys werden gleichzeitig gezückt.

(Foto: Leonhard Simon)

Der US-Hollywoodstar hat das Gründerfestival Bits & Pretzels unter anderem mit Ratschlägen für Erfolg eröffnet. 5000 Gäste sind gekommen, um Kontakte zu knüpfen und sich inspirieren zu lassen.

Von Clara Löffler

Wer gründen will, der muss früher aufstehen. Oder auch: Der frühe Vogel fängt die Investoren, dachten sich wohl die Veranstalter der Gründermesse "Bits & Pretzels", als sie beschlossen, die Tore des ICM am Sonntagmorgen um 7.30 Uhr zu öffnen. Der Ansturm ist trotzdem riesig. Alle 5000 Tickets waren fünf Wochen vor Beginn ausverkauft, weitere 4000 Menschen stehen auf der Warteliste. Sie alle wollen in den nächsten zwei Tagen ihre Start-ups präsentieren, in selbige investieren, von Gleichgesinnten lernen. Kurzum: netzwerken. So viele Gelfrisuren, Chinohosen und weiße Turnschuhe sieht man in München nicht einmal im P1. Geduldig warten die Besucher auf den österreichisch-amerikanischen Schauspieler und Unternehmer Arnold Schwarzenegger, der die Messe vor restlos belegten Plätzen eröffnen soll. Als zweiter Lieblingsamerikaner der Deutschen - nach Barack Obama 2019.

Doch erst einmal müssen die Zuschauer einen von dramatischer Musik begleiteten Schwarz-Weiß-Spot über sich ergehen lassen. "We missed you", wir haben euch vermisst, steht an dessen Ende in großen, gelben Buchstaben. Wie alle großen Veranstaltungen konnte "Bits & Pretzels" in der Corona-Pandemie nur virtuell stattfinden. "Reuniting Founders", Gründer wiedervereinen, lautet also das Motto der diesjährigen Messe. Gerade rechtzeitig, denn die nächste Krise klopft schon an der Tür. Krieg, Inflation und Rezession lassen auch die Start-up-Szene nicht unberührt. Robert Habeck, der eigentlich an diesem Montag nach München reisen wollte, hat kurzfristig abgesagt. Die "Weltsituation" zwinge ihn, in Berlin zu bleiben.

Start-up-Messe: Mehr als 300 Gründerinnen und Gründer sind nach München gereist, 5000 Gäste besuchen die "Bits & Pretzels".

Mehr als 300 Gründerinnen und Gründer sind nach München gereist, 5000 Gäste besuchen die "Bits & Pretzels".

(Foto: Hannes Magerstaedt/Getty Images)

"Wenn die Zeiten hart sind, dürfen wir nicht in Angst verharren, sondern müssen proaktiv sein", spricht stattdessen Bernd Storm van's Gravesande, einer der drei Veranstalter, von der Bühne. Ein bisschen aufgesetzt, ein bisschen auswendig gelernt klingt das. Wie viele der "motivierenden" Sprüche, die er und seine Kollegen in den nächsten zehn Minuten loslassen werden: Eine Ära der Möglichkeiten sei das. Wo ein Wille ist, da ist ein Weg. Tatsächlich aber scheinen die Messebesucher positiv in die Zukunft zu blicken, wie eine Studie zeigt. Zwar sind nur 27 Prozent der Befragten optimistisch, was die Weltlage anbelangt; was das eigene Start-up angeht, zeigen sich aber 76 Prozent zuversichtlich.

Auch an der Rede von Roland Weigert, Staatssekretär im bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, kommt niemand vorbei. Er lobt das Gründerland Bayern. Rund 1000 Start-ups habe allein das Gründerzentrum der TU München seit 2002 auf den Weg gebracht, darunter Flix Mobility, dessen Co-Gründer Daniel Krauss ebenfalls erwartet wird.

Start-up-Messe: Schwarzenegger soll über das richtige "Mindset" für den Erfolg reden. Aber er spricht lieber über sich selbst. Applaus vom Publikum gibt es trotzdem.

Schwarzenegger soll über das richtige "Mindset" für den Erfolg reden. Aber er spricht lieber über sich selbst. Applaus vom Publikum gibt es trotzdem.

(Foto: Leonhard Simon)

Jetzt heißt es erstmal: "It's showtime". Auftritt Arnold Schwarzenegger. Hunderte Handys werden gleichzeitig entzückt in die Höhe gehalten. Anders als Obama hat er es sich nicht nehmen lassen, in Lederhose zu erscheinen, die ihm knapp unter die Knie reicht. Ordnungsgemäß trägt er dazu ein grünkariertes Hemd und Kniestrümpfe in derselben Farbe. Tracht ist bei "Bits & Pretzels" Tradition, die Veranstaltung begann 2014 als Frühstück mit etwa 80 Teilnehmenden auf dem Oktoberfest.

Was Arni mit Start-ups zu tun hat? Nun ja, zugegebenermaßen nicht viel. 2018 hat er ein Unternehmen für Nahrungsergänzungsmittel gegründet. Aber der "Terminator" soll nicht übers Gründertum reden, sondern über das richtige "Mindset" für den Erfolg. Aber Schwarzenegger spricht lieber über sich selbst, den jüngsten Mr. Universe aller Zeiten, den Filmstar, den Gouverneur von Kalifornien. Die Menge scheint das nicht zu stören, tosender Applaus wird von lautem Gelächter abgelöst.

Seine Message: Man könne alles erreichen, dazu brauche es nur eine "klare Vision". "Weg von euren iPhones", rät er. In dem kleinen Dorf in Österreich, in dem er kurz nach dem Krieg aufwuchs, gab es natürlich kein Internet, keine sozialen Netzwerke, keine Handys. Da habe er viel Zeit gehabt nachzudenken und diese "Vision" zu formen. Heute tue er das im Jacuzzi seiner Villa, mit einer Zigarre im Mund. Und noch einen Tipp hat er parat: "Seid nützlich! 'Ich bin müde' oder 'Ich habe keine Zeit' gibt es nicht." Ein wenig realitätsfern klingt das wohl für viele Menschen. Aber die sind dann auch nicht Zielgruppe von "Bits & Pretzels".

Am Ende kommt Schwarzenegger doch noch auf dringende Probleme unserer Zeit zu sprechen. "Fossile Energien sind der Feind", sagt er und plädiert für Atomkraftwerke. Seit seiner Zeit als republikanischer Politiker setze er sich für Klimaschutz ein. Was Europa von den USA lernen könne, fragt ihn die Moderatorin June Sarpong von der BBC. Nicht so viel wie früher, muss der Amerikaenthusiast zugeben. Das haben auch die Messeveranstalter begriffen. Frankreich ist in diesem Jahr als erstes Gastland überhaupt mit einer eigenen Bühne vertreten. Es ist eine der großen Lehren aus 2022: Das europäische Netzwerk muss gestärkt werden.

Start-up-Messe: Sara Nuru, Model und Unternehmerin, steht beim Unternehmensgründer- und Investorentreffen Bits & Pretzels auf der Bühne.

Sara Nuru, Model und Unternehmerin, steht beim Unternehmensgründer- und Investorentreffen Bits & Pretzels auf der Bühne.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Mehr als 300 Gründerinnen und Gründer sind angereist, um ihre Produkte vorzustellen - von kakaofreier Schokolade über Hüllen für Kinderwagen bis hin zu Meditations-Apps. Sie alle wollen die Zukunft sein, die Zukunft des Bankings, die Zukunft digitaler Sicherheit, die Zukunft erneuerbarer Energien. Hinzu kommen über 500 Sprecherinnen und Sprecher, die Einblicke in ihre Erfahrungen als Gründer geben oder über Themen wie Diversität und Nachhaltigkeit diskutieren. Darunter sind auch Prominente wie das Model Sara Nuru oder die Tennisspielerin Ana Ivanović. Das Angebot von "Bits & Pretzels" ist erschlagend.

So richtig dafür zu interessieren, scheinen sich viele der Besucher nicht. Sie tummeln sich lieber an den vielen Stehtischen oder auf den Sofas, um noch ein bisschen mehr zu "netzwerken". Diesen eigentlichen Reiz der Messe kennen auch die Veranstalter. Das Highlight der "Bits & Pretzels" ist daher der Schottenhamel-Besuch am Dienstagvormittag. Jetzt ist auch klar, warum 5000 Tickets verkauft wurden. Genauso viele Menschen passen in ein Bierzelt.

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