Süddeutsche Zeitung

Biotopia Lab:Unsichtbare Kräfte

Das "Lab" im Botanischen Garten muss zunächst ausfallen - aber die Alternative ist nicht schlecht: Anleitungen für Experimente daheim.

Von Joachim Nicolodi

Wegen der aktuellen Corona-Situation wird die Eröffnung des Biotopia Lab für den Publikumsverkehr verschoben. Die geplanten Workshops können nicht stattfinden. An einem "Biotopia Lab@home" wird gearbeitet, Informationen dazu gibt es auf der Webseite des Biotopia Lab.

Der Zunderschwamm ist das Schweizer Taschenmesser unter den Pilzen. Als Ötzi vor 5200 Jahren in den Hochalpen starb, hatte er ein Stück dieses Pilzes bei sich, etwa um Feuer zu machen und Blutungen zu stoppen. Auch heute wird der Zunderschwamm noch verwendet, allerdings in einer ganz anderen Form: Ein bayrischer Schuhhersteller hatte vor einigen Jahren die Idee, Sneakers aus diesem schwammigen Alleskönner anzufertigen.

Wie diese Herstellung abläuft, wann in der Münchner U-Bahn Champignons gezüchtet wurden und noch viel mehr zum Thema Pilz erfahren Schulklassen und an Wochenenden auch neugierige Erwachsene, wenn das "Biotopia-Lab" im Botanischen Garten von 2. November an seine Türen öffnet. "Fungi for Future - Die unsichtbare Kraft der Pilze" heißt die Ausstellung, in der sich alles um die Schwammerl dreht und mit der das Lab eröffnet. Das Projekt soll eine dynamische Plattform für ganz verschiedene Disziplinen werden, wie etwa Wissenschaft, Kunst, Design und Kultur, und als Veranstaltungsort und Experimentierwerkstatt in einem dienen.

Damit ist es Übergangslösung und Vorbote zugleich für das Biotopia-Naturkundemuseum-Bayern, welches das "Museum Mensch und Natur" ablösen und in der zweiten Hälfte des Jahres 2021 eröffnet werden soll. Das Vorhaben gilt as Leuchtturmprojekt und soll das erste Museum weltweit sein, das Verhaltensweisen und Naturprozesse wie Essen, Schlafen und Fortpflanzen in den Mittelpunkt stellt.

Schon mit dem letztjährigen Biotopia-Festival gab es darauf einen Vorgeschmack , und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Bei "Eat - Wie schmeckt die Zukunft?" ging es mit Ausstellungen und Mitmach-Aktivitäten einen ganzen Tag lang um Ernährung und Gesundheit. Aufmerksamkeit erregte Biotopia auch in diesem Jahr, als während des Lockdown dazu aufgefordert wurde, Vogelstimmen aufzunehmen, die dann für die Forschung verwendet, aber auch künstlerisch etwa mit einem Konzert verarbeitet wurden.

Das Konzept hinter "Lab" und Museum ist ähnlich: Mit Workshop-Bereichen und interaktiven Stationen soll Wissenschaft hautnah vermittelt werden. So kann man ab 2. November auf 350 Quadratmetern Fläche mit einem VR-Flugsimulator über Berchtesgaden fliegen, ein Mini-Biotop im Glas kultivieren oder Mikroorganismen in einer eigenen Wasserprobe erforschen. Daneben gibt es Pop-up- und mobile Ausstellungen, wie eben "Fungi for Future", die vom 2. bis zum 8. November zu sehen sein wird. Der Eintritt für Kinder und Erwachsene ist kostenlos. Na dann, Pilzlatschen an und los.

Eröffnungswoche Biotopia Lab, ab Montag, 2. November, Botanischer Garten, Eingang Menzinger Str. 65, ganztägig geöffnet, Infos: lab.biotopia.net

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Quelle:
SZ vom 29.10.2020
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