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Nachruf:Ihr warmherziges Lachen wird fehlen

Schauspielerin Billie Zöckler

"Edda, schreib!" In den Achtzigerjahren spielte Billie Zöckler in der Serie "Kir Royal", es folgten Auftritte in Filmen wie "Go Trabbi Go".

(Foto: Catherina Hess)

Schauspielerin Billie Zöckler ist im Alter von 70 Jahren gestorben. Ihren Durchbruch hatte sie in der Rolle von Baby Schimmerlos' Sekretärin in der Serie "Kir Royal".

Ihre charakteristische Kieksstimme, ihr warmherziges Lachen, das treuherzige Rollen ihrer eindrucksvollen Augen waren so etwas wie ihr Markenzeichen. Auch mehr als 30 Jahre nach ihrem Durchbruch als Schauspielerin in der Rolle von Baby Schimmerlos' Sekretärin Edda Pfaff in Helmut Dietls Achtzigerjahre-Serie "Kir Royal". Jetzt ist die Münchner Schauspielerin Billie Zöckler im Alter von 70 Jahren in ihrer Schwabinger Wohnung gestorben, wie ihr langjähriger Agent Peter Reinholz bestätigte.

Die roten Haare waren eine Perücke, die langen, grün lackierten Fingernägel gehörten einem Double. "Ich konnte nur im Dreifingersystem tippen, im echten Leben wäre ich als Sekretärin eine Katastrophe gewesen", sagte Zöckler einmal über ihre Rolle als Edda, die für sie eine Art "Zwilling" werden sollte, auf den sie ständig angesprochen wurde.

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Es war eine Begegnung im Vorfeld der München-Premiere von "Der Pantoffel-Panther" Anfang vergangenen Jahres in der Komödie im Bayerischen Hof. Zöckler spielte "Röschen", die Ehefrau von Jochen Busse. Wieder ein wenig naiv, wieder gutgläubig und warmherzig auch im größten Schlamassel. "Ich spiele eine Ehefrau, die von ihrem Mann so sehr geliebt wird, dass er es nicht übers Herz bringt, ihr zu gestehen, dass er pleite ist", skizzierte sie seinerzeit fröhlich kichernd ihre Rolle. Ein Engagement, das für sie gerade zur richtigen Zeit gekommen war, um sie die nächsten Jahre von finanziellen Sorgen zu befreien, wie sie damals freimütig bekannte.

Nach "Kir Royal" hatte die Tochter eines Dokumentarfilm-Produzenten, die ursprünglich den Beruf der Cutterin erlernt hatte, einen Namen. Gegen ihren eigentlichen Vornamen Sibylle hatte sie sich schon als gerade mal Dreizehnjährige ganz bewusst entschieden. "Ich war als junges Mädchen schüchtern und scheu, flüchtete mich ins Kino, zu Wildwestfilmen. Da konnten sich die Helden so toll durchschießen, wie Billy the Kid. Das wollte ich auch. Also nannte ich mich Billie statt Sibylle."

Nach dem Engagement bei Helmut Dietl war endgültig Schluss mit ihrer Arbeit als Cutterin. Es folgten Filmrollen in deutschen Kinokomödien wie Doris Dörries "Geld" oder Peter Timms "Go Trabbi Go". Und Fernsehrollen wie etwa in der deutsch-italienischen Serie "Die Kinderklinik", in der sie in den Neunzigerjahren eine rauchende Nonne verkörperte, was der ehemaligen Klosterschülerin, die das Internat auf eigenen Wunsch ausgesucht und nach zwei Jahren vergeblicher Sinnsuche wieder enttäuscht verlassen hatte, "besonders" gefiel. Irgendwann passierte Zöckler das, wovor alle Schauspielerinnen Angst haben: "Du merkst, dass du alt wirst. Und dass man dir das Alter ansieht. Du bist an einem Punkt angelangt, an dem endgültig ein anderer Lebensabschnitt beginnt."

Da nicht zu verbittern, sondern positiv zu bleiben, war ihr erklärtes Ziel. Geholfen hatte ihr dabei in ihrem letzten Lebensjahrzehnt die Arbeit am Theater, an der Komödie in Düsseldorf und in Köln sowie am Münchner Metropoltheater. Den "Pantoffel-Panther" empfand sie als eine "herrliche Klamotte", mit der sie 2017 und 2018 auf Tournee ging und 550 mal erfolgreich auf der Bühne stand. Während viele Kollegen im Laufe ihres Lebens in andere Städte zogen, sei sie in ihrer Heimatstadt höchstens von Stadtteil zu Stadtteil gezogen, stellte Billie Zöckler leise verwundert fest. Und ließ ihr warmherziges Lachen hören. Das fehlen wird.

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