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München:Bilder der Zuversicht

Auch Münchner Kinder folgen dem weltweiten Regenbogen-Aufruf in der Corona-Krise

"Ein Regenbogen / komm und schau / rot und orange / gelb, grün und blau" - so beginnt ein Gedicht von Josef Guggenmos, dem schwäbischen Reimer, an dem kaum ein Kind in Kita oder Grundschule vorbeikommt. Vielleicht werden auch Erwachsenen diese ersten Zeilen wieder in den Sinn kommen, wenn sie sich beim Spazierengehen umschauen. Denn es gibt gerade viele Regenbogen-Motive zu entdecken, zum Beispiel beim Kindertageszentrum St. Martin an der Severinstraße. Und es sollen noch viel mehr Bilder werden. Hier sind Kinder, sollen sie sagen, und hier ist Zuversicht. Gemalt oder gebastelt sind sie die Antwort auf den weltweiten Aufruf, mit einem Regenbogen eine Brücke zu schlagen nach draußen und zu allen, die man gerade nicht besuchen kann.

Woher die Idee stammt, weiß niemand genau. Zu schnell hat sich die Aktion verbreitet. Manche sagen, sie komme aus Italien. Vielleicht stammt sie aber auch aus San Francisco, wo Gilbert Baker in den Siebzigerjahren die Regenbogenfahne entworfen hat. Als ein Zeichen fürs Schwulsein - und die Hoffnung auf freie Liebe. Frei sein, davon träumen in diesen Tagen viele Menschen, die gerne ihre vier Wände verlassen würden, vielleicht keine Lust mehr haben auf "Homeschooling". Warum nicht Unterricht mit dem Regenbogen? Er könnte zum fächerübergreifenden Lehrer werden.

Dass Baker ein Künstler war, könnte man lernen. Oder Nietzsche ein Philosoph, der Hoffnung als "Regenbogen über den herabstürzenden jähen Bach des Lebens" sah. Und woher kommen die Farben des Regenbogens überhaupt? Während man sich das in Youtube-Videos online erklären lässt, könnte man Judy Garland hören. Als Dorothy in dem Film "Der Zauberer von Oz" singt sie unvergleichlich "Over the Rainbow". Yip Harburg hat diese Hoffnungshymne 1939 geschrieben, und damit wäre ein Kapitel Geschichte, wenn auch ein dunkles, aufgeschlagen. Neugierig geworden?

© SZ vom 02.04.2020

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