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Leergut:Bier ist das neue Klopapier

Abgesagtes Oktoberfest

Nicht immer finden leere Bierflaschen den Weg zurück in den Kreislauf.

(Foto: dpa)

Die bayerischen Brauer warnen vor einem Flaschenmangel, weil zu viele Menschen das Leergut horten. Vielleicht ist der Hilfeschrei aber auch nur ein Marketing-Gag.

Glosse von Andreas Schubert

Man kann nicht gerade sagen, dass es in München an Flaschen mangelt. Gemeint sind damit jetzt nicht irgendwelche irrlichternden Corona-Leugner oder andere seltsame Wesen im übertragenen Sinn, sondern die wirklichen, echten Flaschen. Die, in denen man das schon in alten Mären erwähnte, bis heute obligatorische Gehbier mit sich führt.

Das Gehbier, dieses unerlässliche Münchner Abendaccessoire, das nach den ungeschriebenen, aber ehernen Gesetzen so lange in der Hand zu halten ist, bis es die Temperatur der Sommerluft erreicht hat, um es dann zwecks Ungenießbarkeit ordnungsgemäß in den nächsten Gulli zu kippen. Die Flasche schließlich ist auf einer Wiese für einen Flaschensammler bereitzulegen, der dann dafür sorgt, dass der natürliche Kreislauf eines Flaschendaseins (Abfüllanlage - Kiosk - Wiese - Abfüllanlage usw.) nicht unterbrochen wird.

Dieser über die Generationen etablierte Kreislauf hat nun eine Unwucht bekommen, sodass Bayerns Brauereien vergangene Woche mit dem Schlimmsten drohten: Wenn nicht genug Leergut zurückkommt, könnte es knapp werden mit der Bierversorgung. Man kann sich nun fragen, woher das schon wieder kommt. Können sich die Flaschensammler neuerdings nicht mehr von ihren Sammelobjekten trennen, weil der Mönch auf dem Etikett gar so nett lächelt? Sperrt eine ominöse Abstinenzler-Sekte das Leergut in dunklen Kellern weg, um die biervernarrten Münchner endlich trocken zu kriegen? Ist gar eine Flaschenschieberbande am Werk, um das Pfand nach oben zu drücken? Nix Genaues weiß man nicht.

Die Brauwirtschaft geht indes davon aus, dass die Leute einfach nur zu faul sind, ihre leeren Bierkästen zurück zu bringen, was bei dem knappen Raum in München wohl eher ein Denkfehler ist. Vielleicht ist der Hilfeschrei der krisengeschüttelten Brauer ja auch nichts anderes als ein Marketing-Gag um Hamsterkäufe zu beflügeln. Spätestens seit der Klopapier- und Nudelkrise im vergangenen Jahr weiß man ja, was drohender Mangel bei den Menschen bewirken kann.

© SZ vom 02.07.2021/vewo
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