Die Tricks der VerbrecherMit welchen Maschen Betrüger versuchen, an Geld zu kommen

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Tatwerkzeug Mobiltelefon: Abzock-Maschen über das Handy nehmen zu.
Tatwerkzeug Mobiltelefon: Abzock-Maschen über das Handy nehmen zu. (Foto: FreshSplash/Getty Images/Bearbeitung: SZ)

Vom „Schockanruf“ über gefälschte Online-Shops bis hin zu emotionalen Manipulationen: Betrüger verstehen es, Vertrauen zu gewinnen und daraus Kapital zu schlagen. Welches die häufigsten Tricks sind und wie man sich davor schützen kann.

Von Poul Heintzenberg

Ein Anruf, eine plausible Geschichte – und schon fehlt Geld vom eigenen Konto. Betrüger nutzen die Gutgläubigkeit ihrer Opfer aus, um diese um hohe Geldbeträge oder Wertgegenstände zu bringen. Und sie lernen dazu. Online, telefonisch oder persönlich – mit immer neuen Betrugsmaschen versuchen die Täter, Menschen zu überlisten.

Besonders einfallsreich sind sie beim „Callcenterbetrug“, also der Abzocke über das Telefon. Der ist nach Polizeiangaben in München besonders beliebt. Aber auch im Persönlichen kennen viele Betrüger keine Skrupel. Nette Dates oder Nachbarn werden da schnell zum Albtraum. Nicht nur finanziell hinterlässt so ein Vertrauensbruch Spuren, auch emotional. Eine Übersicht über die derzeitigen Betrugsmaschen:

Der Schockanruf: mit emotionaler Erpressung an Geld kommen

„Mama, ich hatte einen schweren Unfall!“, schluchzt eine tränenerstickte Stimme in den Hörer. Eine hohe Summe sei notwendig, um die vermeintliche Kaution zu begleichen, um den Anrufer wieder auf freien Fuß zu setzen. So oder so ähnlich kann sich der sogenannte „Schockanruf“ anhören, zu denen auch der Enkel-Trickbetrug gehört. Die Täter geben sich als Angehörige aus und rufen aus vermeintlich schrecklichen Situationen an, die der sofortigen emotionalen und natürlich finanziellen Aufmerksamkeit des Opfers bedarf. Auch gespielte Tränen kommen dabei zum Einsatz, um die Geschädigten emotional unter Druck zu setzen.

Besonders perfide: Die Täter suchen sich häufig Menschen, die vor nicht allzu langer Zeit wirklich einen Angehörigen verloren haben und deshalb, so deren Hoffnung, eher für eine derartige Manipulation zugänglich sind. Auch künstliche Intelligenz (KI) kommt laut Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz zum Einsatz. Mit dieser sei es möglich, die Stimmen von Geliebten täuschend echt zu imitieren. Oft reichen schon kleine Stimmenschnipsel aus den sozialen Netzwerken.

Falsche Amtsträger: Betrüger in vertrauenswürdigen Rollen

Polizisten, Bankangestellte oder Ärztinnen: Betrüger geben sich besonders gerne als Teil von Berufsgruppen aus, die als vertrauenswürdig gelten. In der Rolle des falschen Amtsträgers ruft der Betrüger bei den Opfern an und fordert die Übergabe von Geld oder Wertgegenständen. Auch hier wird häufig das vermeintliche Leid von Angehörigen instrumentalisiert. Ärzte fordern Geld für Medikamente, Polizistinnen die Begleichung einer fiktiven Kaution.

Die Täter lassen sich dabei stets neue Kniffe einfallen, um die Glaubwürdigkeit der Anrufe zu steigern. Besonderes Aufsehen erregte Anfang des Jahres der gezielte Betrug zweier chinesischer Staatsbürger, die in Deutschland leben. Beiden wurde von den wohl aus China stammenden Betrügern weisgemacht, dass ihre persönlichen Daten für kriminelle Aktivitäten verwendet wurden. Um sicher nach China zurückzukehren, müssten sie eine Kaution an ein chinesisches Konto überweisen. Diese Taten zeichneten sich laut Polizei besonders durch die immense Schadenssumme aus.

Die Dating-Falle: wenn Liebe und Vertrauen ausgenutzt werden

Online-Dates, nette Bekanntschaften im Fitnessstudio: Im Privaten gehen die meisten nicht davon aus, Opfer eines Betrugs zu werden. Das wissen auch Täter. Sie bauen eine emotionale Bindung zu den Opfern auf, schaffen Vertrauen und nutzen dieses dann aus. Ein solcher Betrug kann nicht nur finanziell ordentlich wehtun, sondern auch emotional.

Besonders deutlich zeigt dies ein Fall aus dem Jahr 2022. Ein damals 36-jähriger Münchner brachte zwei Frauen um insgesamt 185 000 Euro. Der gelernte Zimmermann gab sich auf Dating-Apps als erfolgreicher Geschäftsmann aus und kontaktierte dort seine Opfer. Nach einigen Treffen überzeugte er die Frauen, ihm Geld für Investitionen zu überweisen, „er sprach vom Doppelten, das ich zurückbekommen sollte“, sagte eine von ihnen später. Doch dazu kam es nie. Von dem Geld sah lediglich ein Opfer einen Bruchteil wieder.

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Wohnungszugangstrickdiebstahl: die Betrüger im eigenen Zuhause

„Wohnungszugangstrickdiebstahl“ – Hinter diesem Wort verbirgt sich eine Betrugsmasche an Menschen, die sich besonders sicher fühlen: zu Hause. Die Betrüger geben sich als Polizistinnen, neue Nachbarn oder unangekündigte Handwerker aus und stoßen häufig auf offene Türen. So verschaffen sie sich Zugang zur Wohnung des Opfers. Meist sind die Täter zu zweit. Einer lenkt ab, verwickelt das Opfer in ein Gespräch oder geht den vermeintlich notwendigen Handwerksarbeiten nach. Der andere schaut sich in der Wohnung nach Geld, Schmuck oder anderen Wertgegenständen um.

Häufig suchen sich die Täter gezielt Opfer mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen aus. Der Verlust werde oft erst viel später festgestellt. Da hatten die Betrügerinnen und Betrüger meist schon genug Zeit, sich vom Tatort zu entfernen.

Die Onlineshopping-Falle: Wenige Klicks vom Betrug entfernt

Zwei, drei Klicks und schon ist das neue Outfit bestellt, bezahlt und auf dem Weg. Wenig später liegt dann das Paket inklusive Inhalt vor der Wohnungstür – alles normal. Bis die Mahnung des Onlinehändlers eintrifft, obwohl die Ware eigentlich längst bezahlt ist. Diese Betrugsmasche wird auch Dreiecksbetrug genannt: Die Betrüger lockten zunächst mit ungewöhnlich billigen Angeboten und seriös aussehenden Internetseiten. Doch das bei der Bestellung überwiesene Geld geht an die Täter und nicht an den Onlineshop. Wenig später folgt deshalb die Mahnung.

Für eine effektive Strafverfolgung ist es dann häufig schon zu spät. Auch Unternehmen sollten sich vor Betrügern in Acht nehmen. Zuletzt hatten unbekannte Täter die Internetseite einer Münchner Rechtsanwaltskanzlei für Insolvenzrecht täuschend echt gefälscht und fiktive Insolvenzware an Unternehmen verkauft. Hierbei ist nach Angaben der Münchner Polizei ein Schaden im niedrigen sechsstelligen Bereich entstanden.

Der Rat der Polizei: „Ein gesundes Misstrauen ist die beste Prävention“

Eins ist all diesen Maschen gemein: Die meisten Betrüger agierten meist überaus professionell, so die Polizei. Es würden gezielt ältere Menschen oder solche mit körperlicher oder geistiger Einschränkung Opfer von Betrugstaten. Die Täter suchten unter anderem im Telefonbuch nach Namen, die ein gehobenes Alter nahelegen.

Die Polizei warnt regelmäßig vor möglichen Betrügen und ruft zur Vorsicht auf: „Ein gesundes Misstrauen ist die beste Prävention.“ Wichtig sei es zunächst, Ruhe zu bewahren und dem Täter keine persönlichen Daten zu überlassen. Weiterhin sollte auch die Echtheit eines Anrufers oder eines vermeintlichen Handwerkers oder Amtsträgers überprüft werden.

Grundsätzlich gelte: Die Polizei oder vergleichbare Amtspersonen werden niemals telefonisch um die Aushändigung von Bargeldbeträgen oder Wertsachen bitten. Falls der Verdacht bestehe, Opfer eines Betrugs geworden zu sein, solle nicht gezögert werden, die 110 zu wählen.

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