Weil derzeit mehrere Strafverfahren wegen Betrugs durch vermeintliche „Aura-Leserinnen“ anhängig sind, warnt die Münchner Polizei nun öffentlich vor dieser Masche: Dabei werden mit obskuren Erzählungen und Heilversprechen zum Teil hohe sechsstellige Summen erbeutet. Bei der auch in München tätig gewesenen Österreicherin Mariana M., die sich als Schamanin namens „Amela“ ausgab, wurden Schmuck und Bargeld im Wert eines zweistelligen Millionenbetrags sichergestellt. Die Mittvierzigerin wird derzeit mit internationalem Haftbefehl gesucht.
Wie Beamte des Münchner Kriminalkommissariats 61 bei einer Medienrunde am Donnerstag erklärten, würden die Taten in der Regel von Frauen an Frauen verübt, und zwar an solchen, die empfänglich seien für Esoterik, Spiritualität oder generelle Lebenshilfe. Die im gesamten deutschsprachigen Raum agierenden Täterinnen hätten den Blick für potenzielle Opfer geschult und würden diese gezielt vor Kirchen, Krankenhäusern oder Yoga-Studios ansprechen, aber auch auf Märkten, erzählte ein Sachbearbeiter.
Die Täterinnen würden dann über längere Zeit Vertrauen aufbauen und Rituale pflegen, um die Frauen oder deren Angehörige von Flüchen oder negativen Energien zu reinigen. Die Münchner Ermittler wiesen in diesem Kontext auf wiederkehrende Begriffe hin, bei denen man stutzig werden sollte: „lila Aura“ oder „blockierte Chakren“. Auch wenn Weihwasser, Kräuter und Erzengel ins Gespräch kämen, sollte man misstrauisch werden.
Bemerkenswert beim Vorgehen der Aura-Leserinnen sei, dass sie nie konkret Geld fordern, sondern es den Opfern überlassen, wie viel sie geben. Dabei, so die Kripo-Beamten, fragten sie stets nur, was es den Frauen wert sei, von ihren Übeln gereinigt zu werden. Durch diesen emotionalen Druck würden dann immer höhere Beträge entrichtet.
Letztlich werden die Geschädigten so manipuliert, dass sie sich aus Furcht oder Scham selten jemandem anvertrauen oder gar Anzeige erstatteten. Die Polizei ruft deshalb Opfer oder deren Angehörige auf, sich mit ihr in Verbindung zu setzen.

