Betrugsprozess in MünchenStrafverteidiger sitzt auf der Anklagebank

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Im Strafjustizzentrum wird gegen einen Autohändler und seinen mutmaßlichen Komplizen, einen Münchner Strafverteidiger, verhandelt.
Im Strafjustizzentrum wird gegen einen Autohändler und seinen mutmaßlichen Komplizen, einen Münchner Strafverteidiger, verhandelt. Sven Hoppe/dpa
  • Ein Autohändler und ein Münchner Strafverteidiger stehen wegen Betrugs an einer 75-jährigen Dame vor Gericht.
  • Der Autohändler soll seiner bettlägerigen Nachbarin lukrative Geldanlagen vorgespiegelt und mehrere Hunderttausend Euro von ihren Konten abgehoben haben.
  • Der Rechtsanwalt half bei Bankgeschäften und soll billigend in Kauf genommen haben, dass das Geld zweckentfremdet wurde.
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Ein Autohändler soll eine vermögende ältere Dame um mehrere Hunderttausend Euro betrogen haben – mit der Hilfe eines Münchner Rechtsanwalts. Nun müssen sich beide vor Gericht verantworten.

Von Andreas Salch

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Obwohl Kristijan B. inzwischen seit mehr als einem Jahr in der Justizvollzugsanstalt Stadelheim in Untersuchungshaft sitzt, ist er an diesem Dienstagvormittag zu kleinen Späßen mit dem Staatsanwalt und selbst mit dem Vorsitzenden der 9. Strafkammer am Landgericht München I, Richter Christian Daimer, aufgelegt. Weitaus verhaltener dagegen wirkt B.s mutmaßlicher Komplize G., der mit auf der Anklagebank sitzt. Er trägt einen dunklen Janker mit Hirschknöpfen. Ein ungewohnter Anblick für manche Beobachter. Üblicherweise erscheint G., der sich auf freiem Fuß befindet, nämlich in Robe vor Gericht. Er ist Rechtsanwalt und ein bekannter Münchner Strafverteidiger.

Laut Staatsanwaltschaft soll Kristijan B. eine wohlhabende ältere Dame um einen Großteil ihres Vermögens gebracht haben. Es geht um mehrere Hunderttausend Euro. Rechtsanwalt G. ist unter anderem wegen Beihilfe zum Betrug angeklagt, da er Kristijan B. mit seiner Expertise unterstützt haben soll. Angaben zu den Vorwürfen machte zum Prozessauftakt zunächst keiner der beiden.

Das mutmaßliche Opfer und Kristijan B. waren den Ermittlungen zufolge Nachbarn. Da die 75-Jährige bettlägerig ist, kümmerte er sich um sie. Im Laufe der Zeit habe der Autohändler ein enges Vertrauensverhältnis zu der Seniorin aufgebaut, heißt es in der Anklage. B. soll gewusst haben, dass seine Nachbarin über sehr viel Geld in Form von Bankguthaben verfügt. Das Vermögen stammt dem Vernehmen nach aus einem Erbe. Laut Anklage habe B. der alten Dame vorgespiegelt, er verfüge über gute Kontakte in die Münchner Geschäftswelt und kenne Personen, mit denen sich lukrative Geldverleihgeschäfte machen ließen. Alles, was er dazu benötige, so B. zu seiner Nachbarin, sei ihr Geld.

Anfang April 2024 soll Kristijan B. erstmals Geld vom Konto der 75-Jährigen abgehoben und ausschließlich für eigene Zwecke verwendet haben. Seiner Nachbarin soll er indes erzählt haben, ein Bekannter von ihm benötige einen kurzfristigen Kredit in Höhe von 60 000 Euro und sei bereit, dafür monatlich 15 Prozent Zinsen zu zahlen. Die Seniorin ließ sich überzeugen. Der angebliche Kredit für den Bekannten von B. soll aber nur der Anfang gewesen sein.

Bereits Ende April 2024 soll der 55-Jährige seiner Nachbarin erneut von einer vermeintlich lukrativen Anlagemöglichkeit vorgeschwärmt haben. Mindestens 260 000 Euro sollte die alte Dame dafür locker machen. Um an das Geld in bar zu kommen, soll B. ihr gesagt haben, sie solle bei ihrer Bank angeben, sie brauche den Betrag für den Kauf eines Hauses in Kroatien. Für die Abwicklung der Bankangelegenheit soll Kristijan B. seiner Nachbarin Rechtsanwalt G. vorgeschlagen haben, woraufhin die 75-Jährige diesen mit einer Vollmacht ausstattete. Die Beträge, die G. für seine Dienste von Kristijan B. erhalten haben soll, nehmen sich im Vergleich zu den Summen, die dieser vom Konto der Seniorin abräumte, eher gering aus.

Rechtsanwalt G., so die Anklage, soll „zumindest billigend“ in Kauf genommen haben, dass Kristijan B. das Geld nicht im Sinne seiner Nachbarin investiert, sondern für sich verwendet. Doch die geplante Abhebung für den angeblichen Hauskauf scheiterte, weil Mitarbeiter der Bank, bei der die 75-Jährige ihr Geld verwahrte, den Betrag Rechtsanwalt G. nicht aushändigen wollten. Daraufhin sollen die Angeklagten die Seniorin dazu gebracht haben, ihr gesamtes Vermögen, alles in allem knapp über 1,7 Millionen Euro, auf ein Konto bei einer anderen Bank zu transferieren.

In der Folgezeit soll Kristijan B. die 75-Jährige dazu gebracht haben, weitere Kredite an vermeintliche Geschäftsleute zu traumhaften Zinsen in Höhe von 20 Prozent zu vermitteln. Bei einem der Kreditnehmer handelte es sich um einen angeblichen Unternehmer, der für den FC Bayern München den Rasen pflegt.

Ende 2024 befanden sich den Ermittlungen zufolge noch rund 1,3 Millionen Euro auf dem Konto der Seniorin. Zwischenzeitlich habe wegen eines risikoreichen Immobiliengeschäfts in Grünwald, zu dem die Angeklagten der Seniorin geraten haben sollen, sogar der Verlust fast ihres gesamten Vermögens gedroht, so die Staatsanwaltschaft. Ein Urteil in dem Prozess wird für Anfang April erwartet.

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