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München/Berlin:Verlorener Schatz der Hofantiquare

Zentrum Kulturgutverluste stützt Münchner Provenienzforschung

Von susanne Hermanski, München/Berlin

Jacques Rosenthal war Königlich-Bayrischer Hofantiquar. Er führte in München seinerzeit die berühmteste Buchhandlung Deutschlands. Seine Verkaufsräume waren in der Brienner Straße im Erdgeschoss seines Empire-Palais' gelegen. Der Lagerbestand belief sich 1907 auf eine Million Bücher und war damit nur unwesentlich kleiner als der Besitz der Hofbibliothek selbst. Unter Jacques' Sohn Erwin florierte das Geschäft weiter, doch 1935 belegten die Nationalsozialisten den jüdischen Firmeninhaber mit Berufsverbot. Rosenthal musste die Firma an einen Mitarbeiter übergeben, die private Kunstsammlung der Familie wurde verkauft, viele Werke sind bis heute verschollen. Wie die Sammlung einst aussah und wo die Kunstwerke abgeblieben sind, will das Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München nun in Kooperation mit der Nachfahrin Julia Rosenthal erforschen.

Das Forschungsprojekt in München ist eines von 25, die von 2020 an neu vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg unterstützt werden. Das gesamte Fördervolumen beträgt 1,97 Millionen Euro. Rekonstruiert werden nicht nur verloren gegangene Sammlungen. Museen, Privatpersonen, Archive und Bibliotheken widmen sich auch der Erforschung ihrer eigenen Bestände. So auch das "Museum für Franken" in Würzburg, das seine Zugänge der Jahre 1933 bis 1945 untersucht. Das von Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden zum 1. Januar 2015 gegründete Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg ist in Deutschland zentraler Ansprechpartner zu allen Fragen unrechtmäßig entzogenen Kulturguts.

Das Zentrum wird von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien institutionell gefördert und erhält hieraus auch die Mittel für seine Projektförderung. Anträge für längerfristige Projekte können jeweils bis zum 1. Januar und 1. Juni eines Jahres eingereicht werden. Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste dokumentiert dabei die entsprechenden Werke auch in seiner öffentlich zugänglichen Datenbank "Lost Art" als Such- und Fundmeldungen. Die Ergebnisse der geförderten Forschungsprojekte stellt das Zentrum in seiner öffentlich zugänglichen Datenbank "Proveana" unter www.proveana.de dar.

© SZ vom 17.11.2020
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