„Wer viel geht, fährt gut“: So hat Walter Pause in den 1960er- und 1970er-Jahren mehrere Bände seiner „Wandertips für kluge Autofahrer“ im grün unterlegten Querformat betitelt. Den Radius um München herum zog der Autor und Bergsteiger teils ziemlich großzügig, führt Ziele bis kurz vor die österreichisch-italienische Grenze am Brenner auf. Der schnellste Weg für eine Tour im Gebirge war das kaum. Doch genau darum soll es bei den folgenden Tipps für Gipfelunternehmungen gehen, eben um Berge, die von der bayerischen Landeshauptstadt ohne allzu lange Autofahrten erreichbar sein sollen.
Die Sonntraten (1096 Meter) bei Gaißach

Im Isarwinkel direkt südlich der Kreisstadt Bad Tölz sind die Sonntraten ein ideales Ausflugsziel für Familien mit Kindern und alle, die sich in schöner Landschaft entspannen wollen. Der Aufstiegsweg durch Bauernwiesen ist wegen der sonnigen Südwesthanglage bereits früh im Jahr schneefrei und mit einer Stunde Gehzeit zudem familienfreundlich.
Los geht es am Wanderparkplatz im Gaißacher Ortsteil Grundern/Untermberg inmitten der typischen Haaglandschaft in diesem Teil des Isarwinkels. Das geometrische Landschaftsmuster von wie mit dem Lineal gezogenen Hecken und Talwiesen werden die Ausflügler von weiter oben umso besser erkennen. Im Frühjahr blühen unten die Obstbäume und weiter oben die ersten Wiesenblumen.
Der Anstiegsweg ist leicht. Kurz nach dem Wanderparkplatz müssen sich die Wanderer links halten. Empor geht es auf einem teils mit hölzernen Treppenstufen erschlossenen Steig und nur ganz kurz einmal in wenigen Serpentinen durch den Wald. Auf der Gipfelwiese ist das Panorama mit Blicken auf das schräg gegenüberliegende Brauneck und vor allem bis ins Karwendel grandios. Der Abstieg folgt dem Aufstieg.
- Anfahrt: zirka 60 Kilometer mit dem Auto sind es von München bis zum gebührenpflichtigen Wanderparkplatz in Gaißach-Grundern, etwa über die A 8 und ab der Ausfahrt Holzkirchen auf der B 13 über Sachsenkam und Bad Tölz nach Gaißach; per Zug mit der Bayerischen Regiobahn bis zum Halt Obergries-Gaißach, dann halbstündiger, zusätzlicher Fußmarsch über den Griesweg, die Isarstraße und Kellern bis zum Wanderparkplatz.
- Gehzeit: etwa eine Stunde Aufstieg vom Wanderparkplatz bis zur Gipfelwiese, mit Kindern womöglich etwas länger
- Höhendifferenz: um die 350 Meter
- Einkehrmöglichkeit im Gaißacher Gasthof zur Mühle (Sonnwiesstraße 1) mit Biergarten und Kinderspielplatz

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Fockenstein (1564 Meter) zwischen Lenggries und Bad Wiessee

Zentral im Mangfallgebirge zwischen dem Tegernsee und dem Isarwinkel liegt der Fockenstein. Daher kann der Berg auch beidseitig entweder von Schloss Hohenburg bei Lenggries oder vom Söllbachtal in Bad Wiessee in der ziemlich gleichen Zeitdauer erreicht werden. Eine Einkehrmöglichkeit für unterwegs ist allerdings nur die 1270 Meter hoch gelegene Aueralm auf der Tegernseer Seite. Daher wird der Anstiegsweg von Bad Wiessee beschrieben.
Vom Wanderparkplatz führt die Tour zunächst auf einer Teerstraße ins Söllbachtal hinein. Nach etwa einer Viertelstunde weist ein Schild nach rechts zur Aueralm und dem Fockenstein hin. In weiten Kehren führt der Forstweg durch Wald, ehe es nach Süden etwas lichter wird und der Hirschberg mit seinem Doppelgipfel ins Blickfeld rückt. Bis kurz nach der Aueralm ist der Weg breit. Bevor es wieder in den Wald geht, zweigt nach rechts ein Steig auf den Gipfelkamm zum Fockenstein ab. Der kann nach Regen etwas rutschig sein.
Am Gipfel bietet sich dann ein schöner Rundumblick vom Tegernsee, über das Isartal bis ins flache Alpenvorland. Wieder hinunter führt die Wanderung in südwestlicher Richtung und in einem Bogen über das Neuhütteneck und Neuhüttenalm wieder zurück zur Aueralm. Anschließend kann man auch alternativ sich links haltend über das Zeiselbachtal am Gasthaus Sonnenbühel vorbei zum Ausgangspunkt abgestiegen werden.
- Anfahrt von um die 60 Kilometern von München nach Bad Wiessee über die A 8 und die Ausfahrt Holzkirchen, dann über Gmund nach Bad Wiessee, zum Wanderparkplatz südlich der Kirche Maria Himmelfahrt in die Söllbachstraße einbiegen; mit dem Zug bis zum Bahnhof der Bayerischen Regiobahn in Gmund, weiter mit dem Bus zur Haltestelle Söllbach in Bad Wiessee.
- Gehzeit (auf und ab) um die fünf Stunden
- Höhendifferenz: 870 Meter
- Einkehrmöglichkeit in der Aueralm auf 1270 Meter Seehöhe und schönen Blick über den Tegernsee und auf die umgebenden Berge, montags außer an Feiertagen Ruhetag
Staffel (1532 Meter) in der Jachenau

Im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen zählt der Jachenauer Staffel zu den unbekannteren Wanderzielen. Das mag daran liegen, dass es unterwegs keine Einkehrmöglichkeit gibt. Trotzdem bietet der Gipfel eine tolle Rundumsicht auf die bekannten Berge im Umkreis von der Benediktenwand, dem Herzogstand bis zum Schafreuter und den Felszacken des Karwendel im Süden. Zudem führt die Tour zumeist auf schmalen Steigen dahin.
Die schöne Rundtour beginnt am Parkplatz im Ortsteil Bäcker. In südöstlicher Richtung führt die Straße an einigen Häusern vorbei. Über freie Wiesen geht es bis zum Waldrand und dann auf einem Steig bergan. Schließlich ist ein Flachstück im lichten Wald erreicht, wo der Weg Richtung Westen auf den Kamm einschwenkt. Links taucht der Sylvensteinspeicher tief unten ins Blickfeld. Es geht weiter bis zum Staffelalm-Hochleger und rechts haltend auf das letzte Stück des Gipfelanstiegs. Der Abstieg führt vom Staffelalm-Hochleger über die Südwestflanke des Staffel, dann durch den Wald bis ins Tal und über einen Hof zum Ausgangspunkt zurück.
- Anfahrt knapp 80 Kilometer von München bis zum Wanderparkplatz in Jachenau-Bäcker, etwa über die A 8, Ausfahrt Holzkirchen und die B 13 über Sachsenkam und Bad Tölz nach Lenggries und in die Jachenau; per Zug mit der Bayerischen Regiobahn nach Lenggries und mit dem Bus weiter zur Haltestelle Bäcker in der Jachenau.
- Gehzeit (rauf und runter) um die vier Stunden
- Höhendifferenz: 800 Meter
- Einkehrmöglichkeit im Landhotel zum Staffelwirt in Bäcker

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Seebergkopf (1538 Meter) bei Bayrischzell

Die Tour auf den Seebergkopf bietet ein abwechslungsreiches Auf und Ab durch Wald und Bergwiesen und an schönen Almhütten vorbei. Direkt gegenüber dem Gipfel im Norden liegt der Wendelstein.
Die Wanderer folgen vom Seebergkopf-Parkplatz am südwestlichen Rand von Bayrischzell – kurz bevor die Straße ins Ursprungstal abbiegt – der Beschilderung „Seeberg über Neuhütte“. Durch den Wald führt ein Steig in Serpentinen neben dem tief eingeschnittenen Beiwandgraben bergauf. Ein erster Aussichtspunkt mit schönem Blick auf den Wendelstein ist erreicht. Der Weg führt in einem Bogen in die Ost- und Südflanke des Seebergkopfs. Bei der Sankt-Josephs-Deliciusquelle führt der Steig ein ganz kurzes Stück über eine Brettplanke, wofür etwas Schwindelfreiheit gefragt ist. Schwer ist die Tour ansonsten aber nicht.
Es geht hinauf auf freie Almwiesen bei der Neuhüttenalm, die wie auf einem Aussichtsbalkon hoch über dem Ursprungtal steht, das ins Blickfeld rückt. Oberhalb der Hütte geht es nordwestlich weiter am Hang bis zur Seebergalm, anschließend rechts hinauf und auf dem Kamm zum Seebergkopf.
Beim Abstieg leitet eine Variante bei der Seebergalm westwärts über die Wiesen und schließlich durch Wald hinunter zu einem breiten Forstweg. Die Wanderer folgen diesem nach rechts und in einem weiten Linksbogen über die Klarer- zur Niederhoferalm. Hoch über dem Wackbach geht es nun an steilen Wiesenhängen ins Ursprungtal hinunter und links haltend am Bach entlang nach Bayrischzell zurück.
- Zirka 70 Kilometer Anfahrt von München über die A 8, Ausfahrt Weyarn, Miesbach und Schliersee nach Bayrischzell; per Zug mit der Bayerischen Regiobahn nach Bayrischzell und zu Fuß über Bahnhof-, Schlierseer- und Seebergstraße zum Ausgangspunkt der Tour.
- Gehzeit (rauf und runter) um die vier Stunden
- Höhendifferenz: knapp 750 Höhenmeter
- Einkehrmöglichkeit auf Tour in der historischen und urigen Niederhoferalm
Vier-Gipfel-Runde am Tegernsee von der Neureuth (1261 Meter) bis zum Riederstein (1207 Meter)

Das Verhältnis von Geh- zu Anfahrtszeit steht in diesem Fall bei Sechs zu Eins. Etwas Kondition sollten die Wanderer dafür mitbringen, wollen sie die große Runde oberhalb des Ostufers des Tegernsees über vier Gipfel – Neureuth (1261 Meter), Gindelalmschneid (1335 Meter), Baumgartenschneid (1448 Meter) und Riederstein (1207 Meter) – unternehmen. Die Sechs-Stunden-Tour ist damit abwechslungsreich und doch unschwer zu machen. Auf Forstwegen und Steigen geht es zwischen Tegern- und Schliersee im ständigen Auf und Ab voran.
Startpunkt ist Tegernsee. Wer mit dem Zug von München kommt, kann direkt oberhalb über den Treppenweg rechts von der Neureuthstraße ansteigen. Die ist einmal kurz zu überqueren, ehe es weiter am Westerhof vorbei aufwärts geht. Durch den Wald geht es nun etwa über den Sommerweg bis auf die freien Gipfelwiesen an der Neureuth. Im Berggasthaus könnten die Wanderer schon einkehren, doch noch liegt einiges an Wegstrecke vor ihnen. Relativ eben geht es nun durch Wald Richtung Gindelalmschneid. Der Aufstieg zweigt rechts ab, kurz nachdem wieder freies Almgelände erreicht ist. Oben angekommen ist auch ein Teil des Schliersees zu sehen.

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Weiter geht es erst bergab und wieder bergauf zur Kreuzbergalm. Nach einem kurzen Abstieg führt die Tour unter dem Kreuzbergköpfel vorbei durch Wald und schließlich auf die Baumgartenschneid. Der Gipfel ist der höchste Punkt der ausgedehnten Wanderung. Über den Riederstein mit seinem Kircherl auf markantem Felssporn geht es zum Galaun und über den Leeberghof nach Tegernsee zurück.
- Anfahrt von zirka 50 Kilometern mit dem Auto über die A 8, Ausfahrt Holzkirchen, und Gmund nach Tegernsee (Wanderparkplatz Neureuth über die Neureuthstraße den Berg hinauf); mit dem Zug von München mit der bayerischen Regiobahn nach Tegernsee.
- Gehzeit (rauf und runter) um die sechs Stunden
- Höhendifferenz: je 860 Höhenmeter bergauf und bergab
- Einkehrmöglichkeiten für unterwegs am Bergasthof Neureuth, der Gindel- sowie der Kreuzbergalm oder am Bergasthaus Riederstein am Galaun; in Tegernsee gibt es unter anderem noch das Bräustüberl.
Hochalm (1427 Meter) beim Sylvensteinspeicher

Der Gipfel der Hochalm mit seinen verfallenen Almgebäuden ist unscheinbar. Trotzdem bieten sich von der freien Wiese tolle Ausblicke in den Isarwinkel bei Lenggries und ins Vorkarwendel. Kürzer wäre es, direkt von Norden bei Hohenwiesen aufzusteigen. Vorzuziehen ist aber am Wanderparkplatz an der Bundesstraße 307 nahe dem Sylvensteinspeicher an der Südseite zu beginnen.
Von dort führt die Tour über einen breiten Forstweg bergauf, ehe es ein kurzes Stück durch Wald geht, der Weg schmaler wird und in Serpentinen die Holleialm erreicht. Von dort geht es weiter an der Westflanke des Brunstlahnerkopfs bis oberhalb der Mitterhütte. Jetzt beginnt der Endspurt zum Gipfel. Ganz oben erwartet die Wanderer eine weite freie Gipfelwiese.
- Anfahrt von etwa 85 Kilometern mit dem Auto von München über die A 95, Ausfahrt Wolfratshausen, und weiter über Geretsried, Bad Tölz und Lenggries bis zum Wanderparkplatz Hochalm an der B 307 Richtung Tiroler Grenze.
- Gehzeit (rauf und runter): etwa dreieinhalb Stunden
- Höhendifferenz: 670 Meter
- Einkehrmöglichkeit im Gasthaus Payprer mit bayerisch-thailändischer Küche im Lenggrieser Ortsteil Fleck
Tölzer Hütte (1825 Meter) am Schafreuter (2102 Meter)

Der Schafreuter mit seiner langgezogenen markanten Gipfelflanke ist wohl der Parade-Skitourenberg im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Gerade zum Saisonstart im Frühjahr ist die Tölzer Hütte ein lohnendes Ziel, auch wenn es für die Tour schon etwas weiter hinein ins Gebirge geht. Dafür erwarten die Wanderer traumhafte Ausblicke ins Karwendel. Wer Glück hat und sich ruhig verhält, kann auch etwa am Kälbereck Gämsen beobachten, die in den noch vorhandenen Schneeresten Abkühlung suchen.
Die kürzeste Route zur Tölzer Hütte und auf den Schafreuter ist der Leckbachweg. Etwas länger und noch etwas abwechslungsreicher ist der Aufstieg von der Oswaldhütte an der Straße zwischen Vorder- und Hinterriss. Vom Parkplatz geht es ein Stück nordwärts und dann auf einem Steig bergwärts bis zur Moosenalm. Die Route quert nun nach rechts in die Westflanke des Schafreuter. Wer will, kann kurz vor dem Kälbereck der Beschilderung zum Gipfel des Schafreuter folgen. Wer weitergeht, trifft auf einen breiten, freien Wiesenrücken mit ungehindertem Blick zu den Felszacken des Karwendel im Süden. Am Absatz ist schon die Tölzer Hütte zu sehen. Ein kurzer Abstieg folgt, bei dem im Frühjahr auch noch Schnee liegen kann.
- Anfahrt mit um die 90 Kilometern von München über die A 95, Ausfahrt Wolfratshausen, über Geretsried und Bad Tölz, nach Lenggries und Vorderriss
- Gehzeit (rauf und runter): von der Oswaldhütte etwa fünf Stunden
- Höhendifferenz: 1000 Meter
- Einkehrmöglichkeit in der Tölzer Hütte, öffnet gegen Mitte Mai

