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75. Jahrestag:Weiße Fahnen erinnern an Befreiung Münchens

Weiße Fahnen zum Tag der Befreiung

Zum Jahrestag der Befreiung vor 75 Jahren wehen auf dem Marienplatz weiße Fahnen.

(Foto: Florian Peljak)

Alle Gedenkveranstaltungen sind wegen des Coronavirus abgesagt. Zwei Künstlern gelingt es dennoch, den 30. April 1945 zu würdigen.

Es braucht Wind. Erst dann wird auf dem Marienplatz sichtbar, welcher Tag der 30. April ist. Erst dann entfalten sich die 14 weißen Fahnen mit der Aufschrift "Tag der Befreiung". Zusammen mit den beiden US-Flaggen an der Rathausfassade erinnern sie an jenen Tag 1945, an dem die Amerikaner in München einmarschierten und die NS-Herrschaft beendeten.

75 Jahre später wehen in Würdigung dieses Tages erstmals vor Dutzenden öffentlichen Gebäuden in München weiße Fahnen. Auch vor der Staatskanzlei und am Landtag, an der Musikhochschule oder am Haus der Kunst, beides Nazi-Bauten.

Dem Künstler Wolfram Kastner und dem Grafikdesigner Michael Wladarsch gelingt es so, obwohl alle Gedenkveranstaltungen abgesagt sind, an den Tag der Befreiung zu erinnern. Das Kulturreferat fördert die Aktion finanziell.

Für sehr viele Deutsche sei der 30. April 1945 ein Tag der Niederlage gewesen, sagt Kastner am Donnerstag vor dem Rathaus, während etwas Wind aufkommt. Die Bundesrepublik aber stehe in der Tradition derer, die im Ende des NS-Terrors eine Befreiung sahen und sehen.

Wladarsch ruft alle Bürger dazu auf, "für die Freiheit täglich zu kämpfen". Er freue sich, sagt er, wenn bis zum 8. Mai, dem Tag der Kapitulation 1945, viele Münchner aus ihren Fenstern weiße Tücher hängen.

© SZ.de/amm
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