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Freizeit in München:Die Idee hinter den Beerencafés kann nur im Sinne der Stadt sein

Beerencafé

Das Beerencafé in Lochhausen aus der Luft gesehen.

(Foto: oh)

Eine erstaunlich große Zahl von Bürgern begehrt gegen den Beschluss der Lokalbaukommission auf, das Geschäftsmodell einzuschränken. Die harsche Entscheidung scheint rechtens zu sein. Aber ist sie auch richtig?

Was ist recht und was ist richtig in einer Gesellschaft, die tagtäglich ihre Konflikte austrägt? In einer Stadt, in der sich Mieter ärgern, aus Wohnungen vertrieben zu werden, weil der Eigentümer sein Recht auf eine Mieterhöhung durchzusetzen weiß. In der im unklaren Binnen-Verhältnis zwischen einem Investor und einer Baufirma ein altes Siedlungshäuschen plattgemacht werden kann, ohne dass städtische Sanktionen zunächst durchsetzbar sind - mit entsprechenden Folgen für das (gestörte) Rechtsempfinden vieler Münchner.

Nun begehrt eine erstaunlich große Zahl an Bürgern, Kunden und Besuchern gegen eine Entscheidung der Lokalbaukommission auf, die zumindest auf den ersten Blick rechtens zu sein scheint. Ein Gewerbetreibender hat an mehreren Standorten am Rande der Stadt Geschäfte gemacht aufgrund von Rahmenbedingungen, die dies offenkundig nicht gestatten. Da kann man nicht kritisieren, dass die Wächter über Münchens Grundstücke und deren Nutzung eingeschritten sind, wie man dies von ihnen erwarten darf. Aber ist ihre harsche Reaktion auf ein so erfolgreiches wie beliebtes Geschäftsmodell auch richtig?

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Die Frage drängt sich zumindest auf, denkt man etwa an das so ambitioniert von der gleichen Behörde vorangetriebene Grüngürtelprogramm, in dem Münchner Bauern ermutigt und gefördert wurden, regionale Produkte anzubauen, diese regional zu vermarkten und die Städter an diese Seite der Versorgungskette immer wieder heranzuführen. Hat die Familie, die die Beerencafés betreibt, denn anderes getan?

Immerhin hat die Aufregung der vergangenen Tage offenkundig dazu beigetragen, dass die rasche Untersagung vom Tisch ist. Bis zum Saisonende kann vorerst weiter geerntet und gespielt, gestreichelt und geplanscht werden. Über den Winter sollten sich die Beteiligten nun zusammensetzen und die Optionen erörtern. Freilich muss die planungsrechtliche Fehlnutzung vom Tisch.

Schwarz-Bewirtung geht ebenso wenig an wie Schwarzbauten oder Schwarzarbeit. Aber die hinter dem Projekt steckende Idee, dem Stadtbewohner den Bezug zur Landwirtschaft, zum Boden und seinen Feldfrüchten zu erhalten, kann nur im Sinne der Stadt sein. Wenn dazu Nutzungsänderungen sinnvoll und planerisch umsetzbar sind, sollten sie erfolgen. Dann wäre auch rechtens, was richtig ist.