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Wohnen in München: Die Bayernkaserne wird recycelt

Das Abbruchmaterial aus der Baufeldfreimachung der Kaserne wird zu neuem Baumaterial verarbeitet.

(Foto: Robert Haas)
  • Große Teile der Bayernkaserne im Norden von München werden derzeit abgerissen.
  • Die Stadt will den Bauschutt des 48 Hektar großen Areals wiederverwenden, denn das spart nicht nur Ressourcen und Transportwege, sondern auch Geld.
  • Momentan werden in den Baracken noch Flüchtlinge und Obdachlose untergebracht.

Die Granaten werden als Erstes aussortiert. Hans-Ulrich Möbius schaut hinüber zu dem Wall, hinter dem ein großer Bagger steht. Hinter dem ein großer Haufen Schutt liegt. Er trägt eine Warnweste, wie man das auf Baustellen so macht, auch wenn Möbius ein anderes Wort mittlerweile noch passender findet: "Das ist jetzt alles ein großer Steinbruch." Ein Steinbruch mitten in der Stadt.

Möbius steht vor dem Haus mit der Nummer 58, auch das wird bald abgerissen. Er und sein Team haben den Putz abgeschlagen, werden die Ziegel abtragen. Das Dach abreißen, dann die Wände. Hans-Ulrich Möbius ist der technische Leiter der Baustelle, also des Steinbruchs, und reißt in dieser Stadt gerade ein ganzes Gelände ab. 48 Hektar, auf denen man durchaus einmal eine alte Granate finden kann.

Wohnen in München Was die Stadt in Freimann anders macht als in anderen Neubaugebieten
Wohnen in München

Was die Stadt in Freimann anders macht als in anderen Neubaugebieten

15 000 Menschen sollen im neuen Stadtviertel auf dem Areal der Bayernkaserne einmal wohnen. Sie sollen davon profitieren, dass die Stadt aus den Erfahrungen gelernt hat.   Von Sebastian Krass

Auf dem Gelände der Bayernkaserne im Norden von München stationierten die Nazis ihre Flugabwehrkanonen, nach Ende des Zweiten Weltkrieges übernahm die amerikanische Armee, danach die Bundeswehr. Heute bringt die Stadt Flüchtlinge in den Baracken unter, und Obdachlose. In den kommenden Jahren aber soll in der Gegend ein neuer Stadtteil mit tausenden Wohnungen entstehen, und wenn es nach dem Kommunalreferat geht, wird das Viertel teils aus dem Schutt der Kaserne gebaut, den Möbius vor dem Haus so gut im Blick hat.

Die Chefin des Referats, Kristina Frank von der CSU, stellte die Pläne am Dienstag vor, im September muss der Kommunalausschuss noch darüber debattieren. Es ist nicht allzu wahrscheinlich, dass die Politikerinnen und Politiker viel dagegen haben werden, der Bauschutt soll nicht nur Ressourcen und Transportwege sparen, sondern vor allem auch viel Geld: Die recycelten Materialien sollen den ersten Schätzungen zufolge etwa zehn Millionen Euro einsparen.

Der Baggerfahrer neben dem Haus mit der Nummer 58 zieht aus dem Schutt die großen Teile heraus, die Scheibe ist mit Panzerglas gesichert, falls doch einmal eine alte Waffe explodieren sollte. Der Schutt kommt dann in den Trichter einer Maschine, die den alten Beton bricht. Ein Magnet zieht die Metalle heraus, für den Schutt geht es zum nächsten Trichter, wo der alten Beton mit Wasser und Zement zu neuem gemischt wird. Am Ende wird der Beton in einen Kasten gefüllt, einem Legostein ähnlich - und kann, wenn er kalt ist, verbaut werden. Insgesamt 200 000 Tonnen alter, neuer Beton sollen zusammenkommen. Aus dem Schutt will man 200 000 Tonnen Pflanzenerde gewinnen, und 200 000 Tonnen für den Straßenbau. Trotzdem macht das nur etwa die Hälfte allen Schutts aus. Die andere Hälfte muss noch immer entsorgt werden, wegen Asbest, wegen anderer Schadstoffe oder einfach wegen zu schlechter Qualität.

Möbius läuft vor zum Hauseingang, außer den Arbeitern darf niemand mehr hinein. An den Wänden sind die Ziegel zu sehen, an der Tür aber hängt noch immer ein Schild, das vor dem bissigen Hund warnt. Auch die Satellitenschüssel ist noch nicht abgeschraubt. Die ersten sechs, sieben Gebäude haben Möbius und sein Team abgerissen, haben bis zu zwei Meter tief in die Erde gegraben, um alte Rohre für das Abwasser herauszuholen. Ob schon einmal ein altes Teil explodiert sei? Hans-Ulrich Möbius schüttelt den Kopf. Aber immerhin: Ein verrostetes Motorrad habe man gefunden.