Seit Freitag ist es also durch: Das bisherige Stadttheater Regensburg ist nun Staatstheater. Das Mehrspartenhaus ist das sechste Staatstheater in Bayern. Bislang trugen diesen prestigeträchtigen Titel lediglich die Bayerische Staatsoper, das Münchner Residenztheater, das Gärtnerplatztheater sowie die Mehrspartenhäuser in Nürnberg und Augsburg. Die Erhebung ist mit der finanziellen Förderung durch den Freistaat verbunden, demnächst sollen die Gelder zu gleichen Teilen von der Stadt und dem Freistaat fließen. Mit zwölf Millionen Euro lag die Landesbeteiligung 2024/25 bereits bei 42 Prozent.
Natürlich wurde am Freitag, 8. Mai, die Ernennung mit einem Festakt gefeiert. Umso passender, dass Regensburg in diesem Jahr auch die Bayerischen Theatertage ausrichtet, die am selben Tag eröffnet wurden. Bis zum 25. Mai werden bei der 40. Leistungsschau der bayerischen Theaterlandschaft 26 Produktionen zu sehen sein. Unter dem Motto „Vielfalt leben“, unter dem sich ja so einiges versammeln lässt, hat die Fachjury ein schönes Programm zusammengestellt, das von Schauspiel- und Musiktheater über Performance und Tanz bis zu Digitaltheater reicht.


Gezeigt wird beispielsweise „Kafkas Erzählungen“, die poetische Inszenierung vom E.T.A.-Hoffmann-Theater in Bamberg, mit der sich Autor und Dramaturg John von Düffel als Intendant einführte. Ebenfalls einen vielversprechenden Neuanfang mit Intendantin Jasmin Meindl gab es am Landestheater Dinkelsbühl: Von dort ist die Eröffnungsproduktion „Die Erbschaft“ eingeladen.
Kleinere Produktionen finden ebenfalls ihren Platz, beispielsweise „Bilder deiner großen Liebe“ nach Wolfgang Herrndorf vom Theater Wasserburg, inszeniert von Annett Segerer. Im Programm der Theatertage steht auch die hervorragende Arbeit „Oder kann das weg“ von Serge Okunev, die er an der Theaterakademie August Everding entwickelt hat. Der junge Regisseur arbeitet darin ebenso lustig wie klug seinen eigenen Militärdienst in Russland auf und verbindet diese Geschichte mit der zweischneidigen Filmkarriere von Hamir Ssemwogerere aus Uganda. Die beiden spielen sich auf der Bühne die Bälle zu, dass es eine Freude ist.
Im Theatertage-Programm sind neben den genannten einige andere Entdeckungen zu machen. Und überhaupt ist es eine schöne Geste, dass sich das neue Regensburger Staatstheater erst einmal für die Idee „Vielfalt leben“ und für Inszenierungen quer durch ganz Bayern öffnet.
Nicht nur durch quer durch Bayern, sondern durch die gesamte Republik reist parallel die prominent besetzte Lesung Die Unmöglichen, die am Freitag, 15. Mai, auch in der Münchner Isarphilharmonie Station macht. Hier war sie in andere Besetzung 2021 schon zu hören. Nun werden unter anderem Meret Becker, Devid Striesow und Thomas Loibl auf der Bühne stehen. Thema von „Die Unmöglichen“ ist die pränatale Diagnostik.

Eine Reise durch Deutschland hat auch „Enjoy Schatz“ hinter sich. An der Schaubühne Berlin im Studio kam zunächst eine Bühnenbearbeitung des Romans der Münchner Autorin Jovana Reisinger heraus. Das Studio ist mittlerweile wegen der Sparmaßnahmen geschlossen. Enjoy Schatz wandert nun an die Münchner Kammerspiele, wo Nadège Meta Kanku gemeinsam mit Reisinger „die Erschaffung der Schriftstellerin durch sich selbst über vier Jahreszeiten hinweg“ verfolgt. Premiere ist am Donnerstag, 28. Mai.
Die Reise klingt auch bei der bevorstehenden Volkstheater-Premiere am Donnerstag, 21. Mai, an. Der blinde Passagier so der Titel des erst kürzlich veröffentlichten Dramas von Maria Lazar. Das Stück entstand Ende der Dreißigerjahre im dänischen Exil. Darin geht es um die Flucht vor den Nationalsozialisten und die Frage, wie weit man geht, um das Leben eines Fremden zu retten. Regie führt Adrian Figueroa.
Übrigens: Während für Regensburg eine neue Zeit mit Staatstheater beginnt, endet in Ingolstadt am 31. Mai eine Ära: An diesem Tag wird auf längere Sicht mit Kasimir und Karoline die letzte Theatervorstellung im Hämer-Bau zu sehen sein. Von einer Fördersumme, wie sie Ministerpräsident Markus Söder und Kunstminister Markus Blume in Regensburg zugesagt haben, werden die Ingolstädter vermutlich träumen.

