Was läuft im Theater?Bertolt Brecht bleibt beliebt

Lesezeit: 2 Min.

Bertolt Brecht wurde am 10. Februar 1898 in Augsburg geboren. Um seinen Geburtstag herum kommen einige seiner Stücke auf die Bühnen.
Bertolt Brecht wurde am 10. Februar 1898 in Augsburg geboren. Um seinen Geburtstag herum kommen einige seiner Stücke auf die Bühnen. B3573 Jörg Kolbe

Die „Dreigroschenoper“ in Augsburg, „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ im Münchner Volkstheater – zusätzlich zu Stücken von Bertolt Brecht gibt es auch Unerwartetes auf den bayerischen Bühnen, etwa einen „Winnetou“ in Ingolstadt.

Von Yvonne Poppek

Angesichts der langen Jahre des Wartens dauert es jetzt nicht mehr lang. Nur noch etwas mehr als zehn Monate – und dann sind die meisten Werke von Bertolt Brecht gemeinfrei. Dann dürfen sie für Inszenierungen nach Lust und Laune geändert werden, es darf Fremdtext dazu, das Spiel wird ein freieres sein. Bertolt Brecht starb am 14. August 1956, am 1. Januar 2027 erlischt das Urheberrecht an seinen Werken, soweit nicht andere, später verstorbene Künstler an ihnen beteiligt waren.

Theaterskandale wie jener um Frank Castorfs „Baal“-Inszenierung dürfte es dann nicht mehr geben. Gegen die „nicht-autorisierte Bearbeitung“, die am Residenztheater 2015 herauskam und zum Theatertreffen eingeladen wurde, schritt der Suhrkamp-Verlag damals ein. Es kam zur Gerichtsverhandlung, am Ende durfte die Inszenierung noch zweimal gezeigt werden. Ein solches Gezerre ist von Januar 2027 an bei vielen Werken nicht mehr zu erwarten.

Was läuft im Tanz
:Tanz mit Triggerwarnung

Bodytalk lädt in den nicht jugendfreien „Hostclub“ im Schwere Reiter, Geisterbeschwörung in Nürnberg, und in Augsburg kommt Mozarts „Requiem“ in Bewegung.

Von Jutta Czeguhn

Obwohl die Zeit bis dahin nicht lang ist, gibt es vorher keine Brecht-freie Theaterzeit. Im Gegenteil. In Ingolstadt wird Antigone Akgün das frühe Drama Im Dickicht der Städte im kleinen Haus des Stadttheaters inszenieren (Premiere: 13.2.). Die erste Fassung „Im Dickicht“ zeigte Brecht übrigens im Residenztheater, es gab einen Skandal – aber eben einen anderen als einer um zu viel Fremdtext.

Ebenfalls einen Brecht-Text – Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui – hat sich Christian Stückl für seine zweite Inszenierung in dieser Spielzeit am Münchner Volkstheater ausgesucht (Premiere: 19.3.). Und dann gibt es noch das alljährliche Augsburger Brechtfestival. Jedes Jahr im Februar, meistens um Brechts Geburtstag am 10. des Monats, ehrt ihn seine Geburtsstadt. Diesmal gehen die Feierlichkeiten etwas später los, und zwar am 27. Februar. Mit einem Brecht-Stück.

Regisseurin Sapir Heller wird die Dreigroschenoper inszenieren. Bei diesem Stück hätte sich auch ein Jahr Warten nicht gelohnt: Weil Elisabeth Hauptmann beteiligt war, ist das Werk noch bis Ende 2043 urheberrechtlich geschützt. Auf Sapir Hellers Zugriff darf man trotzdem gespannt sein. Sie ist eine Regisseurin, die am Münchner Volkstheater schon mehrfach eindrucksvolle Arbeiten gezeigt hat. Eine davon war die deutschsprachige Erstaufführung des ausgezeichneten Dramas „Amsterdam“.

Das Stück von Maya Arad Yasur beginnt mit einem Brief. Eine in Amsterdam lebende Israelin erhält eine Gasrechnung für ihre Wohnung, die seit 1944 nicht beglichen wurde. Das ist der Ausgangspunkt für Recherchen zurück in die NS-Geschichte und zur eigenen Identität. Auf der Brechtbühne in Augsburg wird nun Simone Geyer Amsterdam inszenieren, Premiere ist am 14. Februar.

Aleksandra Matlingiewicz ist eine von vier wandelbaren Performerinnen in „Wood Wood Wood – Nothing’s ever good“.
Aleksandra Matlingiewicz ist eine von vier wandelbaren Performerinnen in „Wood Wood Wood – Nothing’s ever good“. Sven Zellner

Für all jene, die ein Brecht-Reiz eher am Theaterbesuch hindert, gibt es Mitte Februar freilich reichlich Alternativen. Hier seien ein paar genannt: Das Stadttheater Ingolstadt bringt Winnetou V heraus, eine Uraufführung von Kieran Joel mit und gegen Karl May (14.2.). Der dritte Schauspieljahrgang der Otto-Falckenberg-Schule zeigt sich am selben Tag in München mit dem Tschechow-Best-of Anna, Mascha und Julia in der Therese-Giehse-Halle, Regie führt Lizzy Timmers.

Das Ende der darauffolgenden Woche ist in München auch theaterstark: Am Donnerstag, 19. Februar, wird es die neue Inszenierung von Jochen Schölch am Metropoltheater geben, Mittwinter der britischen Dramatikerin von Zinnie Harris, ein Familiendrama in der Zeit zwischen zwei Kriegen. Parallel zeigt Regie-Student Ruben Müller seine Abschlussarbeit Mitleidsprotokoll im Werkraum der Kammerspiele. Die Collage aus Texten von Hervé Guibert ist auch zum Körber Studio eingeladen.

Und wer im vergangenen Sommer Christiane Hubers Performance Wood Wood Wood – Nothing’s Ever Good verpasst hat, der hat die Chance auf zwei Termine im Theater HochX in der Münchner Entenbachstraße. Am 20. und 21. Februar wird die Geschichte von Krieg und Vertreibung und deren Wiederkehr sehr nahbar gemacht anhand des Białowieża-Urwalds im Grenzgebiet von Polen und Belarus. Es ist viel, was man hier erfährt, und so erzählerisch umgesetzt, dass es einem noch lange im Gedächtnis bleibt.

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version wurde fälschlicherweise Kurt Weill genannt im Zusammenhang mit den Urheberrechten von der „Dreigroschenoper“. Richtig ist Elisabeth Hauptmann.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Trend in der Klassikwelt
:Immer mehr Tattoos auf der Opernbühne

Für Startenor Pavol Breslik sind seine Tattoos „eine Art Droge“. Er trägt sie am ganzen Körper und ist bei Weitem nicht der einzige Tätowierte auf den Opernbühnen. Doch manchmal bringt die Körperkunst auch so ihre Probleme.

SZ PlusVon Jutta Czeguhn

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: