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Innenministerium:Regieren in bester Lage

Linde am Oberanger, Klosterhofstraße 1

Noch prangt das Firmenlogo am Eingang der Linde-Zentrale am Oberanger, doch drinnen werden schon die Umzugskisten gepackt.

(Foto: Florian Peljak)

Das bayerische Innenministerium mietet die ehemalige Zentrale des Dax-Konzerns Linde. 300 Beschäftigte sollen am Oberanger künftig arbeiten. Und der Mietpreis? Darüber schweigt das Ministerium.

Noch steht vor dem Eingang eine Tafel mit dem Logo der Firma und dem Schriftzug Carl-von-Linde-Haus. Aber wenn man von außen durch die Bürofenster schaut, sieht man schon abgehängte Bilder und Umzugskisten. Der Wegzug des Münchner Traditionsunternehmens Linde aus der Innenstadt ist in vollem Gange. Und nun gibt es für die bisherige Zentrale des Dax-Konzerns am Oberanger auch einen neuen Mieter: das bayerische Innenministerium.

Eine Sprecherin bestätigte, dass die Behörde die frei werdenden Räumlichkeiten übernimmt - und damit eine hoch attraktive, aber angesichts des überhitzten Münchner Büromarktes auch kostspielige Immobilie. "Voraussichtlich knapp 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter" sollen nach derzeitiger Planung im Juli 2020 am Oberanger zusammengezogen werden, erklärt die Ministeriumssprecherin. Man werde "den überwiegenden Teil der von Linde genutzten Büroflächen übernehmen". Die Zentrale des Hauses von Minister Joachim Herrmann bleibt am Odeonsplatz.

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Der Gaseanbieter und Anlagenbauer Linde zieht sich nach der Fusion mit dem US-Konkurrenten Praxair, die nach Medienberichten mit einem Abbau von hunderten Stellen einhergeht, an den Standort Höllriegelskreuth zurück. Linde hatte das vom Architekturbüro Otto Steidle und Partner (heute Steidle Architekten) entworfene Gebäude am Oberanger, das ein Parkhaus ersetzte, mit der Fertigstellung im Jahr 2008 bezogen. In dem Komplex nahe dem jüdischen Gemeindezentrum am St.-Jakobs-Platz sind auch edle Wohnungen und ein Steakhaus untergebracht.

Über die Größe der angemieteten Fläche und die Kosten dafür macht die Sprecherin des Innenministeriums keine genauen Angaben, "weil es sich dabei auch um Geschäftsdaten der Vermieterin handelt". Die Mietkosten seien "ortsüblich". Die Haushaltsmittel dafür stünden zur Verfügung, zudem betont sie: "Der Haushaltsausschuss des Bayerischen Landtags war in die Entscheidung eingebunden." Vermieter ist offenbar das aus Augsburg stammende, international tätige Immobilienunternehmen Patrizia. Eine Sprecherin erklärt auf Anfrage, man könne "zum Thema Linde- Zentrale keine weiteren Informationen geben".

Die Neuvermietung am Oberanger ist auch deshalb bemerkenswert, weil eine solche Bürofläche nur sehr selten auf den Markt kommt. Gerade im Münchner Zentrum sei der Markt "praktisch leergefegt", berichtet das Immobilienberatungsunternehmen Colliers. Stadtweit decken der Bestand und die Neubauprojekte den Bedarf bei Weitem nicht. Die Folge sind Mieten, die noch rasanter steigen als Wohnmieten. Die durchschnittliche Büromiete im Stadtgebiet lag nach einer Erhebung von Colliers im ersten Quartal 2019 bei 21,10 Euro pro Quadratmeter - und damit zehn Prozent über dem Vorjahreswert. In der Altstadt sind es 29 Euro, bei einem Leerstand von 0,4 Prozent. Zur Einordnung ein grobes Rechenbeispiel auf der Basis der bekannten Werte: Geht man bei 300 Mitarbeitern von einer Fläche von etwa zwölf Quadratmetern pro Mitarbeiter aus, dann läge die monatliche Miete bei gut 100 000 Euro - oder gut 300 Euro pro Mitarbeiter.

Das Ministerium erklärt, man habe mehr als eineinhalb Jahre nach einem Ort gesucht, um Mitarbeiter, die auf vier Standorte verteilt sind, zusammenzuziehen. Die bisherigen Standorte seien teils ebenfalls angemietet oder sanierungsbedürftig und in der Summe zu klein, so die Sprecherin. Zudem muss das Innenministerium ein Gebäude am Franz-Josef-Strauß-Ring für das Bauministerium räumen.

"Mit zunehmender Zahl der Standorte und deren Entfernung vom Hauptstandort nimmt die Schwierigkeit zu, effizient zusammenzuarbeiten", heißt es. Deshalb habe man einen Ort gesucht, der möglichst nicht mehr als zwei Kilometer vom Odeonsplatz entfernt liegt, auch um Zeit und Kosten für den Transport von Personal und Unterlagen zu sparen. Verfügbare staatseigene Immobilien habe es dafür nicht gegeben. Überlegungen, selbst neu zu bauen, hätten sich "als kurzfristig nicht realisierbar erwiesen", sie würden aber "weiter verfolgt".

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