Beim Kamin kommen Melanie und Moritz ins Überlegen. Brauchen sie nicht wirklich für das, was sie bald vorhaben, aber irgendwie witzig sieht das Ding schon aus. Auch wenn es kein echter Kamin ist, sondern einer mit Kabel dran, auch wenn unten drin maximal dekorativ echte Holzscheite liegen. „Der ist schon toll“, sagt Moritz, ein junger Mann mit Schnauzbart und Wollmütze auf dem Kopf, „vielleicht kann man den noch ein bissl zurecht sägen“. Kann man, denn vom Material her ist dieses besondere Ausstellungsstück aus allem anderen als aus schön gemauertem Stein. Eine echte Fernseh-Requisite halt, die nur so tut, als ob. Davon gibt es in dieser etwas muffigen und lausig kalten Halle in Unterföhring jede Menge. Denn: Der Bayerische Rundfunk (BR) mistet aus.
Alles soll raus, heißt es in den Requisitenlagern in Unterföhring und Freimann, Stichwort Bestand reduzieren. Da aber nicht alles auf dem Sperrmüll landen soll, hat man sich mit restlos.com zusammengetan, einer Internet-Plattform für Verwertungen aus Industrie und Gewerbe.
Im vergangenen Jahr hatten deren Betreiber schon für den Südwestrundfunk (SWR) 5000 Stücke versteigert, Einrichtungsgegenstände aus „Tatort“, „Die Fallers“ und ähnlichem. „Das war vielleicht eine wilde Woche!“, erinnert sich ein Restlos-Mitarbeiter. In Unterföhring ist das Interesse dagegen überschaubar: 15 Leute haben sich online vorab zur Besichtigung angemeldet, gekommen sind letztlich nur sechs.
Rund 2000 Requisiten sowie Büromöbeln will der BR zu einem zweiten Leben verhelfen, sie ganz im Sinne der Nachhaltigkeit vor dem Wertstoffhof bewahren und zugleich seinen Zusehern und -hörern die Möglichkeit geben, sich ein Stück BR nach Hause zu holen. Noch bis kommenden Mittwoch kann online gesteigert werden, bis von 8.30 Uhr an dann die ersten Zuschläge erfolgen werden. Abholen muss man die Exponate natürlich selbst, was bei so manchem Posten durchaus eine Herausforderung sein könnte.
Der falsche Kamin zum Beispiel, für den sich Melanie und Moritz interessieren, passt sicher nicht in ein herkömmliches Auto. Auch die durchsichtige Badewanne aus Plexiglas, für die sie womöglich ebenfalls Verwendung hätten, kommt schon recht sperrig daher. „Die könnte man toll füllen“, sagt Melanie, mag aber noch nicht verraten, was genau da rein soll. Nur so viel: Es geht um eine Ladeneröffnung in Schwabing, eine Art Kreativraum. Regale, Stühle und Pflanzen brauchen sie dafür auch noch – da ist das Angebot schon hier groß und am anderen Standort in Freimann noch sehr viel größer. Dort lagert im Haus Iller ein Großteil der Büroeinrichtungen, die beim jüngsten Umzug des BR aussortiert wurden.
Dort dürften auch die beiden mittelalten Männer eher fündig werden, die für die Einrichtung eines Büros nach Stühlen, Schränken und Unterschränken Ausschau halten. Dass all die Gegenstände hier sozusagen schon mal im Fernsehen waren, spielt für sie keine Rolle. „Letztlich gehört das doch eh alles uns, ist doch alles Steuergeld, GEZ“, scherzt einer, „lass’ uns einfach alles mitnehmen“. Professionelle Handwerker könnten hier in der Tat gewaltige Schnäppchen machen, findet er: „Schau mal, wo sonst kriegst du denn so einen riesigen Wagen zum Transport für einen schmalen Euro? Da fehlt wahrscheinlich noch nicht mal Luft im Reifen.“



Viel Geld muss man zum Requisiten-Shopping wirklich nicht mitbringen. Der Großteil der Gebote liegt im einstelligen Bereich, nur das professionelle Gerüst draußen auf der Außenfläche wird derzeit mit 6200 Euro gehandelt, soll allerdings gut dreimal so viel wert sein, heißt es. Das wohl prominenteste Möbelstück der Auktion ist der Schreibtisch aus „Grünwalds Freitags-Comedy“ (15 Gebote, Höchstgebot derzeit 80 Euro), dem man seine TV-Karriere allerdings nicht wirklich ansieht, solange der gefeierte Kabarettist nicht dahinter sitzt und Witze reißt.
Gleiches gilt für die zahllosen Requisiten aus „Dahoam is dahoam“, dem „Komödienstadel“, die Couch aus „Wir in Bayern“, die Sitzgruppe aus dem Olympia-Studio in Sotschi von 2014 (elf Gebote, 105 Euro), für all die Uhren, Teddybären, Sitzecken, Wein- und Bierflaschen. 23 Gebote wurden für eine Deko-Blumenwand für 35 Euro abgegeben, vier für eine schnöde Ofenklappe (drei Euro), 31 für einen riesigen Brillenschrank aus „Dahoam is dahoam“ (155 Euro).
Ebenfalls im Angebot: ein Amboss für einen Euro, ein Friseur-Rückwärts-Waschbecken oder ein Hasenstall (jeweils noch ohne Gebot), zwei Melkschemel, drei Heizölkannen, Fahrräder, eins mit Triathlon-Lenker, Grabkreuze, Wäschemangel, faltbares Trampolin, Sägeblatt, Butterfass, zwei Paddel, ein Schaukelpferd, Langlaufski samt Schuhen, Zeitungsständer, Rollator, Gartentor und sogar ein Kleinkind-Töpfchen aus „Dahoam is dahoam“. Wer 280 sehr blaue Stühle für eine Saalbestuhlung braucht, muss derzeit 800 Euro löhnen, 38 Gerüstleitern sind noch für 480 Euro zu haben. Für einen WM-Fußball von 1994 samt Autogrammen (wirklich lesbar ist nur der Name Möller) werden derzeit satte 340 Euro geboten.
Während Moritz noch die Teppich-Sammlung durchsieht, ist Melanie an einem Klavier hängengeblieben, spielt versuchsweise ein paar Takte darauf. „Ich lerne gerade“, sagt die junge Frau, die auch beim Bayerischen Rundfunk arbeitet, „ab und zu leihe ich mir hier Kulisse aus für einen Dreh“. Und das Klavier? Tja. „Da hätte ich jetzt gern meinen Klavierlehrer dabei, der mir sagt, ob man das nochmal gescheit stimmen kann.“ Sie zückt das Handy, fotografiert das gute Stück und wird nochmal darüber nachdenken. Bis nächsten Mittwoch, spätestens.


