1,7 Millionen Euro teure SanierungZwischen Klassik und Moderne

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Das Hotel Bayerischer Hof hat sein historisches Palais Montgelas von Axel Vervoordt umfassend renovieren lassen

Von Franz Kotteder

Schön, dass eigentlich kaum etwas davon zu sehen ist: Hotel-Chefin Innegrit Volkhardt ist jedenfalls sehr zufrieden mit der umfangreichen Renovierung des Palais Montgelas, dem historischen südöstlichen Bereich des Luxushotels Bayerischer Hof am Promenadeplatz. Fast zwei Jahre hat die Generalüberholung des denkmalgeschützten Ensembles gedauert, stolze 1,7 Millionen Euro hat sie gekostet. Federführend war wieder der belgische Kunst- und Antiquitätenhändler sowie Interior Designer Axel Vervoordt tätig, der zuvor schon sechs unterschiedliche Bauprojekte im Bayerischen Hof betreut hat - vom Sternerestaurant Atelier bis zum Palaiskeller, einem ganzen Hoteltrakt inklusive Penthouse-Suite bis hin zum Kino.

Diesmal hat er sich sehr zurückgenommen. Bekannt ist er ja vor allem für seine warmen Erdtöne und die Verwendung zeitgenössischer Kunst, aber er sagt auch: "Wir wollten, dass die Räumlichkeiten erhalten bleiben, wie sie einst existiert haben." Zugleich sollte aber auch "eine Symbiose zwischen Moderne und Klassik" entstehen. Oder wie Innegrit Volkhardt es ausdrückt: "Gegenwart ist für Axel Vervoordt wie auch für mich die Mischung aus Vergangenheit und Zukunft." Es sei ihr und ihrem Leib- und-Magen-Designer darum gegangen, "die Vergangenheit gut zu behandeln und nicht zu zerstören". Axel Vervoordt habe die Fähigkeit, "in einem Raum das Kostbare herauszuarbeiten."

Im Falle des historischen Palais Montgelas, das der bayerische Außenminister Graf Maximilian von Montgelas 1811 vom portugiesischen Architekten Emanuel Joseph von Herigoyen umbauen ließ, bedeutet das: Vervoordt beschränkte sich im Wesentlichen darauf, die 14 Veranstaltungsräume im ersten und zweiten Stock des Gebäudes vor allem durch Boden- und Wandgestaltung sowie die Ausstattung mit Kunstwerken umzugestalten und alles, was nicht nötig war, zu entfernen. Nicht nur im repräsentativen Königssaal wurde der grünrosa Teppichboden entfernt und durch ein solides Parkett ersetzt, auch die diversen anderen Salons erhielten einen Holzfußboden. Die einzelnen Salons bekamen ein eigenes Farbkonzept. Wirklich ganz neu gestaltet ist die sogenannte "Bibliothek": Die dunkle, geschnitzte Eichenholzvertäfelung stammt aus einem Schloss an der Loire, im (einzigen) Regal des Raumes befindet sich vor allem eine sehr alte Ausgabe von Meyers Konversationslexikon. Dafür findet man an der einen Wand ein großes Porträt aus dem Barock. Der Mann darauf schaut etwas verschämt zur Seite, ihm gegenüber hängt ja auch ein weiblicher Rückenakt.

Überhaupt die Kunst: Axel Vervoordt hatte die Ansage erhalten, für die Kunstausstattung der Räume müsse er sich aus Kostengründen diesmal aus den Beständen des Hauses bedienen, und das tat er auch. "Er hat sich innerhalb eines Tages aus allen Gängen und Zimmern des Hauses das geholt, was er für die Umgestaltung brauchen konnte", erzählt Innegrit Volkhardt, "und jetzt sieht alles so aus, als ob die Bilder immer schon dort hingen. Er ist wie ein Zauberer!"

Axel Vervoordt ist mit seiner Leistung jedenfalls zufrieden. "Ich wollte die Schönheit des Einfachen und Unperfekten herausarbeiten", sagt er. Das ist gelungen, obwohl alles zugleich sehr edel aussieht. Aber das klappt wohl nur, wenn man zaubern kann.

© SZ vom 10.10.2020 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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