Süddeutsche Zeitung

Komödie im Bayerischen Hof:Thomas Pekny will Theaterchef bleiben

Nach seinem Freispruch im Missbrauchsprozess will der 69-Jährige weiterhin als Intendant der Komödie im Bayerischen Hof tätig sein. Das Geschäftsmodell aber wankt.

Von Barbara Hordych und René Hofmann

Die Nachricht kam einige Stunden nach dem Urteilsspruch. "Prof. Thomas Pekny wird nach dem heutigen Freispruch selbstverständlich seine Ämter weiterführen, das betrifft sowohl die Intendanz als auch die Geschäftsführung der Theaterbetriebe Margit Bönisch GmbH", teilte die Firma am Mittwochabend mit, die unter anderem die Komödie im Hotel Bayerischer Hof betreibt. Vor dem Landgericht München I war gegen Pekny, 69, wegen sexuellen Missbrauchs verhandelt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte ihm vorgeworfen, 2015 und 2016 drei betrunkene Frauen vom Oktoberfest in die Proberäume des Theaters gebracht und dort, während sie schliefen, gegen ihren Willen intime Fotos und Videos aufgenommen zu haben. Der Vorsitzende Richter sprach Pekny frei, stellte aber klar: Dies sei "kein Beweis der Unschuld. Die Kammer hatte aber Zweifel, die eine Verurteilung nicht zuließen".

Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen Revision eingelegt. Die Solidaritätsbekundung der Firma ist keine Überraschung: Laut Handelsregistereintrag ist Pekny alleiniger Gesellschafter der GmbH. Für das Hotel Bayerischer Hof, in dem das Privattheater untergebracht ist, gab Direktorin Innegrit Volkhardt am Donnerstag nur ein kurzes Statement ab: "Ich muss Herrn Pekny vertrauen, auch wenn ich die persönliche Entwicklung sehr bedauere". Die Schauspielerin Saskia Vester, die im Winter im Stück "Willkommen bei den Hartmanns" in Peknys Theater auftreten soll, ließ über ihre Agentur mitteilen, dass sie sich nicht äußere. Ebenfalls keine Äußerung gab es auf SZ-Anfrage von Michael von Au, der demnächst mit "Schwiegermutter und andere Bosheiten" auf der Sommerbühne der Komödie in Thalkirchen zu sehen sein soll.

Einer aber positionierte sich klar: Regisseur und Schauspieler Pascal Breuer, der ebenfalls für das Schwiegermutterstück vorgesehen ist. "Hiermit distanziere ich mich privat wie beruflich von der Person Thomas Pekny. Nach Darlegung aller Ereignisse und Fakten ist für mich persönlich nicht mehr von einer moralischen Unschuld zu sprechen unabhängig von der gesetzlichen ,Recht'-Sprechung", so Breuer via Facebook. Weil es um den Erhalt des Theaters und seiner vielen Mitarbeiter gehe, werde er seine vertraglichen Verpflichtungen für noch acht Vorstellungen und eine Tournee erfüllen, aber keine weiteren Verträge mit Pekny eingehen, so Breuer: "Ich könnte nicht mehr ruhigen Gewissens für diesen Mann öffentlich tätig werden geschweige denn für oder mit ihm in irgendwelche Kameras grinsen." Die Frage, wer das noch schafft, wird sich bald klären. Hinter den Kulissen soll es eindeutige Absetzungsbewegungen geben.

Die Komödie, mit 570 Plätzen immerhin die drittgrößte Sprechbühne in München, ist ein nicht subventioniertes Privattheater. Es setzt auf Boulevardstücke. Als Intendantin fungierte von 1992 bis Januar 2016 Margit Bönisch. Nachdem diese zwei Tage vor ihrem 74. Geburtstag nach einer verschleppten Bronchitis einen Schwächeanfall erlitt und überraschend starb, übernahm ihr Lebensgefährte Pekny die Geschäftsführung und die Intendanz.

Besetzt sind die Stücke, um Publikum zu locken, mit prominenten Schauspiel- und Fernseh-Größen: In der jüngeren Vergangenheit traten Jürgen Prochnow, Mathieu Carrière, Heiner Lauterbach, Hugo Egon Balder, Jochen Busse, Billie Zöckler, Simone Rethel, Michaela May, Jutta Speidel, Hans-Jürgen Bäumler, Horst Janson oder Christian Wolff in der Komödie auf. Die drei Letztgenannten in einem Stück mit dem sprechenden Titel "Kerle im Herbst", das häufig ausverkauft war und den Erfolg und den Charakter des Hauses beispielhaft zeigte: Silbergrau war hier eine gern gesehene Farbe - vor und auf der Bühne, wo auch häufig Liebesreigen inszeniert wurden. Vor gut zwei Jahren etwa gab Heiner Lauterbach mit seiner Ex-Frau Dominique Lorenz sehr selbstironisch ein anderweitig verheiratetes Liebespaar, das in "Jahre später, gleiche Zeit", im Zuge seiner Jahrzehnte überdauernden Affäre immer wieder aufeinandertraf.

Die Stücke wurden nicht nur im Bayerischen Hof aufgeführt. Angeschlossen ist auch das Unternehmen "Münchner Tournee", das die Werke oft noch für viele Monate auf Reisen schickt, unter anderem ins Theater an der Kö in Düsseldorf oder das Theater am Dom in Köln. So bekannte beispielsweise Billie Zöckler, populär geworden als Sekretärin Edda in Helmut Dietls Kultserie "Kir Royal", vor drei Jahren ganz offen in einem Interview, dass das Engagement in der Komödie mit anschließender Tournee-Verpflichtung auf zwei Jahre für sie eine finanzielle Rettung gewesen sei.

Bei der Zusammenarbeit wird es auch zukünftig bleiben, hat jetzt René Heinersdorff, Vorsitzender der Privattheater im Deutschen Bühnenverein und Chef der genannten Häuser in Düsseldorf und Köln entschieden: "Auch wenn ich Thomas Peknys Verhalten in diesem Fall nicht sehr appetitlich finde und wie er selber für unentschuldbar halte, ist für mich entscheidend, dass er keine innerbetrieblichen Hierarchien ausgenutzt hat; die vor Gericht verhandelten Vorfälle fanden außerhalb des Theaters statt, so dass ich verantworten kann, dass Schauspielerinnen auch weiterhin dort auftreten", lässt er wissen.

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SZ vom 30.07.2021/syn
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