„Jazz Sommer“ im Bayerischen HofEin Festival der Stimmen

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Mit Dee Dee Bridgewater eröffnet dieses Jahr der Jazz Sommer im Bayerischen Hof.
Mit Dee Dee Bridgewater eröffnet dieses Jahr der Jazz Sommer im Bayerischen Hof.
Kimberly M. Wang

Der „Jazz Sommer“ im Bayerischen Hof hat das ursprünglichste Instrument zum Thema: die Stimme. Ein Stargast wie Sängerin Dee Dee Bridgewater zieht das Publikum ganz unmittelbar in ihren Bann.

Von Ralf Dombrowski

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Die Hitze ist ein Thema, im Jazzclub Unterfahrt schon lange. Eigentlich wird seit dem Umzug von der Kirchenstraße in die Kellerräume des Einsteins 1998 davon geredet, eine möglichst effiziente Kühlanlage einzubauen. Aber es kam immer etwas dazwischen, bis jetzt. Und so gibt es im Juli deutlich weniger im Club zu hören als sonst, und die übrig gebliebenen Konzerte werden über mehrere Wochen hinweg in eines der Tonnengewölbe des Einsteins verlegt.

Für den „Jazz Sommer“  im Bayerischen Hof ist das eine glückliche Fügung. Denn das Publikum muss sich mangels direkter Konkurrenz in diesem Jahr nicht zwischen zwei renommierten Bühnen in der Münchner Innenstadt entscheiden, sondern kann gleich zum Promenadeplatz pilgern. Natürlich gibt es immer noch die vielen anderen Ablenkungen und Freizeitverlockungen, mit denen ein Festival heutzutage konkurriert. Außerdem geht es nicht mehr darum, überhaupt Musik für die Hörenden verfügbar zu machen. Wichtig ist vielmehr das Besondere, das man im angenehmen Rahmen erleben kann, möglichst kommunikativ und am besten direkt ansprechend.

Der „Jazz Sommer“ im Bayerischen Hof hat sich mit dem Thema „Voices“ dafür das ursprünglichste aller Instrumente herausgesucht. Denn die Stimme kann Wunder wirken. Im Idealfall erreicht sie das Emotionszentrum ohne große Umwege und schafft es, das Publikum in den Bann zu ziehen. Das klappt besonders gut, wenn jemand wie Dee Dee Bridgewater auf der Bühne steht. Die Sängerin aus Memphis, Tennessee, ist eine der großen Erzählerinnen des Jazz, eine Entertainerin mit viel Soul im Swing.

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„Tatsächlich konnte ich immer schon singen und scatten“, erzählt sie am Telefon über ihre musikalischen Leidenschaften. „Für mich ist das eine ganz natürliche Sache, die ich nicht weiter erklären kann. Wahrscheinlich war das eine frühe Vorentscheidung, dass ich Jazzsängerin werden musste.“ Im Laufe ihrer mehr als fünfzigjährigen Karriere hat sie jedenfalls reichlich Spuren in der Musikwelt hinterlassen, als Teil von Big Bands, Soul Combos, vor allem aber mit eigenen Formationen. Als Stargast des Festivals eröffnet sie am 22. Juli den „Jazz Sommer“ im Festsaal des Bayerischen Hofs, mit eigenem und dezidiert weiblichem Quartett.

Zu den besonderen Schmankerln des Eröffnungsabends gehört außerdem das zweite Konzert, das dann in den Night Club zu Tyreek McDole führt. Denn der Sänger aus Florida mit haitianischen Wurzeln ist eines der großen Talente der New Yorker Szene. Sein warmer, klar konturierter Bariton schafft es, Schmelz und Energie, Selbstbewusstsein und gestalterische Umsicht derart souverän zu verbinden, dass es womöglich sein erstes und zugleich letztes Clubkonzert in München sein könnte. Beim nächsten Mal sind dann größere Hallen an der Reihe.

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Die übrigen Tage des „Jazz Sommers“ bieten ein buntes Potpourri der vokalen Optionen, stellenweise auch eher frei interpretiert. Der schwedische Bassist und Cellist Lars Danielsson (23.7.) beispielsweise singt bislang mit seinen Instrumenten und bringt mit dem Liberetto Quartett Klangpoeten wie den Pianisten Grégoire Privat mit. Die Sängerin Alma Naidu (24.7.) hat den Sprung von München auf die großen Bühnen des Landes bereits geschafft und präsentiert neben eigenen Lieder auch den Gitarristen Torsten Goods als Gast. Christie Dashiell (25.7.) wiederum ist ihren von Gospel geprägten Ursprüngen inzwischen Richtung Soul und zeitgenössischem Jazz entwachsen, während die Jazz Department der Söhne Mannheims (26.7.) von Pop und Hip-Hop den Weg zurück zu den improvisierenden Wurzeln sucht.

Als Voreröffnung des Festivals ist mit der Saxofonistin und Gewinnerin des Kurt Maas Jazz Awards Katharina Pfeifer (21.7.) auch die junge Münchner Szene am Start. Eine Musikfilmreihe in der hauseigenen Cinema Lounge und die Ausstellung „Famous Faces“ im Atrium des Hauses runden die Konzerte noch auf anderer medialer Ebene ab. Die Hitze der Nacht im Bild und im Klang, mit Stimme über Stile und Generationen hinweg.

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