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Bayerischer Fußballverband:Voodoo im Strafraum und andere Andenken

Für den Pressetermin räumten Mitarbeiter den Schreibtisch von Rainer Koch auf.

Für den Pressetermin räumten Mitarbeiter den Schreibtisch von Rainer Koch auf. "So ordentlich ist es hier selten", sagt er und lächelt. "Ich bin eigentlich nicht der ordnungsliebende Typ."

(Foto: Robert Haas)

Im Büro von Rainer Koch, Präsident des Bayerischen Fußballverbandes, fehlen private Dinge - bis auf ein Foto von seiner Frau. Das Zimmer, sagt er, "ist Fußballbereich". Ein Besuch.

Rainer Koch ist noch nicht da. Aber seine Referentin öffnet die Tür zu Kochs Büro. Man könne sich schon mal umschauen, sagt sie. Hinter einem aufgeräumten, schwarzen Schreibtisch, der auf einem grauen Teppichboden steht, hängt ein großes Bild mit vielen Fahnen: ein Foto von der Eröffnungsfeier der Fußball-WM 2006 in München. Das ist ein Höhepunkt im Leben eines Präsidenten des Bayerischen Fußballverbandes (BFV); selbst wenn Koch stets betont, dass ihm die Amateure näher stünden.

Münchner Chefzimmer

Die SZ-Serie "Münchner Chefzimmer" wirft einen Blick hinter meist verschlossene Türen: Wo und wie arbeiten eigentlich die Mächtigen und Wichtigen in der Stadt? Alle Folgen finden Sie hier.

Das Büro befindet sich im dritten Stock des BFV-Hauses in der Brienner Straße. Im Schrank stehen Fußballjahrbücher, dazu Werke mit den Titeln "Voodoo im Strafraum" und "Handbuch des Sportrechts"; Koch ist ja auch Jurist.

Dann kommt Rainer Koch, 60, zur Tür herein. Er habe wenig Zeit, sagt er. Gerade sei er aus Hamburg gekommen. Später fliege er nach Berlin. Er schaut auf den Schreibtisch. "So ordentlich ist es hier selten", sagt er und lächelt. "Ich bin eigentlich nicht der ordnungsliebende Typ - wo gearbeitet wird, darf es ruhig auch danach aussehen." Seine Mitarbeiter hatten den Schreibtisch vor dem Pressetermin aufgeräumt. Fürs Foto werden nun doch wieder Akten gebracht. "Die liegen da normalerweise auch", sagt Koch.

Als er gefragt wird, was ihm in seinem Büro wichtig sei, holt er die Skulptur eines Fußballs aus dem Schrank; der Ball hat Kopfhörer auf. "Das ist ein Pokal der ersten Fußballiade 2015", sagt Koch. Die Fußballiade, die alle vier Jahre stattfindet, ist nach BFV-Angaben das "größte Jugend- und Amateurfußball-Event Bayerns". 2015 und 2019 war sie in Landshut. Tausende nahmen teil. "Es wurde natürlich Fußball gespielt", sagt Koch, "aber wir haben auch zeitgemäße Angebote für die Jugend gemacht, zum Beispiel mit E-Football."

Er guckt in sein Handy, auf der Suche nach Fotos der Fußballiade. "Und besonders stolz bin ich auf die Inklusionsangebote, die dürfen natürlich nicht vergessen werden", sagt er, ohne aufzusehen. "In diesem Jahr hatten wir zum Beispiel ein Turnier mit Amputiertenfußballern."

Und der Kopfhörer auf der Fußballskulptur? "Bei der Fußballiade finden auch Konzerte statt, 2015 hatten wir unter anderem Claudia Koreck auf der Bühne."

Gibt es eigentlich einen Glücksbringer im Büro; einen, der seit Jahrzehnten überall da ist, wo Koch arbeitet? "Nein", sagt er kurz. Ist nicht so sein Ding.

Koch geht wortlos aus dem Raum und kommt mit einer eigenartigen Kugel zurück. "Das ist ein Fußball, der aus Müll gefertigt wurde", sagt er, "den haben mir Jungs aus Mosambik geschenkt." Koch wirft ihn auf den Boden und tritt dagegen. Funktioniert. Die BFV-Sozialstiftung kümmert sich seit 2005 darum, dass Buben und Mädchen, die in einem armen Vorort von Maputo leben, auch mit richtigen Fußbällen spielen können, auf einem richtigen Fußballplatz. Außerdem gibt es eine Kooperation mit drei Grundschulen. "Wir haben die Klassenzimmer mit Stühlen und Bänken ausgestattet", sagt Koch. "Und zuletzt wurde eine Bibliothek eröffnet."

Vita

Rainer Koch ist derzeit nicht nur Präsident des Bayerischen Fußballverbandes, sondern auch einer der Chefs des Deutschen Fußballbundes (DFB). Er führt den DFB mit Reinhard Rauball kommissarisch, seit Reinhard Grindel im April wegen einer Uhrenaffäre zurückgetreten ist. Ende September soll der Freiburger Fritz Keller zum neuen DFB-Präsidenten gewählt werden. Keller gab kürzlich bekannt, dass Koch den DFB künftig in den Gremien des Weltverbandes Fifa und der Europäischen Fußball-Union (Uefa) vertreten soll.

Rainer Koch wurde am 18. Dezember 1958 in Kiel geboren, wuchs aber im Südosten Münchens auf. Er studierte Jura und arbeitet als Richter; 2007 hat er seine Arbeitszeit beim Oberlandesgericht München auf 50 Prozent reduziert. Koch spielte beim Kirchheimer SC und beim TSV Poing Fußball, wurde Jugendtrainer, Jugendleiter, Schiedsrichter und Funktionär.

Seit November 2004 ist er Präsident des Bayerischen Fußballverbandes, er führt zudem den Süddeutschen Fußballverband. Beim DFB ist er als Vizepräsident (und derzeit als kommissarischer Chef) unter anderem für die Amateure zuständig. gfi

Im Büroschrank liegt ein weiß-blauer Ball. Es steht "Einmal Löwe, immer Löwe" drauf. Sind Sie Fan von ...? Koch lacht. "Nein, ich konnte mich nicht entscheiden, für welchen Verein ich sein soll, deshalb bin ich zum Verband gegangen", sagt er. Ein Witz. Also? "Als Präsident ist man gut beraten, wenn man für alle da ist." Okay.

Koch zeigt auf eine Urkunde, die an der Wand hängt, und auf eine zweite, die am Boden steht. "Das ist mir noch wichtig", sagt er. Der BFV hat für sein Engagement für Organspenden zwei Preise bekommen. "Im April 2017 haben wir ein Aktionswochenende gemacht, an dem fast 600 Vereine von der C-Klasse bis zur Regionalliga teilgenommen haben", sagt Koch. "Dabei wurden überall Organspende-Ausweise verteilt." Es seien am Ende 100 000 Ausweise gewesen, ergänzt seine Referentin. "Da sieht man die Möglichkeiten, die der Fußball bietet", sagt Koch.

Ach ja, private Dinge fehlen im Büro, oder? Es steht bloß ein Foto von seiner Frau auf dem Schreibtisch. "Mein Büro ist Fußballbereich", sagt Rainer Koch. "Ich bin zum Arbeiten hier."