Markus Söder hatte schon leichtere Gegner. Den dezenten Bruno Ganz zum Beispiel, Ehrenpreisträger des Bayerischen Filmpreises 2017. Mit Florian David Fitz hat der bayerische Ministerpräsident nun jemanden ausgewählt, der zum einen unzweifelhaft diesen Preis verdient hat. Die Zahl der erfolgreichen und gelobten bis hochgelobten Filme ist lang, angefangen mit dem Kino-Durchbruch „Vincent will Meer“, mit Fitz als Hauptdarsteller und Drehbuchautor. Zum anderen hat das Duo Söder/Fitz aber durchaus humoristisches Potential, im Sinne des gediegenen Pointen-Schlagabtauschs.
Söder neigt ja im glamourösen Film-Umfeld, in dem er seit einiger Zeit noch häufiger anzutreffen ist als früher, zum selbstironischen Spruch. Und Fitz war immer schon jemand, der eine verbale Steilvorlage ohne zu zögern verwandelt. Insofern ist die Vorstellung interessant, wie das Vorgespräch der beiden wohl abläuft am Freitagabend, wenn der Ehrenpreisträger Fitz, 51, mit dem Ehrenpreisträger-Bestimmer Söder, 59, von der Staatskanzlei zum Prinzregententheater fährt, um der Verleihung des 47. Bayerischen Filmpreises beizuwohnen. Wobei das Gespräch dann ausfällt, Söder sagt die Preisverleihung im Prinzregententheater ab. An dessen Ende wird traditionell der Ehrenpreis verliehen. Das letzte Wort hat dann also Fitz, der am Donnerstag am Telefon sagt: „Ich bin schon überrascht.“
Und das darf jemand auch sein, der mit 51 einen Preis bekommt, dem bis vor Kurzem noch der Appendix „für das Lebenswerk“ anhängig war. Ehe der Mann in der Staatskanzlei auch Filmschaffende wie Michael „Bully“ Herbig und Veronica Ferres auszeichnen wollte, beide zu der Zeit noch unter 60, also unter normalen Schaffensumständen ein weites Stück von der Lebenswerkvollendung entfernt. Fitz, der selbstverständlich auch bei einem kurzen Telefoncall auf schlagfertig schalten kann, sagt: „Ich habe mit 35 auch noch einen Newcomer-Preis bekommen.“
Er freue sich sehr über die Auszeichnung, auch wenn er zu ihr komme wie die Jungfrau zum Kind. Gut, ein Kind ist er nicht mehr, aber eben auch nicht auf der Zielgeraden, manche spielen mit 51 noch Profifußball. Fitz ist auf jeden Fall so lebenserfahren, dass ihm der Abend nichts mehr ausmacht im Sinne von Stress oder Druck. Er werde wahrscheinlich auch nicht so über den Preis sprechen, wie es manch ein Ehrenpreisträger in seiner Jugend getan habe, sagt Fitz und zählt als Beispiel Billy Wilder auf, der Preise mit Hämorrhoiden verglichen habe: Irgendwann bekomme sie jeder.
So wird Fitz selbstverständlich nicht sprechen. Er lacht am Telefon und sagt: „Über ein einfaches ‚Danke!‘ wären wahrscheinlich viele froh.“ Nach einem Abend mit meistens weit mehr als 100 Dankes und erfahrungsgemäß einigen ausfransenden Danksagungen. Wobei der Bayerische Rundfunk, der den Abend überträgt und plant, das sehr gut mache, sagt der 51-Jährige, eine gelungen redaktionell geplante Show sei das. Wobei das Ende offen ist, weil unklar ist, was der Ministerpräsident wohl sagen wird.
Vorab lässt Söder über Fitz verlauten, dass der Schauspieler und Filmemacher die Kinoleinwand geprägt und die deutsche Filmkultur bereichert habe. Satzfragmente aus dem Lob-Baukasten. Interessanter ist, was Fitz über sich selbst sagt, selbstverständlich den hiesigen Gepflogenheiten entsprechend defensiv. „Ich versuche, Menschen ins Kino zu locken, zum einen mit dem Versprechen, sie zu unterhalten, aber auch immer mit einem Trojanischen Pferd.“ Im Bauch der Unterhaltung probiere er, noch einen anderen Inhalt zu transportieren. Ein ernsteres Thema.

Bei den Komödien „Vincent will Meer“ geht es um das Tourette-Syndrom, bei „Der geilste Tag“ um das Leben mit einer tödlichen Krankheit, in „Oskars Kleid“ um Geschlechteridentität, bei „Wochenendrebellen“ um Autismus. Das könnte Söder meinen bei dem Satz, dass Fitz „uns und der Gesellschaft immer wieder charmant den Spiegel vorhält“. Wie sie mit diesen Krankheiten umgeht und welche Klischees es gibt. Oder, wie der Preisträger sagt: „Gute Unterhaltung und Tiefe schließen sich nicht aus.“ Wenn man lachen und weinen kann, „dann gefällt mir das, das versuche ich“. Vielleicht habe man ihm auch deshalb gerade erst den Bayerischen Verfassungsorden verliehen, da sei es bei der Ehrung darum gegangen, „dass ich probiere, Themen aufzugreifen, die der Gesellschaft auf den Nägeln brennen“.
Fitz ist ein Routinier, ob auf roten Teppichen oder vor Mikrofonen und Kameras. Er kann jederzeit so lächeln und reden, als wäre er ernsthaft angetan von einem Gespräch respektive dem Gesprächspartner. Und er kann jederzeit gehaltvoll formulieren. Sätze wie trojanische Pferde, könnte man auf Fitzisch sagen. Etwa den. „Ich habe irgendwann verstanden, dass noch etwas Sinnvolleres hinter der Unterhaltung beim Film steht: ein Fenster in ein anderes Leben.“ Dass man das Leben und die Gefühle von anderen Menschen spüren und zeigen könne. Und dass man jederzeit auch die Erkenntnis aus einem guten Film mitnehmen könne: Mein Leben könnte auch ganz anders sein.
Fitz‘ Leben wird nach Freitag kein ganz anderes sein, vielleicht ein bisschen. Er ist dann eben nur der jüngste Ehrenpreisträger, dessen Lebenswerk noch längst nicht abgeschlossen ist, eine Art Ehrenpreis-Newcomer.

