Wow! Cathy Hummels im Brautkleid in der Bayerischen Staatsoper! Auf der Bühne! Ok, sie singt nicht. Sie ist dort nur erstmals Gast beim alljährlichen Bühnendinner. Und das Kleid ist vielleicht auch gar kein Hochzeitskleid. Eher ein schneewittchenweißes Abendkleid mit Tüllschleier, der zart die fragilen Schlüsselbeine umspielt.
Auf ihrem Insta-Kanal postete sie jedenfalls schon am Nachmittag ihre Wandlung, von der Jogginghosen-Comfy-Braut zur #Princess. Und dann hat sie es tatsächlich getan: Ihren Aschenputtelschuh über die Schwelle von Münchens großer Oper gesetzt. Fehlte nur noch das Krönchen. Hashtag OMG! Kann es in München noch mehr Glamour geben? Es kann, wenn der echte Adel ins Spiel kommt. Doch dazu später mehr.
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Nach dem Blitzlichtgewitter, den knappen Reden, der ersten Gershwin-Showeinlage und der hübschen kleinen Käfer-Vorspeise, muss Cathy Hummels, umringt von ihrem Social-Media-Team, eilends wieder los. Vom Fund eines gläsernen Pumps im Nationaltheater wurde bis zum Redaktionsschluss dieses Textes unterdessen noch nichts bekannt. Einer Kollegin vertraut sie es aber schnell noch an, sie komme womöglich wieder und habe „Blut geleckt“.
Die anderen Gäste dieses Abends tafeln und feiern an drei Dutzend prächtig geschmückten Banketttischen, bis der DJ den Schnürboden zum Singen bringt. 400 000 Euro nimmt die Oper mit dem Abend ein, für ihr Nachwuchsprogramm „Kind & Co“. Das ist viel Geld, auch wenn die kleine, gerade abgeschlossene Zwischensanierung des Hauses noch ein bisschen mehr gekostet hat. „Zwölf Millionen Euro“, referiert Kunstminister Markus Blume.

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Ihm lauschen neben Wirtschaftsbossen auch viele Prominente. Manche trifft man auch sonst oft in der Oper: die große Komödiantin Sunnyi Melles etwa, Ex-Ministerin Marion Kiechle und ihren Mann, den Sportmoderator Marcel Reif, Assoziierte der dauergebeutelten deutschen Modebranche wie Johnny Talbot (der schon gemeinsam mit Adrian Runhof die Damen des Bayerischen Staatsorchesters eingekleidet hat), Gerhard Wöhrl und Isabelle Brenninkmeijer. Allesamt in großen Roben und tadellos sitzenden Smokings.
So auch zwei der zuverlässigsten Münchner Operngänger. Der eine: Tech-Unternehmer, Brainlab-Gründer und Mäzen der Staatsoper Stefan Vilsmeier; erst kürzlich sagte er bei einem Empfang: „Den Fernseher haben wir abgeschafft. Immer wenn ich in München bin, bin ich sowieso in der Oper.“ Der andere: Franz Herzog von Bayern. Immer, wenn es etwas Lohnenswertes in der Oper gibt, und das ist in der Tat öfter der Fall als im Fernsehen, nimmt er in der Wittelsbacher Loge Platz.

Heute erhebt Franz von Bayern – den Intendant Serge Dorny stets als „Seine Königliche Hoheit“ begrüßt – mit seinem Lebensgefährten Thomas Greinwald und ein paar Bekannten das Glas auf eine wenige Tage zuvor gestorbene Freundin. „Sirikit“, so nennt Franz die frühere Königin, „hat mich gelegentlich besucht, und ich war auch einige Male bei ihr und Bhumibol in Thailand. Einmal kam sie mit 56 Hofdamen raus nach Nymphenburg und wir haben unser gesamtes Porzellan zusammensammeln müssen, um ihnen allen Tee zu servieren.“
Bei einem dieser Besuche sei man anschließend „fürchterlich verspätet“ in die Oper gegangen. „Als wir ankamen, knieten sicher zwei Dutzend Thailänder, die Sirikit ehren wollten, auf den Stufen zum Nationaltheater.“ Er habe ein wenig gedrängelt. „Aber sie ging zu jedem einzelnen und legte ihm die Hand auf. ‚Sie stehen sonst nicht auf, bis die Vorstellung vorbei ist‘“, habe Sirikit gesagt. Die Vorstellung fing fast eine halbe Stunde später an. Was lehrt uns diese Geschichte also? Wahrer Glanz will Weile haben.

