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Kultur in München:Pilotprojekt mit Perspektive

Corona-Pilotprojekt in der Bayerischen Staatsoper

Während der Pilotphase an der Bayerischen Staatsoper konnte kein Fall einer Ansteckung nachgewiesen werden.

(Foto: Wilfried Hösl)

Fast zwei Monate lang durfte die Bayerische Staatsoper vor 500 Zuschauern spielen - unter wissenschaftlicher Begleitung. Nun liegen die Ergebnisse vor.

Von Rita Argauer

In dem nüchternen Satz liegt eine gewisse Sprengkraft: "Unter den gegebenen Bedingungen des Pilotprojekts (7-Tage-Inzidenz überwiegend zwischen 35 und 100 je 100.000 Einwohner) konnte keine erhöhte Infektionswahrscheinlichkeit für das Publikum festgestellt werden." So steht es im Abschlussbericht zur Pilotphase des Spielbetriebs mit 500 Zuschauern an der Bayerischen Staatsoper.

Gerade jetzt, wo sich das Kulturleben im künstlichen Koma befindet und Kunstminister Bernd Sibler (CSU) am Donnerstag mitteilte, dass der Veranstaltungsbetrieb an den Bayerischen Staatstheatern "unabhängig von den jeweils geltenden allgemeinen Infektionsschutzmaßnahmenregelungen bis einschließlich 31. Januar 2021" eingestellt bleiben wird. Die Theater bleiben also vorerst geschlossen.

Es war indes schon länger bekannt, dass kein Fall einer Ansteckung während dieser Pilotphase nachgewiesen werden konnte. Innerhalb derer durfte zunächst im Nationaltheater und später auch in der Philharmonie im Gasteig sowie in der Meistersingerhalle in Nürnberg mit 500 Zuschauern die in ganz Bayern zulässige Grenze von maximal 200 Zuschauern überschritten werden.

Der Abschlussbericht, den die Oper nun veröffentlicht hat , verfestigt diese Erkenntnis noch einmal. An den Bayerischen Ministerpräsidenten sowie die zuständigen Staatsministerien für Wissenschaft und Kunst sowie Gesundheit und Pflege hat sie ihn jetzt übergeben. Er funktioniert auch als eine Art wissenschaftlich fundierte Anleitung zur sicheren Öffnung der Theater.

Geschultes Personal wies die Zuschauer an

Der 26-seitige Testbericht umfasst dabei detailliert die Maßnahmen, die das Theater getroffen hatte, um das Infektionsrisiko in seinen Räumen zu minimieren. Darin findet sich Offensichtliches wie eine Maskenpflicht für Personal und Zuschauer. "Aus Sicht der virologischen Experten erscheint bei einer Senkung der 7-Tage-Inzidenz unter 50 je 100 000 Einwohner die Aufhebung der Maskenpflicht nach Einnahme des Sitzplatzes sinnvoll möglich zu sein", heißt es zusätzlich im Bericht. Schon zu Beginn der Pilotphase durften die Zuschauer den Mundschutz während der Vorstellungen absetzen, mussten diesen aber beim Schlussapplaus wieder tragen. Geschultes Personal wies die im Schachbrettmuster auf Lücke gesetzten Zuschauer an.

Außerhalb des Sitzplatzes folgten die Wege im Haus einer strengen Hygiene-Choreografie. Auf den Eintrittskarten stand gedruckt, welchen von zwei Eingängen, der Besucher zu benutzen hatte. Die Orte für die Verkaufsstellen der Programmhefte sind ebenfalls nach bestimmten Kriterien festgelegt, um die Bildung von Menschenansammlungen zu vermeiden. Ebenfalls war geplant, wie ausreichend Parkplätze in der Tiefgarage unter dem Max-Joseph-Platz vorhanden wären und dass es keine Engstellen auf dem Weg von dort ins Haus gibt.

Der Saalplan zeigt zudem, dass im Oktober an manchen Stellen im Parkett der Abstand von eineinhalb Metern zwischen den Zuschauern verringert worden war. "Auch diese Fortentwicklung hat sich als vertretbar erwiesen", heißt es, zumal die Zuschauer während der Vorstellung nicht einander zugewandt sind und der vollständige Luftaustausch im Nationaltheater alle neuneinhalb Minuten gewährleistet sei.

Doch wichtiger innerhalb des Berichts ist die fachliche Analyse und die Evaluierung des Projekts. So waren sowohl Experten des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit als auch der Technischen Universität und des Klinikums rechts der Isar eingebunden. "Die Ansteckungsgefahr für die Besucher wird bei Einhaltung der Maßnahmen auf ein Minimum reduziert. Ich denke, das Konzept lässt sich bei vergleichbaren Inzidenzwerten mit individuellen Anpassungen auf andere Theater und Konzertsäle übertragen", sagt etwa Ulrike Protzer, Direktorin des Instituts für Virologie der Technischen Universität. Ebenso bestätigt der Bericht, dass auch das Sicherheitsempfinden des Publikums dem der Experten entspricht.

Solche Erkenntnisse bestätigen nicht nur die Sicherheit eines Theaterbesuchs bei den richtigen Hygieneauflagen, sondern würden - gerade auch jetzt innerhalb des zweiten Lockdowns - als wichtige Perspektive für die gesamte Kulturbranche dienen, wie Opernintendant Nikolaus Bachler betont. "Wir brauchen klare Parameter, die uns ermöglichen - unabhängig von täglichen Meldungen der Infektionszahlen - zu arbeiten und zu spielen! Dass dies verantwortbar ist, zeigen die Ergebnisse des Pilotprojekts", appelliert Bachler nun an die Politik.

© SZ vom 04.12.2020/amm
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