Süddeutsche Zeitung

Immobilien in München:Bayerische Landesbank plant Umzug nach Obersendling

Lesezeit: 3 min

Das Kreditinstitut steht kurz davor, einen Mietvertrag für ein Neubauprojekt an der Boschetsrieder Straße abzuschließen. Allerdings wirft der mögliche Deal auch Fragen auf.

Von Sebastian Krass

Neue Heimat Obersendling: Die Bayerische Landesbank (Bayern LB) ist auf der Suche nach einem neuen Standort für ihre Unternehmenszentrale fündig geworden. Die Hausbank des Freistaats Bayern wird aller Voraussicht nach in ein geplantes Büro- und Wohnquartier an der Boschetsrieder Straße, zwischen Machtlfinger Straße und Geisenhausenerstraße, ziehen. Diese Information wurde der SZ von mehreren, voneinander unabhängigen Akteuren im Münchner Büroimmobilienmarkt bestätigt. Zuvor hatte bereits das Immobilien-Fachmedium Thomas Daily berichtet, dass das Grundstück, früher von Siemens und einem Betonwerk und derzeit übergangsweise vom Kulturprojekt "Sugar Mountain" genutzt, Favorit der Bank sei.

Ganz fix ist der Deal noch nicht, aber Peter Bigelmaier, Geschäftsführer des von der BayernLB mit einer Standortsuche beauftragten Maklerunternehmens Colliers, erklärt, der Prozess sei "in der finalen Phase. Es gibt ein Objekt, das die Bayern LB favorisiert, ein Mietvertrag wird aktuell verhandelt". Weitere Details könne er nicht nennen. Ein Sprecher der Bayern LB erklärt wortgleich wie im Januar, die Bank befinde sich "in einem strukturierten Auswahl- und Prüfungsprozess".

Vor sechs Wochen war bekannt geworden, dass die Bayern LB ihren bisherigen Stammsitz zwischen Oskar-von-Miller-Ring, Brienner Straße, Türken- und Gabelsbergerstraße aufgibt und etwas zur Miete sucht. Die bisherige Zentrale hat 74 000 Quadratmeter oberirdische Geschossfläche, dort arbeiten 2700 Beschäftigte. Die meisten werden in Zukunft keine Präsenzpflicht im Büro mehr haben.

Zu den Vorgaben für die neue Immobilie gehörte nach SZ-Informationen, dass sie knapp 40 000 Quadratmeter Fläche haben solle - das entspricht grob gerechnet etwa 2000 Arbeitsplätzen. Der Standort in Obersendling wäre für ein Institut wie die Bayern LB ungewöhnlich, weil er relativ weit von repräsentativen Adressen im Zentrum entfernt liegt. Andererseits entstehen in Obersendling mehrere große Immobilienprojekte, die zu einer Aufwertung führen werden.

Und es ist günstiger dort: Während die Büromieten in der Innenstadt inzwischen bei mehr als 40 Euro pro Quadratmeter liegen, sind es für Neubauten in Obersendling etwa 25 Euro. Um welch enorme Summen es geht, zeigt ein Rechenbeispiel: Nimmt man die 25 Euro und jene Fläche von 40 000 Quadratmetern, dann kommt man auf eine Jahresmiete von zwölf Millionen Euro. Mietverträge dieser Art haben oft eine Laufzeit von zehn oder 15 Jahren.

Der Standort in Obersendling wird erst in einigen Jahren fertig. Derzeit erarbeitet die Stadt mit den Investoren, den Unternehmensgruppen Salvis und Athos, einen Bebauungsplan, der das nötige Baurecht schaffen würde. Vorgesehen sind Büros für bis zu 5000 Arbeitsplätze, 280 Wohnungen sowie Hotels, Geschäfte und Freizeiteinrichtungen. Zuletzt äußerte der Bezirksausschuss Bedenken gegen drei 80-Meter-Hochhäuser, die in einem städtebaulichen Entwurf des Büros KCAP Architekten vorgesehen sind.

Das Maklerunternehmen versichert, sich an interne Regeln zu halten

Der sich anbahnende, von Colliers-Geschäftsführer Bigelmaier federführend vermittelte Deal zwischen Bayern LB und Investoren wirft allerdings Fragen auf. Denn ein anderer Geschäftsführer und Mit-Gesellschafter von Colliers, Markus Wittmann, ist als Privatperson Mit-Investor in Obersendling. Kann das Maklerhaus unabhängig beraten, wenn eine Führungskraft möglicherweise persönlich davon profitiert, dass die Bayern LB sich für diesen Standort entscheidet? Wusste die Bayern LB davon? Colliers betont, man habe die Bank frühzeitig über die Konstellation informiert. Die Bank erklärt, Colliers habe versichert, sich an interne Regeln zu halten.

Das Handelsregister weist Markus Wittmann als Geschäftsführer der "Salvis Beteiligungsgesellschaft mbH" aus, an der er auch 30 Prozent der Anteile hält. Dieser Gesellschaft wiederum gehören 50 Prozent an der "Horus Sentilo Projektentwicklungsgesellschaft mbH", die mit weiteren Partnern das große Bauprojekt in Obersendling stemmen soll. Wittmann ist demnach ein Investor mit Minderheitsanteil und zudem ohne operative Funktion.

Zu einem so frühen Zeitpunkt einen Ankermieter wie die Bayern LB zu gewinnen, das kann aus Investoren-Sicht von enormem Vorteil sein: für Kreditgespräche mit Banken, für die weitere Vermietung - und so ein Mietvertrag würde den Wert des Immobilienprojekts steigern. Davon könnte auch Wittmann profitieren. Zudem dürfte es zu seinem Vorteil sein, wenn Colliers das Mandat für die Bayern LB erfolgreich abschließt.

Eine Entscheidung über den Standort will allein die Bank treffen

Eine schriftliche Anfrage, ob er als Mit-Investor des Bauprojekts und Mitgesellschafter des Maklerhauses - zumindest indirekt über den jeweiligen Unternehmenserfolg - doppelt profitieren würde, lässt Wittmann unbeantwortet. Am Telefon erklärt er dann, dass er sich dazu nicht äußern könne. Auf Anfragen zuvor hatte Wittmann geantwortet, er habe "zu dem Thema" eine Geheimhaltungsvereinbarung unterschrieben und könne "nur mitteilen, dass ich zu diesem Thema keinen Kommentar abgebe". Des Weiteren verwies er auf den Datenschutz.

Sein Colliers-Kollege Bigelmaier schreibt: "Bei einem solchen Verfahren gelten für uns strengste Compliance-Richtlinien, insbesondere wenn unser Auftraggeber ein öffentliches Unternehmen wie die Bayern LB ist." Es sei, fährt Bigelmaier fort, "bei uns Standard, dass wir jeglichen möglichen Interessenskonflikt schon vor Beginn eines Auftrags offenlegen". Das Projekt in Obersendling sei "Teil des Auswahlprozesses für die Bayern LB" gewesen, "die Beteiligung von einem unserer Geschäftsführer war der Bank von Anfang an bekannt".

Der Bank-Sprecher erklärt, Colliers stelle "hausintern sicher, dass insbesondere alle dort gültigen Compliance- und Informationssicherheitsregeln eingehalten werden. Dafür liegen der Bayern LB entsprechende Bestätigungen vor". Überdies gebe Colliers keine Empfehlung für oder gegen einzelne Standorte ab. Diese Entscheidung werde "ausschließlich bank- und projektintern getroffen".

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