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Verkehr:Überall in München nerven die Baustellen

Baustelle Luisenstraße / Ecke Elisenstraße

An der Kreuzung Augustenstraße/Brienner Straße haben Verkehrsteilnehmer aktuell wenig zu lachen. Hier werden Tramgleise ausgetauscht und ein neuer Radweg gebaut.

(Foto: Corinna Guthknecht)
  • Während viele Münchner im August Urlaub machen, haben die Bauarbeiter Hochsaison.
  • 70 aktuelle Baustellen sind auf der Internetseite der Stadt aufgelistet - von der Verlegung einer Fernkälteleitung am Oberanger bis zum Austausch von Trambahngleisen und der Verbreiterung von Fahrradwegen in der Maxvorstadt.

Dass in den Sommerferien besonders viel und häufig auf Münchens Straßen gearbeitet wird, daran haben sich die Münchner längst gewöhnt. Ohne Baustellen wäre so ein August in der Stadt heutzutage gar nicht mehr vorstellbar, ja nachgerade langweilig. Dass die Baustellen in diesem Jahr aber als besonders anstrengend wahrgenommen werden, liegt vielleicht auch daran, dass man ihnen selbst im Untergrund nicht entkommt. Da wäre zum Beispiel die Dauerbaustelle am U-Bahnhof Sendlinger Tor, da wären die aktuell laufenden Bauarbeiten an den S-Bahnhöfen der Stammstrecke. Und dazu dann Dutzende Baustellen an der Oberfläche, von denen einige nach kurzer Zeit wieder abgeschlossen sein werden. Andere aber laufen schon länger und werden Autofahrern, Radlern und Fußgängern noch eine Zeit lang erhalten bleiben.

Gerade in der Innenstadt und in der Maxvorstadt hat man es derzeit häufig nicht leicht, vor allem, wenn man mit dem Fahrrad unterwegs ist. Zum Beispiel wegen der Baustelle am Oberanger, wo die Stadtwerke derzeit Fernkälteleitungen verlegen. In Richtung Innenstadt ist der Oberanger ab Sendlinger Tor derzeit nicht befahrbar, weder für Autos noch für Busse. Die Linien 52 und 62 werden außenrum über die Blumenstraße umgeleitet. Wer also mit öffentlichen Verkehrsmitteln direkt ins Zentrum will, sollte lieber mit U- oder S-Bahn kommen.

S-Bahn München Hochbetrieb in der Tiefe
S-Bahn

Hochbetrieb in der Tiefe

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Radlern hat die Stadt einen schmalen, gelb markierten Streifen Richtung Innenstadt spendiert. So weit, so gut gemeint. Im Alltag sieht das aber so aus: Weil der Autoverkehr im Zentrum auch in den Ferien nicht wirklich abnehmen will, schiebt sich die Privatauto-, Lieferverkehr- und Stadtbuskolonne in den Hauptverkehrszeiten relativ zäh Richtung Sendlinger-Tor-Platz. Die Radler, die normalerweise eine eigene Spur in diese Richtung haben, teilen sich nun die Fahrbahn mit dem motorisierten Verkehr. Und das ist weder besonders angenehm, noch besonders sicher. Denn wenn der Verkehr stockt, überholen viele Radler die Autos und fahren auf dem bereits erwähnten schmalen Radstreifen in der Gegenrichtung.

Radfahrer kommen ins Schwitzen - nicht nur wegen der Hitze

Wer sich das eine Weile anschaut oder gar selbst die Strecke mit dem Rad ein paar Mal auf und ab fährt, kommt am Oberanger durchaus ins Schwitzen - nicht wegen der Hitze, sondern weil es hier durchaus brenzlig werden kann. Das geht übrigens schon im Rosental los, wenn man vom Viktualienmarkt Richtung Rindermarkt radeln will. Autos, wo man hinschaut, vor allem solche, die ihre Ortskenntnis oder ihr Navi nutzen und trotz aller Widrigkeiten zu den Parkhäusern am Oberanger oder am Rindermarkt wollen.

Der Oberanger ist nur ein Teil einer besonders einschneidenden Baumaßnahme. Wenn man so will, kann man sie als die räumliche Fortsetzung der seit 2017 laufenden Bauarbeiten am Sendlinger-Tor-Platz verstehen, wo wegen der geänderten Verkehrsführung die Autokolonne (wie auch die Busse) ebenso stark abgebremst wird und Radfahrer auf einem schmalen Streifen über die Kreuzung geleitet werden.

Aber diese Einschränkungen sind nur ein Beispiel von vielen. Gearbeitet wird in der ganzen Stadt. Alle einzeln aufzulisten, würde den Rahmen sprengen. Auf der Homepage der Stadt München finden sich derzeit rund 70 laufende Maßnahmen. Die nur für diesen Sommer vorgesehenen sind dabei extra verzeichnet. Und wer eine der Baustellen zum ersten Mal passieren muss, weil er oder sie nicht wusste, dass hier gerade gegraben wird und weil es für eine Umfahrung zu spät ist, der kann schon mal verzweifeln. Zum Beispiel an der Dauerbaustelle am Thomas-Wimmer-Ring, wo noch bis Mitte nächsten Jahres eine Tiefgarage gebaut wird. Auch hier ist die Situation für Radler und Fußgänger verzwickt, wenn sie keinen anderen Weg von der Maximilianstraße in Richtung Isartorplatz gewählt haben. Stellenweise führt nur ein handtuchbreiter Radstreifen am Bauzaun entlang. Fußgänger haben auch nicht mehr Platz. Mit einem Lastenrad würde es hier verdammt eng. Und wenn einem dann auch noch ein Radler oder E-Scooterfahrer in falscher Richtung entgegenkommt, ist es das Beste, einfach abzusteigen und ein Stück weit zu schieben.

Das empfiehlt sich auch an einigen Stellen in der Maxvorstadt, wo gerade gebaut wird. Was derzeit in der Brienner Straße zwischen Augustenstraße und Stiglmaierplatz gearbeitet wird, geschieht immerhin im Dienste des öffentlichen Nahverkehrs und der Radfahrer. Die Stadtwerke erneuern ihre Ausweichgleise für die Tram, gleichzeitig werden hier die alten und sehr schmalen Radwege zurückgebaut und durch breitere Radstreifen auf der Fahrbahn ersetzt. In der Zwischenzeit ist der Weg zwischen Königsplatz und Stiglmaierplatz einigermaßen beschwerlich. Das gilt auch für die Elisenstraße in der Nähe der Luisenstraße, wo die Stadtwerke Fernkälte- und Fernwärmeleitungen verlegen. Hier wenigstens wird es nicht mehr lange dauern, bis Mitte September sollen die Einschränkungen vorbei sein.