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Sendling:Diese Bauprojekte werden Münchens Süden prägen

Das sich im Bau befindende neue Volkstheater, aufgenommen vom Schlachthofgelände aus.

Allmählich lassen sich die Konturen des neuen Volkstheaters am Viehhof erahnen. Noch steht dort nur ein Rohbau, doch bereits im Herbst 2021 will Intendant Christian Stückl das Haus eröffnen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Neue Großmarkthalle, neues Volkstheater, das Interimsquartier für den Gasteig und Hunderte neue Wohnungen: Südlich der Innenstadt wird sich in den kommenden Jahren vieles verändern.

Wenn es um spannende Bauprojekte der Zukunft geht, blicken die Planer in München gerade nach Norden und Nordosten, wo bereits ein Kampf um die letzten großen Freiflächen der Stadt entflammt ist. Dabei wird es im Süden, deutlich näher am Zentrum, viel schneller spannend: Das neue Volkstheater am Viehhof wächst bereits kräftig in die Höhe, im Umgriff sollen 600 Wohnungen entstehen und sich Läden und Gewerbe ansiedeln.

Auf der anderen Seite der Gleise läuft die Planung für die Umgestaltung des Großmarkt-Areals an. Dort soll nicht nur eine neue große Halle für die Händler gebaut werden, die Stadt will auf dem 26 Hektar großen Gelände auch Wohnungen in bester Lage errichten - um die 1600 sind im Gespräch. Ein Stück weiter, über den Mittleren Ring hinüber, werkeln Arbeiter am Gasteig-Interim, zumindest vorübergehend eines der wichtigsten Kultur-Areale der Stadt.

Die größte dieser aktuellen und künftigen Baustellen an der Achse Schlachthofviertel-Sendling hat im Stadtrat vergangene Woche eine erste wichtige Hürde genommen. Mit einem Grundsatz- und Eckdatenbeschluss wurde grob festgelegt, was auf dem bisherigen Großmarkt-Gelände entstehen soll: Im südöstlichen Bereich soll entlang der Schäftlarnstraße ein bis zu 68 Meter hohes Gebäude gebaut werden, in dem auf zwei unter- und drei überirdischen Stockwerken der gesamte Großmarktbetrieb samt Verkehr gebündelt wird. Oben drauf kommen soll ein Bürokomplex mit 55 000 Quadratmetern, was grob gerechnet Platz für gut 3000 Beschäftigte bedeutet.

Durch die Konzentration des Großmarkts und auch der Lkw-Stellplätze auf eine Halle wird viel Fläche frei, die zu einem Wohn- und Geschäftsquartier werden soll. Der Bezirksausschuss Sendling geht von einem Potenzial für 1600 Wohnungen für gut 3000 Bewohner aus. Das Planungsreferat bezeichnet die Zahlen zwar noch als spekulativ, aber in die Richtung könnte es schon gehen. Besonderen Reiz gewinnt das neue Quartier dadurch, dass das Areal der Stadt gehört. Sie kann dort so viel bezahlbaren Wohnraum in Top-Lage schaffen, wie sie will.

Nicht nur die nahen Isarauen und der kurze Weg ins Zentrum werden viele Interessenten anlocken, der Süden wird in den kommenden Jahren auch kulturell aufblühen. Das neue Volkstheater entsteht nur wenige Schritte entfernt am Viehhof. Die Stadt wird dafür fast 140 Millionen Euro ausgeben, der Rohbau verrät schon die Konturen. Im Herbst 2021 will Intendant Christian Stückl das Haus eröffnen. In direkter Nachbarschaft werden auf dem Viehhof-Gelände statt der anfangs geplanten 400 nun 600 Wohnungen gebaut. Damit dürften südlich des Stadtzentrums mehr als 2000 Wohnungen entstehen.

Ebenfalls im Bau befindet sich das Interimsquartier des Gasteig an der Hans-Preißinger-Straße. Es dürfte die Stadt inklusive eines Ersatz-Konzertsaals mehr als 100 Millionen Euro kosten. Auch die Volkshochschule, die Musikhochschule und die Stadtbibliothek werden einziehen. Gasteig-Chef Max Wagner erklärte bei einem Baustellenbesuch, das Interim könne "Kult"-Charakter entwickeln. Im Jahr 2021 soll der Betrieb anlaufen.

Ob auch die künftigen Bewohner des benachbarten Großmarkt-Areals davon profitieren werden, steht noch nicht fest. Die Stadtwerke als Eigentümer des Interim-Geländes wollen dort langfristig selbst bauen, doch die Grünen haben bereits gefordert, dass die Hans-Preißinger-Straße auch nach der Gasteig-Sanierung eine Zukunft als Kunst- und Kreativquartier haben sollte. Nur dann könnten es die Bewohner des neuen Großmarkt-Quartiers wohl nutzen, denn die Planung dafür wird noch viel Zeit verschlingen.

Priorität hat die neue Halle, die Strahlkraft für die ganze Stadt und weit darüber hinaus entwickeln könnte. Sie wird von einem privaten Investor, dem bereits dort tätigen Umschlagzentrum Großmarkt München (UGM), errichtet. Das Grundstück erhält es von der Stadt in Erbpacht. UGM plant den Neubau mit dem Architekturbüro Henn, er wird mehrere Hundert Millionen Euro kosten. Damit das Projekt Geld abwirft und zudem die Mieten für die Händler auf dem Großmarkt bezahlbar bleiben, sollen oben die Büroflächen entstehen. Die Stadt rechnet damit, dass es bis mindestens zur zweiten Jahreshälfte 2023 dauern wird, das Baurecht für die neue Großmarkthalle zu schaffen. Mit einer Eröffnung ist in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts zu rechnen - erst dann wird der Platz für Wohnungen frei.

Ein "gemischt genutztes Stadtquartier", das "eng mit den umgebenden gewachsenen Quartieren Sendlings" verknüpft wird - das ist der Anspruch, den die Stadt sich dabei gesetzt hat. Was dort alles unterkommen kann, will die Stadt auch mit einer intensiven Beteiligung der Öffentlichkeit eruieren. Gesetzt sind ein Gewerbeanteil, kulturelle und soziale Angebote sowie Grünflächen. Die Stadt wird einen städtebaulichen und landschaftsplanerischen Architektenwettbewerb ausschreiben.

Der Sendlinger Bezirksausschuss-Vorsitzende Markus Lutz (SPD) ist guter Dinge, dass in zehn Jahren die ersten Wohnungen bezogen sind und eine neue Grundschule in Betrieb ist. Er sieht das Projekt grundsätzlich positiv: "Wenn ordentlich geplant wird, dann ist das Wachstum verträglich für den Stadtbezirk." Zu einer ordentlichen Planung gehört für ihn, dass das Quartier möglichst autofrei wird, dass durch die Öffnung des bisher abgeschlossenen Areals neue Wege entstehen und dass der Nahverkehr ausgebaut wird, zumindest "mit einer Busverbindung von Thalkirchen Richtung Innenstadt entlang der Schäftlarnstraße, die auch nachts fährt für die Menschen, die im Großmarkt arbeiten".

Der Stadtrat hat schon einige Vorgaben gesetzt: Das Planungsreferat muss ein Mobilitäts- und ein Energiekonzept für das Quartier erarbeiten. Geprüft werden unter anderem auch die Nutzung des Gleisanschlusses für die Anlieferung der Großmarkthalle und ein direkter Zugang zu den Isarauen durch das benachbarte Kraftwerks-Areal. Es gibt aber auch skeptische Stimmen, so meldete sich in der vergangenen Woche eine neue "Bürgerinitiative Großmarkt-Areal" zu Wort. Wegen des zu erwartenden zusätzlichen Verkehrs und Lärms zeichne sich "Widerstand bei den Bürgern ab", hieß es in einer Mitteilung. Man merkt, es wird spannend im Süden.

© SZ vom 14.04.2020/flud
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